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EURO 2012

  • 14.07.2017
  • von Julian Graeber

Sport in Schmargendorf: Berliner SC: Mehr als ein Anhängsel

von Julian Graeber

Bereit zum Wuseln. Einmal im Jahr gehört die Sportanlage des Berliner SC an der Hubertusallee ganz dem Hockey-Nachwuchs. Am vergangenen Wochenende waren 95 Mannschaften bei dem Turnier dabei. Foto: Mike Wolff

Der Berliner SC hat eine gemeinsame Vergangenheit mit Hertha, definiert sich aber nicht nur über Fußball. Unsere Newsletter-Leser wählten ihn zum beliebtesten Klub in Charlottenburg-Wilmersdorf.

An dieser Stelle stellen wir die Klubs vor, die von unseren Newsletter-Lesern zu den beliebtesten Sportvereinen aus Charlottenburg-Wilmersdorf gewählt wurden. Nach Platz drei Tennis Borussia und dem zweitplatzierten Berliner SV 92 folgt nun der Gewinner: Der Berliner SC.

Außer dem Namen und einem Bild im Sportcasino, auf dem die Wappen der zwei Vereine von einem Künstler kombiniert wurden, zeugt nicht mehr viel von der gemeinsamen Vergangenheit. Einen kleinen Scherz kann sich Hans-Joachim Fenske aber nicht verkneifen. „Wir sind das kleine Anhängsel von Hertha BSC“, sagt der Präsident des Berliner Sport- Clubs. Auch wenn es selbst unter den Hertha-Fans kaum bekannt ist: Ohne den Berliner SC gäbe es den Bundesligisten unter dem heutigen Namen gar nicht. 1923 schlossen sich die Fußballer des BFC Hertha 1892 aufgrund finanzieller Schwierigkeiten dem BSC an. Die Vereinigung dauerte bis 1930. Nach dem Gewinn der ersten deutschen Meisterschaft spaltete sich Hertha wieder ab und erwarb für 73 000 Reichsmark die Plumpe, das legendäre Stadion am Gesundbrunnen, sowie den Namenszusatz BSC.

Dass die Vereinsführung von Hertha den BSC nicht zu den 125-Jahr-Feierlichkeiten eingeladen hat, verursacht bei dem nur drei Jahre jüngeren Klub aus Schmargendorf Kopfschütteln. Wirklich reden wollen sie beim BSC darüber aber eigentlich nicht. Hertha, das ist die Vergangenheit, ein abgeschlossenes Kapitel. Und überhaupt: Es gibt ja auch noch Sport abseits des Fußballs. Der ist zwar auch beim BSC die mitgliederstärkste Abteilung, aber im Präsidium sind sie sehr darauf bedacht, eine erdrückende Dominanz des Fußballs zu verhindern.

Historisch sind andere Sportarten beim BSC ohnehin erfolgreicher gewesen. Bis in die 1920er Jahre hinein stand die Leichtathletik im Zentrum des Vereinslebens. Lilli Henoch gewann als Mitglied des BSC zehn deutsche Meistertitel, bevor sie wegen ihrer jüdischen Abstammung 1933 aus dem Verein ausgeschlossen, 1942 deportiert und in Riga getötet wurde.

Fenske, 70 Jahre alt und seit 2000 Präsident des Klubs, liegt die Leichtathletik als ehemaliger Junioren-Meister im Zehnkampf sehr nah, auch wenn die Abteilung momentan nicht ihre beste Zeit erlebt. „Leichtathletik hat es schwer gegen die Mannschaftssportarten, kommt bei uns aber langsam wieder“, sagt Fenske, der auch Mitglied des Sportausschusses der BVV Charlottenburg-Wilmersdorf ist.

Die Hockey-Männer waren 1937 erster Deutscher Meister

Sehr erfolgreich waren und sind die Hockey-Spieler des BSC. 1937 und 1938 gewannen die Männer die ersten beiden nationalen Meisterschaften überhaupt. Auch wenn keine mehr folgten, ist der BSC im Berliner Hockey eine gute Adresse. „Uns ist es wichtig, Leistungs- und Breitensport anzubieten“, sagt Dirk Janson, Vorsitzender der Hockey-Abteilung und Vizepräsident des Gesamtvereins. Für das allerhöchste Niveau reicht es im Erwachsenenbereich nicht mehr.

In der Jugend zahlt sich die kontinuierliche Arbeit aber aus. Nationalspieler Martin Häner spielte einst beim BSC, bevor er zu Bundesligist Berliner HC wechselte. Kürzlich haben sich die A-Knaben, die 13- bis 14-Jährigen, für die nordostdeutsche Meisterschaft qualifiziert und gehören damit zu den 16 besten Mannschaften des Landes.

Ein wichtiger Baustein sind dabei Veranstaltungen wie die regelmäßig in den Ferien stattfindenden Jugendcamps, Mannschaftsreisen und das „Wuselfest“, das auf der Anlage an der Hubertusallee am vergangenen Wochenende stattfand. Der Name für das Turnier mit 95 Nachwuchsmannschaften könnte nicht treffender gewählt sein. Hunderte Jungen und Mädchen, die jüngsten erst fünf Jahre alt, wuselten mit ihren Schlägern umher, die Kunstrasenplätze waren bis auf den letzten Meter belegt.

Ganz so extrem ist es an normalen Trainings- und Spieltagen zwar nicht, infrastrukturell gerät der Verein mit seinen mehr als 3300 Mitgliedern aber an Grenzen. „Wir sind ein Großverein, das hat seine Vor- und Nachteile“, sagt Janson. Mehr Mitglieder kann der Klub momentan nicht aufnehmen, dafür sind nicht genügend Plätze und Hallen verfügbar. Mit den vorhandenen Mitteln gelingt dem BSC aber schon Beachtliches. Erst vor Kurzem wurden zwei Basketballer des Klubs in die Nachwuchs-Nationalmannschaft berufen. Gar nicht schlecht für ein „kleines Anhängsel von Hertha BSC“.

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