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  • 13.09.2017
  • von Stefan Hermanns

Hertha BSC: Spieler wechsle dich

von Stefan Hermanns

Zurück im Spiel. Torwart Thomas Kraft steht in der Startelf.  Foto: Sören Stache/dpa

Den Berlinern stehen in der Bundesliga und der Europa League anstrengende Wochen bevor. Deshalb sollen am Donnerstag gegen Athletic Bilbao frische Kräfte ran.

Pal Dardai hat am Mittwoch einen Satz gesagt, den man ohne eigene Anschauung leicht missverstehen könnte. Der Trainer von Hertha BSC hat eine Lobrede auf Thomas Kraft gehalten und seinem zweiten Torhüter dabei unter anderem bescheinigt, dass er „eine wichtige Person für die Trainingsatmosphäre“ ist. Hört sich ein bisschen so an, als wäre Kraft vor allem für den sozialen Zusammenhalt zuständig, als würde er seine Kollegen auch mal in den Arm nehmen und sie trösten. Mit der Wirklichkeit hat das wenig zu tun.

Wer Kraft einmal im Training erlebt hat, der weiß, dass er poltert und rumpelt, flucht und schimpft – und seine Kollegen auch mal derbe angeht. Hinter all dem steht die tiefe Unfähigkeit zu verlieren, selbst bei belanglosen Trainingsspielchen. Kraft zeichnet sich durch großen Ehrgeiz aus. Insofern müssen die vergangenen beiden Jahren unerträglich für ihn gewesen sein. Vor fast auf den Tag genau zwei Jahren hat er sich in Wolfsburg an der Schulter verletzt, zur Pause wurde er gegen Rune Jarstein ausgewechselt, und seitdem ist er nur noch Ersatz.

Offizieller Europapokal-Trainer

In den vergangenen beiden Jahren hat Kraft nur zwei Pflichtspiele bestritten, das letzte im Sommer 2016, beim 1:3 in der Europa-League-Qualifikation gegen Bröndby. Wäre der Berliner Fußball-Bundesligist damals nicht ausgeschieden, wären für Kraft noch ein paar Einsätze hinzugekommen, aber das darf er nun in dieser Saison nachholen. Der 29-Jährige ist von Trainer Dardai offiziell zum Europapokal-Torhüter ernannt worden. Erstmals wird er an diesem Donnerstag zum Auftakt der Gruppenphase gegen Athletic Bilbao (21.05 Uhr/ live bei Sky) in der Startelf stehen.

Das Ganze ist Teil einer umfassenden Rotation, die Dardai in den nächsten Wochen praktizieren wird. Vier frische Spieler will er gegen die Basken aufbieten. Wer also gegen Bremen am Sonntag auf der Tribüne saß, kann gegen Bilbao in der Startelf auftauchen – und am Sonntagmittag, im nächsten Bundesligaspiel bei der TSG Hoffenheim, wieder auf der Tribüne landen. „Das müssen meine Spieler lernen“, sagt Herthas Trainer. „Es soll keiner beleidigt sein.“

Athletic setzt auf defensiv starke Spieler

Wem das schwer fällt, darf sich ein Beispiel an Thomas Kraft nehmen. Der ist seit sechs Jahren bei Hertha, war Führungsspieler – und nimmt seine neue Rolle zumindest nach außen klaglos hin. Dass er jetzt die internationalen Spiele bestreiten darf, ist wohl auch eine Belohnung für seine Loyalität. Und nicht ganz ohne Risiko. „Er hat wenig Spielgefühl“, gibt selbst Herthas Trainer zu. Auch deshalb ist Kraft zwischenzeitlich zur U 23 delegiert worden, wo er es laut Dardai gut gemacht habe. „Er kennt unsere Spielzüge, hat gute Reflexe“, sagt der Ungar. „Ich mache mir keine Sorgen.“

Vielleicht erlebt der Torhüter von Hertha BSC ja auch einen recht ruhigen Abend im allenfalls zu einem Drittel gefüllten Olympiastadion. Athletics Trainer José Angel Ziganda hat seine beiden kreativsten Spieler Ander Iturraspe und Benat in Bilbao gelassen. Er wird wohl vor allem auf physisch und defensiv starke Spieler setzen. Wie zuletzt in der spanischen Liga, im Auswärtsspiel beim baskischen Lokalrivalen Eibar. Auch da fehlten Iturraspe und Benat. Athletic gewann 1:0.

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