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  • 14.11.2017
  • von Julian Graeber

Alba Berlin: Peyton Siva ist endlich unverzichtbar

von Julian Graeber

Taktgeber. Peyton Siva spielte in der Saison 2013/14 in der US–Profiliga NBA und ist bei Alba Berlin als Point Guard einer der Führungsspieler. Foto: Sören Stache/dpa

Nach einigen Verletzungsproblemen ist Peyton Siva bei Alba Berlin momentan der dominierende Spieler in der Offensive. Am Dienstag in Belgrad will er seine starke Form bestätigen.

Während seiner Schulzeit im US-Bundesstaat Washington war Peyton Siva bereits als herausragender Athlet bekannt. Neben Basketball spielte er auch Football und seine Leidenschaft für die uramerikanische Sportart ist heute noch zu sehen. Als das Team von Alba Berlin die Trainingshalle am Freitag in Richtung Flughafen verlässt, tragen alle Spieler einheitliche Kleidung. Alba-Trainingshose, glänzend blaue Jacke – nur Peyton Siva tanzt aus der Reihe und hat zusätzlich eine Wintermütze des NFL-Teams aus seiner Heimatstadt, den Seattle Seahawks, auf. Die Verantwortlichen lassen ihm diese Abweichung von der Bekleidungsnorm gerne durchgehen. So weit ist es von Seeadlern zu Albatrossen ja schließlich nicht.

Doch nicht nur Sivas Mütze zeugt von seiner Football-Vergangenheit. Auch auf dem Basketball-Feld profitiert der 27 Jahre alte Point Guard von der Robustheit, die er sich schon in jungen Jahren antrainiert hat. Wenn er gegen ein, zwei oder drei Spieler zum Korb zieht, setzt er sich auch gegen kräftigere Verteidiger durch und nimmt den Kontakt bereitwillig an. „Peytons Spielweise ist sehr fordernd, er hat einen enormen Antritt und zieht viele Fouls“, sagt Albas Manager Marco Baldi. „Sein Körper ist aber sehr stark, da ist das kein Problem.“

Danach sah es aber nicht immer aus. Nachdem Siva 2016 aus Italien nach Berlin wechselte, verpasste er große Teile der vergangenen Saison mit hartnäckigen Adduktorenproblemen. Im Sommer ließ er sich deshalb operieren. „Ein paar kleine Wehwehchen gibt es immer, ich fühle mich jetzt aber sehr gut“, sagt Siva.

Und das demonstriert er momentan eindrucksvoll. In den vergangenen vier Spielen war Siva stets bester Werfer bei Alba und erzielte im Schnitt 20,5 Punkte. Dazu kommen 6,5 Assists. „Ich muss jetzt weiter selbstbewusst und aggressiv spielen. Wir haben noch viel Steigerungspotenzial“, sagt Siva.

"Peyton hat ein Riesenherz"

Neben seiner verbesserten physischen Verfassung profitiert er dabei auch von der veränderten Spielweise der Berliner. Trainer Aito Garcia Reneses setzt viel auf Eigenverantwortung der Spieler und gibt diesen einen Rahmen, in dem sie ihre Stärken entfalten können. „Der Coach lässt uns viele Freiheiten und wir haben einfach Spaß auf dem Feld“, sagt Siva.

Besonders seine Wurfquote aus der Distanz profitiert von dem neuen System. Da Alba mit Marius Grigonis und Spencer Butterfield gleich zwei exzellente Dreierschützen hat, ist das Team schwer auszurechnen und so bieten sich Siva immer wieder freie Würfe. In den vergangenen vier Spielen verwertet er diese mit einer starken Quote von 54 Prozent. „Dass er Dreier treffen kann, war nie die Frage“, sagt Baldi. „Seine Wurfauswahl ist aber deutlich besser geworden.“

Siva sieht seine momentane Form als Lohn seiner Trainingsarbeit. „Ich habe im Sommer lange an meinem Wurf gearbeitet.“ Außerdem habe ihm Butterfield ein paar Tricks gezeigt, scherzt Siva. Auch wenn sie bei Alba über seine Wurfqualitäten natürlich glücklich sind, sind diese für Baldi nur nebensächlich. Viel wichtiger ist es, dass er das Spiel leitet, das Tempo bestimmt und seine Mitspieler einsetzt. „Er hat ein Riesenherz und macht alles für das Team – auch abseits des Feldes“, sagt Baldi.

In den ersten Spielen der Saison tat sich der Point Guard aber noch schwer. Das Verständnis mit den neuen Mitspielern fehlte und so unterliefen ihm ungewöhnlich viele Ballverluste. „In der Vorbereitung haben viele Spieler gefehlt und deshalb waren wir am Anfang nicht eingespielt“, sagt Trainer Reneses. „Das hat sich aber verbessert und Peyton hat eine sehr gute Entwicklung genommen.“

Und diese soll noch nicht zu Ende sein. Das große Potenzial, das Siva in den ersten Jahren seiner Karriere in den USA zeigte, hat er bisher noch nicht gänzlich ausgeschöpft. Mit der University of Louisville gewann er 2013 die prestigeträchtige NCAA–Collegemeisterschaft. Im Finale vor über 70 000 Zuschauern in Atlanta erzielte er 18 Punkte und wurde kurz darauf vom NBA–Team Detroit Pistons verpflichtet. In der stärksten Basketball-Liga der Welt kam Siva jedoch nur zu 24 Einsätzen.

Siva warnt vor zu viel Euphorie

Obwohl er damit zu den erfahrensten und renommiertesten Spielern bei Alba gehört, ist Siva nicht für Star-Allüren bekannt. „Er will immer lernen und sich verbessern“, sagt Reneses. Damit passt Siva gut zur Philosophie der spanischen Trainerlegende. Einzelne Siege werden bei Reneses der spielerischen Entwicklung untergeordnet.

Die bisherigen Ergebnisse des jungen und im Sommer zu großen Teilen neu zusammengestellten Teams seien zwar so nicht zu erwarten gewesen, der Spielmacher warnt aber vor zu viel Euphorie. Das gelte auch für den Eurocup, in dem Alba die Qualifikation für die Runde der besten 16 Mannschaft mit einem Sieg am Dienstag bei Partizan Belgrad (20 Uhr, Lieve bei Telekomsport) praktisch sicher hätte. „Letztes Jahr sind wir auch sehr gut in den Eurocup gestartet, mussten dann aber bis zur letzten Minute ums Weiterkommen kämpfen“, erinnert sich Siva. Wenn er seine Form der letzten Wochen hält, ist damit in dieser Saison nicht zu rechnen.

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