• Erinnerung an Bücherverbrennung: Chance auf neuen Gedenkort in Potsdam

Erinnerung an Bücherverbrennung : Chance auf neuen Gedenkort in Potsdam

Da die Stadtverwaltung bisher keine Pläne für einen neuen, festen Gedenkort hat, fordern die Stadtpolitiker nahezu fraktionsübergreifend ein Konzept für ein Erinnern am Bassinplatz ein. 

Der Bassinplatz mit der Kirche St. Peter und Paul.
Der Bassinplatz mit der Kirche St. Peter und Paul.Foto: Sebastian Gabsch PNN

Potsdam - Es gibt neue Hoffnung für die Errichtung eines Gedenkortes an die Bücherverbrennung der Nationalsozialisten 1933 in Potsdam. Ein entsprechender Antrag aller Stadtfraktionen außer der AfD soll am 19. August in der nächsten Sitzung des Stadtparlaments diskutiert werden. In dem Antrag wird Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) gebeten, einen Verfahrensvorschlag mit dem Ziel der Einrichtung eines solchen Gedenkortes auf dem Bassinplatz zu erarbeiten und dem Kulturausschuss im November vorzulegen. Die Einweihung soll spätestens zum 90. Jahrestag der Bücherverbrennung 2023 erfolgen.

Der Berliner Bebelplatz als Vorbild 

Wie berichtet hat die Stadt bislang keine Pläne für einen solchen Gedenkort. Das hatte die Verwaltung jüngst auf eine kleine Anfrage des Linke-Politikers Sascha Krämer mitgeteilt. Die Debatte ins Rollen gebracht hatte im Mai Stadtpräsident Pete Heuer (SPD). Aus alten Filmaufnahmen ist vor allem die Bücherverbrennung auf dem Berliner Opernplatz am 10. Mai 1933 bekannt. Die wurde seinerzeit von Studenten und Professoren der heutigen Humboldt-Universität inszeniert. Am historischen Ort, der heute Bebelplatz heißt, existiert seit 1995 ein Mahnmal.

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Weniger bekannt ist bis heute, dass auch in mehr als 20 weiteren deutschen Städten Schriftsteller verfolgt und ihre Werke zerstört wurden. Am 22. Mai 1933 loderte der Scheiterhaufen in Potsdam. Am Abend hatten sich Anhänger verschiedener NS-Jugendorganisationen vor dem NSDAP-Parteilokal in der heutigen Hegelallee versammelt. In einem Aufmarsch mit Fackeln zogen sie zum Bassinplatz. Die Potsdamer Tageszeitung schrieb am Tag danach: „Dann wurde die erste Strophe des Deutschlandliedes gesungen und hierbei ein großer Stapel von marxistischen und Schundbüchern angezündet.“

"Dem Vergessen überzeugend begegnen"

Seit dem Jahr 2013 erinnert die Landeshauptstadt bislang jährlich dezentral an das Ereignis. Gerade „vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung, Erinnerung und Wissensvermittlung zu diesem unfassbaren Ereignis“ sei aber ein fester Gedenkort wichtig, heißt es dazu im Antrag von SPD, Bündnis90/Die Grünen, Die Linke, CDU, DIE Andere, FDP, Bürgerbündnis und Die PARTEI, der nundiskutiert werden soll. Und: Ein solches Mahnmal sei wichtig, um „sowohl dem Vergessen als auch dem Aufkeimen faschistischen Gedankengutes überzeugend zu begegnen“.

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