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  • 19.06.2017
  • von Bodo Straub

Lucky Luke: Ein Tollpatsch im Wilden Westen

von Bodo Straub

Alte Bekannte: Eine Seite aus dem besprochenen Band. Foto: Egmont

Die Lucky-Luke-Hommage „Jolly Jumper antwortet nicht“ bietet viele Anspielungen auf die großen Zeiten des Comic-Cowboys, kann aber nicht wirklich überzeugen.

Morris ist tot, aber Lucky Luke lebt. Der Lonesome Cowboy reitet auch Jahre nach dem Tod seines Schöpfers weiter durch die Prärie – gezeichnet vom Franzosen Achdé, im Stil und in der Tradition von Morris, wenn auch weniger originell. Doch mit Lucky Lukes 70. Geburtstag im vergangenen Jahr erlaubte der Verlag anderen Zeichnern, eine Hommage auf den Westernhelden zu zeichnen. Davon ist nun die zweite erschienen: „Jolly Jumper antwortet nicht“ aus der Feder von Guillaume Bouzard.

Während die erste Hommage – Matthieu Bonhommes „Der Mann, der Lucky Luke erschoss“ – sich mit großen, fein gezeichneten Bildern noch stark vom Original abhob, wirkt für den Fan bei Bouzard auf den ersten Blick manches vertraut: die Bildaufteilung, die Farbgebung und die großzügige Kolorierung.

„Ich trage seit siebzig Jahren die gleichen Klamotten!“

Und noch etwas ist vertraut: die Figuren. Von den Gebrüdern Dalton und ihre Mutter über den Gefängnisdirektor bis hin zu einem ganz alten Bekannten aus den Anfangszeiten von Lucky Luke – wer, soll hier nicht verraten werden – alle sind sie dabei. Nur sehen sie natürlich anders aus, denn Bouzard karikiert Morris' Figuren, von der steilen Haarsträhne Lucky Lukes hin zu Vielfraß Averell Dalton, der endlich so dick ist, wie man es bei seinem Essverhalten sein sollte. Lucky Luke wechselt selbst zwischendurch mal die Hemdfarbe. Der Grund: „Ich hatte das Gefühl, ich trage seit siebzig Jahren die gleichen Klamotten!“

Am meisten weiter entwickelt hat Bouzard aber die Charaktere, hin zu Karikaturen ihrer selbst: Lucky Lukes Pferd, Titelheld Jolly Jumper, wird zu einem scheinbar ganz normalen Pferd, das durch die Prärie läuft und Gras frisst, aber kein Interesse daran hat, mit Lucky Luke zu reden, Kaffee zu trinken oder Schach zu spielen. Der Cowboy ist seinerseits ein tollpatschiger und unsicherer Mann, der auch gar nicht mehr unbedingt so schnell am Colt ist, wenn es darauf ankommt.

Manches ist banal, anderes krampfhaft überdreht

Das Album kommt wieder wie das Original mit 46 Seiten aus. Aber die sind leider auch völlig ausreichend, um die recht banale Geschichte zu erzählen; an einigen Stellen wirkt die Handlung fast künstlich in die Länge gestreckt, die Dialoge ziehen sich oft über Seiten, ohne dass etwas passiert. Der Versuch, mit angeblichen Jugendworten wie „Wallah“ und der Huldigung des Bio-Kults ein wenig 21. Jahrhundert in den Wilden Westen zu bringen, wirkt krampfhaft überdreht.

Ein roter Faden sind die vielen Anspielungen auf frühere Abenteuer, von denen es reichlich gibt. Zwar kommen auch sie manchmal eher erzwungen daher, doch erlauben sie den Fans, sich zu den großen Zeiten des einsamen Cowboys zurück zu träumen. Denn auch bei Bouzard ist am Ende klar: Die Legende lebt weiter.

Guillaume Bouzard: Jolly Jumper antwortet nicht, Egmont Comic Collection, 46 Seiten, 13 Euro (Hardcover) / 6,90 Euro (Softcover)

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