• 04.05.2012
  • von Dominik Bardow

Störfeuer beim Familienabend

von Dominik Bardow

Hertha im freien Fall? Maskottchen Herthinho hat immerhin ein Seil mit, um sich von einem Hotel in die Tiefe zu stürzen. Foto: dapd

Hertha BSC demonstriert Zusammenhalt – um vom Gegenteil abzulenken?

Berlin - Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) meint es gut mit Hertha BSC. Wegen des DFB-Pokalendspiels am Samstag kommender Woche im Olympiastadion wurde das erste Relegationsspiel einen Tag vorverlegt, auf Donnerstag, den 10. Mai. So müssten es die Berliner, falls sie es denn in einen Vergleich mit dem Zweitligadritten schaffen, einen Tag weniger miteinander aushalten. Denn vor dem letzten Bundesliga-Spiel am Samstag gegen die TSG Hoffenheim deutet es sich an, dass der eine oder andere nicht mehr so gut miteinander kann. Da wird schon mal intern übereinander gelästert. Oder jemand aus Gründen abseits des Sportlichen suspendiert. So wie Tunay Torun, der wie Alfredo Morales ins U-23-Exil geschickt wurde. Dabei ist und war Zusammenhalt eine der wichtigsten Währungen im Abstiegskampf. Siehe Mönchengladbach vor einem Jahr. Oder Freiburg in dieser Rückrunde. Der SC opferte gar sechs aussortierte Spieler für den Betriebsfrieden.

Den meint Hertha auch in der eigenen Belegschaft ausgemacht zu haben, zumindest jetzt, vor der letzten Chance auf den Klassenerhalt. „Die Jungs haben sich sehr gut verhalten in dieser Woche“, lobte Trainer Otto Rehhagel, „sie haben sich mit Frauen und Kindern zu einem gemeinsamen Abend getroffen und Zusammenhalt dokumentiert.“

Wer etwas dokumentiert, erweckt immer ein wenig den Eindruck, er müsse Beweise vorlegen, die vom Gegenteil ablenken. Rehhagel betont, dass nicht alles, was kolportiert werde, aus erster Hand stamme. „Die Jungs halten zusammen und verstehen sich gut.“ Wobei auch der 73-Jährige gewisse Reibungen einräumt. „Dass es bei einer Gruppe von 30 Leuten zu Meinungsverschiedenheiten kommt, ist ganz klar“, sagt er. „Da herrscht nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Wo viele Menschen zusammenarbeiten, da kommt es schon einmal zu Irritationen.“

Dass Hertha es trotz ausgefeiltester Abschirmungsmaßnahmen nicht schafft, diese zu verbergen, deutet darauf hin, dass es sich um ein paar Meinungsverschiedenheiten mehr handelt. Um kleine, etwa wenn Kapitän Andre Mijatovic wieder ins Training einsteigt und von einer möglichen Rückkehr zu den möglichen Relegationsspielen spricht. Und Rehhagel ihn öffentlich aus diesen Träumen reißt, weil Mijatovic nicht helfen könne, wegen seines Trainingsrückstandes. Oder um nicht ganz so kleine, wegen derer Torun Bedenkzeit in der Reservemannschaft bekam. „Insgesamt sind die Jungs in Ordnung“, versichert Rehhagel. Man könnte es so verstehen: von Einzelfällen abgesehen. „Das Team bereitet sich konzentriert auf Samstag vor“, betont der Trainer.

Reibungen können auch positive Energien freisetzen. Bei Hertha werden sie eher vertuscht und abgestraft. Die Frage ist, ob sich der Verein damit hilft, wie Freiburg. Oder sich eher selbst schadet.

Torun hat zwei der letzten drei Hertha- Tore erzielt. Und Morales musste mit zur U 23, weil er dem Team laut Rehhagel nicht helfen könne. Gegen Hoffenheim kann der einzige Ersatzrechtsverteidiger dann nicht helfen, falls der erste Mann Christian Lell ausfallen sollte. Der 27-Jährige absolvierte am Donnerstag nur Lauftraining, um zu testen, ob es bis Samstag reicht. Ohnehin gehört Lell zu denjenigen, die wegen ihrer Meinungsfreude im Verein nicht nur Freunde haben.

Meinungen sind im und um den Verein herum nicht immer gefragt. Am ungefragtesten ist derzeit die Meinung von Markus Babbel. „Die Mannschaft muss sich davon befreien. Dass es Störfeuer gibt, ist doch normal in dem Geschäft“, sagte Rehhagel über die Äußerungen des früheren Hertha- und jetzigen TSG-Trainers vor dem Spiel. Der Verein hat Babbels Auflösungsvertrag „der Person zur Überprüfung gegeben, die den Vertrag damals für uns ausgehandelt hat, das ist unser Recht und unsere Pflicht“, sagte Manager Michael Preetz. Es droht also eine Geldstrafe wegen vereinsschädigender Äußerungen.

Auch zwischen Fans und Mannschaft war der Zusammenhalt schon einmal größer. 45 000 Tickets sind derzeit verkauft, über 50 000 Zuschauer werden erwartet. Ausverkauft wird das Spiel, das über Herthas Bundesligaverbleib entscheidet, nicht sein.

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