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  • 16.05.2018
  • von Steven Wiesner

Neuer Trainer: Mancini steht in Italien vor großen Aufgaben

von Steven Wiesner

Noch lächelt er: Roberto Mancini übernimmt eine italienische Nationalmannschaft, bei der viel Luft nach oben bleibt. Foto: AFP

Roberto Mancini war nie ein hochklassiger Trainer. Ähnlich wie bei Jogi Löw könnte aber genau das seine Chance sein. Ein Kommentar

Es ist so eine Sache mit dem ersten Blick. Auf eben jenen wirkt Roberto Mancini weniger wie eine außergewöhnlich kreative Lösung für die Probleme des italienischen Fußballs. Nach seiner Entlassung bei Manchester City vor fünf Jahren stagnierte die Karriere des einstigen Erfolgstrainers bestenfalls noch. Seine folgenden Stationen Galatasaray Istanbul, Inter Mailand und Zenit St. Petersburg waren alles andere als El Dorados im Weltfußball und für Mancini auch nicht von sonderlich viel Erfolg geprägt. Die abgelaufene Spielzeit in der russischen Meisterschaft beendete Mancini auf Rang fünf – die schlechteste Platzierung für St. Petersburg seit zehn Jahren.

Auf den ersten Blick muss man die Nationalmannschaft Italiens also kaum beneiden um ihren neuen „commissario tecnico“ und man darf auch skeptisch sein, ob er angesichts gehandelter Alternativen wie Antonio Conte oder Carlo Ancelotti wirklich die Idealbesetzung ist für den Wiederaufbau der Squadra Azzurra, die sich nach dem ersten Fernbleiben bei einer WM-Endrunde seit 60 Jahren neu ausrichten muss. Auf den ersten Blick aber wirkten auch Friedhelm Funkel und Tayfun Korkut nicht wie moderne Heilsbringer in ihren Bundesligaklubs. Vor allem das Beispiel Korkut in Stuttgart hat gezeigt, dass es sich nicht empfiehlt, verfrüht über Trainer zu urteilen. Selbst die Vita von Joachim Löw hat sich nach seinem ersten großen Titel mit dem VfB Stuttgart im DFB-Pokal 1997 nicht wie eine Cinderella-Story gelesen. Nach Engagements beim Karlsruher SC, Adanaspor und dem FC Tirol wurde Löw bereits mit dem Stempel „Gescheitert“ versehen – heute ist er gewissermaßen denkmalgeschützter Weltmeistertrainer.

So ähnlich sieht auch Roberto Mancini seinen Auftrag an. „Seit unzähligen Jahren gewinnen wir keine Turniere mehr“, sagte der 53-Jährige bei seiner Vorstellung. „Ich möchte eine Person sein, die die Nationalelf auf das höchste Niveau führt.“ In der Weltrangliste verorten sich die Italiener aktuell auf Platz 20. Hinter Tunesien. Hinter Dänemark. Hinter Peru. Mancinis Vorgänger Gian Piero Ventura hat freundlicherweise reichlich Luft nach oben gelassen.

Nach dem erfolglosen Greis Ventura, der letztlich nur 16 Länderspiele betreuen durfte, hätten sie in Italien vermutlich jeden mit Kusshand genommen. Umso mehr aber tun sie es nun mit einem Übungsleiter, der durch drei italienische Meisterschaften aus seiner ersten Zeit bei Inter (2006, 2007, 2008) sowie einen Premier-League-Titel mit City (2012) einiges an Renommee mitbringt. Mancini muss auch nicht komplett bei null anfangen. Der italienische Fußball hat Probleme, ja. Aber er ist weitaus besser aufgestellt als es beispielsweise die deutsche Nationalelf während ihrer Sinnkrise in den 2000er Jahren war. Feine Fußballer wie Marco Verratti, Lorenzo Insigne oder Federico Bernadeschi werden den erfolgreichen Wiederaufbau zwar nicht garantieren, aber erleichtern. Nach der Regentschaft ergrauter Altstars wie Gianluigi Buffon, Daniele de Rossi oder Andrea Barzagli wird es primär darum gehen, eine neue Hierarchie zuzulassen und den Prozess zu moderieren. Das ist Roberto Mancini, der in seiner Karriere auch schon mit vielen schwierigen Charakteren wie Mario Balotelli, Carlos Tevez oder Yaya Touré klarkommen musste, zuzutrauen. Auf den ersten Blick zumindest.

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