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  • 07.12.2017
  • von Felix Hackenbruch

Juden und Muslime in Berlin: "Ein friedliches Miteinander ist möglich"

von Felix Hackenbruch

Armin Lange will ein Miteinander von Juden und Muslimen. Foto: Cornelis Voogdt

Armin Langer leitet die Initiative "Salaam-Schalom", die sich für friedliches, interkulturelles Zusammenleben in Neukölln einsetzt. Wie das gelingen kann, sagt er im Interview.

Herr Langer, in der Initiative „Salaam-Schalom“ engagieren sich Juden wie Sie, aber auch viele Muslime. Gibt es nie Ärger wegen des Nahostkonflikts?

Als Gruppe beschäftigen wir uns mit den Ungerechtigkeiten in Deutschland. Wenn es eines Tages keinen Antisemitismus und keine Islamfeindlichkeit mehr in Deutschland gibt, können wir die Probleme zwischen dem Mittelmeer und dem Jordan angehen.

Politik ist bei Ihnen tabu?

Nein, manchmal wollen Mitglieder über außenpolitische Themen sprechen, aber das beeinflusst unsere Arbeit nicht. Überhaupt: Nur weil jemand Jude oder Muslim ist, muss er keine Meinung zu Israel oder Palästina haben. Ich als Jude möchte auch nicht für die israelische Besetzungspolitik verantwortlich gemacht werden. Wie die Mehrheit der weltweiten jüdischen Gemeinde besitze ich kein Wahlrecht in Israel.

Verbindet die Mitglieder der Initiative die Anfeindungen wegen ihrer Religion?

Wir sind keine homogene Gruppe, doch das sind Erfahrungen, die wir alle teilen. Obwohl viele die Staatsbürgerschaft haben, gelten wir nicht als Deutsche – leider.

Sehen Sie schon Erfolge durch Ihre Arbeit?

Es macht mich stolz, dass viele Menschen bei uns ihre erste Begegnung mit „den anderen“ erleben. Wenn eine jüdische Familie auf unserer Veranstaltung eine muslimische kennenlernt und gemeinsam essen geht, dann ist das schon ein erster Erfolg. Essen ist der Schlüssel für Frieden – und reden. Es ist aber auch nicht alles schlimm. Meine Realität ist, dass ein friedliches Zusammenleben möglich ist. Ich erlebe es jeden Tag.

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