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Olympia

  • 13.02.2018
  • von David Joram

Olympia 2018 in Pyeongchang: Die deutschen Rodlerinnen sind dem Triple so nah

von David Joram

Natalie Geisenberger liegt nach zwei von vier Durchgängen in Führung. Foto: REUTERS/Edgar Su

Die deutschen Rodlerinnen um Natalie Geisenberger peilen am Dienstag drei Medaillen an. Und eine Argentinierin will Geschichte schreiben.

Das mal vorneweg: Rodeln ist kein Dressurreiten. Wäre dem so, dann dürften am Dienstag nicht nur die deutschen Toprodlerinnen Natalie Geisenberger, Dajana Eitberger, Tatjana Hüfner und ihre Konkurrentinnen die Rodelbahn von Pyeongchang hinabsausen, sondern auch Felix Loch, ein Rodelmann. Loch könnte den Wettbewerb der Frauen nutzen, um seinen Fahrfehler vom Sonntag in Kurve neun zu korrigieren und doch noch Olympiasieger werden. Jedenfalls, wenn Rodeln Dressurreiten wäre. Da gilt nämlich: Frauen und Männer treten in einem Wettbewerb gemeinsam an.

Beim Rodeln freilich gilt strikte Geschlechtertrennung. Nur scheint es, als halte sich daran momentan niemand so wirklich. Es wird den Zuschauern das Gefühl vermittelt, als fahre dieser Felix Loch irgendwie auch bei den Frauen mit – zumindest mental. Natalie Geisenberger sagte: „Mein Ziel waren zwei solide Läufe, aus der Kurve neun möglichst Bahnmitte runterzufahren. Man hat aber gestern bei Felix gesehen, was im letzten Lauf noch passieren kann.“

Die Führende nach den ersten beiden Durchgängen, so viel steht fest, will nicht den Loch machen: „Gut fahren und kein Risiko eingehen. Es hilft mir nichts, wenn ich morgen nochmal Bahnrekord fahre, voll crashen bringt nichts. Nur wer viermal sauber runterfährt, ist vorn voll dabei.“ Falls die 30-Jährige das schafft, ist ihr der zweite Olympiasieg nach Sotschi 2014 wohl nicht mehr zu nehmen, auch nicht von Dajana Eitberger.

Argentinier fiebern mit Veronica Maria Ravenna

Eitberger liegt zwar nur 0,120 Sekunden hinter ihrer Teamkollegin, verdankt das aber vor allem einem starken zweiten Lauf. Nach Durchgang eins war sie Siebte. Wenn sie nochmal zwei Läufe auf Geisenberger-Niveau hinbekäme, wäre das eine Sensation. „Es ist ein krasser, harter Kampf hier“, sagte die 27-Jährige, die aber Silber fest im Blick hat. Die dritte deutsche Pilotin mit großen Medaillenchancen heißt Tatjana Hüfner, Geisenbergers Dauerrivalin. Sie liegt auf Rang vier und will bei ihren letzten Spielen zumindest noch zu Bronze rasen.

Der Rückstand auf die drittplatzierte Kandierin Alex Gogh beträgt lediglich 0,016 Sekunden. Für die erfahrene Hüfner, 34, ist das machbar. „Im ersten Lauf waren kleinere Fahrfehler drin, die sich in der Summe in der Zeit widerspiegelten. Der zweite Lauf ist mir deutlich besser geglückt, leider hatte ich am Start etwas Zeit liegen gelassen, da fehlte etwas der Schwung unten raus“, sagte die fünfmalige Weltmeisterin. Am Setup will sie noch etwas ändern und in den Finalläufen dann voll angreifen: „Manchmal ist es besser, der Jäger zu sein als der Gejagte. Ich nehme die Rolle an.“ Falls Hüfner diese auch perfekt ausfüllt, steht dem deutschen Dreifach-Triumph nur noch eine Loch-Nummer im Weg.

Abseits der Medaillenkämpfe hält sich Veronica Maria Ravenna auf. Die Argentinierin zählt zu den eher unscheinbaren Pilotinnen. Mit fünf Jahren kam sie nach Kanada und dort als Elfjährige erstmals mit einem Rennschlitten in Kontakt. Es war Liebe nach der ersten Fahrt. Später nahm Ravenna das Angebot des argentinischen Verbands an.

Ravenna ist überhaupt erst die zweite Rodlerin aus Argentinien. 2006 probierte sich Michelle Despain-Hoeger bei den Olympischen Spielen in Turin und wurde 24. Ravenna liegt auf Platz 23. Den Rückstand auf Geisenberger wird sie wohl nicht mehr wettmachen. Hält sie ihre aktuelle Position, würde sie aber auch schon Geschichte schreiben. Mitarbeit: CvB

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