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  • 14.06.2018
  • von Rolf Heßbrügge

Fußball-WM 2018: Mit Schnürsenkeln gegen Homophobie

von Rolf Heßbrügge

Die Regenbogenfarben sind Symbol der homosexuellen Emanzipationsbewegung. Foto: Getty Images/iStockphoto

Regenbogenfarben an den Schuhen könnten bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland zum Protestsymbol werden.

Eigentlich war es eine reine PR-Aktion. Eine Gruppe EU-Abgeordneter hatte zehn kleine Päckchen gepackt. Adressiert waren sie an die WM-Teilnehmer aus der Europäischen Union. Der Inhalt – je ein Mannschaftssatz regenbogenfarbener Schnürsenkel – erinnerte auf den ersten Blick an lustige Wundertüten für Kinder. Und doch war er wegen seiner symbolischen Bedeutung hochbrisant: „Wir wollen damit an die Situation von homosexuellen Menschen in Russland erinnern“, erklärt die Sozialdemokratin Anna Hedh aus Schweden. „Sie werden verfolgt und diskriminiert, nur weil sie den falschen Menschen lieben.“ Keiner der EU-Abgeordneten rechnete ernsthaft damit, dass der Inhalt der Päckchen bis zu Thomas Müller, Sergio Ramos, Cristiano Ronaldo oder Paul Pogba gelangt. Doch genau das könnte jetzt passieren, ausgerechnet bei einem von Deutschlands Vorrunden-Gegnern.

Schwedens Mannschaftskapitän Andreas Granqvist, der bei FK Krasnodar in Russland sein Geld verdient, erklärte sich bereit, die Aktion zu unterstützen. In Skandinavien hat der Sport längst eine Vorreiterrolle im Kampf gegen Homophobie übernommen. So war es kein Zufall, dass der damalige DFB-Kapitän Julian Draxler ausgerechnet beim Länderspiel in Dänemark im Juni 2017 eine Regenbogen-Spielführerbinde trug. Das Testmatch war eingebettet in die Kampagne „Fußball für alle“ des dänischen Verbandes. Im Jahr zuvor wollte Schwedens Handball-Kapitän Tobias Karlsson bei der EM in Polen mit einer ähnlichen Kapitänsbinde auflaufen. Doch das strenge Regelwerk der Europäischen Handball Föderation bremste ihn gnadenlos aus. Auch das Regulativ des Fußball-Weltverbandes Fifa untersagt politische Statements.

Darf Fußball politisch sein?

Erst in der vergangenen Woche wies ein Sprecher darauf hin, dass der Fußball „in Übereinstimmung mit den Fifa-Regeln politisch neutral sein sollte“ und damit im Zusammenhang stehende Veranstaltungen „nicht von Organisationen, Spielern, Fans oder anderen Individuen als Plattform genutzt werden, um politische Statements zu teilen“. EU-Parlamentarierin Hedh hofft dennoch, dass sie den politischen Kräften im Gastgeberland weiter auf den Senkel gehen kann: „Dadurch, dass die WM in Russland ausgetragen wird, hoffen wir, dass man auf die Situation homosexueller Menschen aufmerksam wird“, erklärt sie und sieht die Aktien ihrer Kampagne sprunghaft gestiegen.

Manchmal lohnt es im Kampf für die gute Sache sogar, sich mit den internationalen Verbänden anzulegen. Als Schwedens Frauenfußball-Topklub FC Rosengard 2016 einen Regenbogen ins Trikotdesign integrieren wollte, stieß man auf erheblichen Widerstand seitens der Uefa. Doch der Verein aus Malmö ließ sich nicht einschüchtern, wie der damalige Präsident Klas Tjebbes gern erzählt: „Ich schrieb den Herren von der Uefa einen sehr höflichen Brief und habe wohl gut argumentiert.“ Das Trikot ging durch.

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