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  • 31.03.2018
  • von Michael Rosentritt

Bundesliga-Heimspiel von Hertha BSC: Aus dem Schatten raus: Maximilian Mittelstädt spielt gegen Wolfsburg

von Michael Rosentritt

Maximilian Mittelstädt (2.v.r.) im Europa-League-Spiel im November in Bilbao. Foto: Alvaro Barrientos/dpa

Der 21-jährige Maximilian Mittelstädt wird bei Hertha BSC geschätzt – spielt aber selten. Heute darf er sich zeigen, weil Marvin Plattenhardt gesperrt ist

Vor einer Woche ist der Fußballtrainer Pal Dardai mit seinem ausgedünnten Profikader baden gegangen. Zwölf Nationalspieler hatte es zu Länderspielen in die weite Welt verschlagen, nach China, Thailand und Gütersloh. Der gute Rest trainierte in Berlin fleißig weiter. Herthas Trainer wollte ein bisschen Abwechslung ins Spiel bringen und wurde bei den auf dem Olympiapark benachbarten Wasserballern von Spandau 04 fündig. Das übliche fünf gegen zwei, das sonst auf dem Rasen ein fester Bestandteil der Einheiten ist, wurde kurzerhand ins Wasser verlegt. Vor allem von Salomon Kalou, Herthas Stürmer aus der Elfenbeinküste, gibt es lustige Bilder, wie er mit blauem Schwimmring und Badekappe ins Nass stieg.

Wie hinterher zu hören war, soll die kleine ungewöhnliche Einheit allen Beteiligten viel Spaß bereitet haben, doch inzwischen hat sie der übliche Alltag wieder eingeholt. Nach der letzten Länderspielpause dieser Spielzeit biegt die Fußball-Bundesliga auf ihre Zielgerade ein, sieben Spieltage stehen bis zum 12. Mai noch aus. Zu der ungewöhnlichen Anstoßzeit um 20.30 Uhr gastiert am Samstag der VfL Wolfsburg im Olympiastadion. Die Berliner hängen nach 27 Spieltagen mit 35 Punkten im Nirgendwo der Liga fest. Im Falle eines Sieges über die Wolfsburger werden sie mit dem Abstiegskampf aller Voraussicht nach nichts zu tun bekommen. Vielleicht ginge dann sogar noch etwas nach oben in der Tabelle, gegen die dicksten Brocken hat Hertha bereits gespielt. Viel aber ist nicht mehr drin.

Dritte Spielzeit bei den Profis

Ein bisschen verhält es sich so auch mit Maximilian Mittelstädt. Der 21 Jahre alte Berliner bewegt sich in seiner dritten Spielzeit bei den Profis, vor ziemlich genau zwei Jahren debütierte er in der Bundesliga, als er beim 2:0-Sieg gegen Frankfurt in der 90. Spielminute für Salomon Kalou eingewechselt wurde. Erst im zurückliegenden Sommer hat der Verein seinen Vertrag zu deutlich besseren Konditionen bis ins Jahr 2021 verlängert. Doch rundherum zufrieden kann Mittelstädt mit dieser Spielzeit nicht sein – sie ist nicht schlecht, aber eben auch nicht wirklich gut. Er kommt einfach zu wenig zum Einsatz. Nur ein Spiel, jenes im November in Köln, bestritt er über die volle Zeit.

Am Samstag wird er wieder die Gelegenheit haben, sich zu zeigen. Der Grund dafür liegt aber weniger bei ihm als vielmehr an den Rahmenbedingungen. Für das Spiel gegen die Niedersachsen ist Marvin Plattenhardt gesperrt, der vor zwei Wochen gegen den Hamburger SV seine fünfte Gelbe Karte gesehen hatte. Der 26-Jährige, der am vergangenen Dienstag im Testländerspiel gegen Brasilien eine gute Leistung bot, ist bei Pal Dardai gesetzt. Plattenhardt bestritt alle 27 Ligaspiele über die volle Distanz und wird nach der Spielsperre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf seine Position auf der linken Abwehrseite zurückkehren. An ihm dauerhaft vorbeizukommen, wird für den talentierten Mittelstädt schwer. Etwas besser stehen die Chancen des Linksfußes auf die offensivere Position. Dort kam er in dieser Spielzeit schon achtmal zum Einsatz, viermal davon sogar in der Startelf. Das war die Phase, als Salomon Kalou so etwas wie eine kleine schöpferische Pause eingelegt hatte. Doch inzwischen ist der 32-Jährige für Hertha eigentlich unverzichtbar. Mit seinen zehn Bundesligatreffern hat Kalou mehr Tore erzielt als die beiden Zentrumsstürmer Davie Selke (5) und Vedad Ibisevic (4) zusammen.

Grundsätzlich ist Herthas Trainer mit der Entwicklung Mittelstädts sehr zufrieden. „Er ist noch in einer Phase, in der er noch Erfahrungen im Profibereich sammelt. Er arbeitet aber gut, sein Wille ist top und er hat sich weiterentwickelt“, sagt Dardai. Mittelstädt hätte seinen jugendlichen Leichtsinn abgelegt, oft sei er etwas ungestüm in die Zweikämpfe gegangen. Nicht selten handelte Mittelstädt sich Verwarnungen des Schiedsrichters ein, was ihn wiederum aus dem Rhythmus brachte. Doch diese Befürchtungen hat Dardai nicht mehr. Mittelstädt sei abgeklärter geworden, „doch ich möchte ihn nicht zu sehr loben vor dem Spiel“, sagte Dardai, „viel lieber danach“.

Siege in Portugal und gegen Polen

Die kleine Wasserball-Einheit ist an Maximilian Mittelstädt vorbeigegangen. Sein Ärger darüber wird sich in Grenzen halten. Denn er tat das, was er viel lieber tut: Fußballspielen. Mit der deutschen Auswahl der Unter-20-Jährigen von Trainer Frank Kramer gewann er erst in Portugal 1:0 und anschließend in Gütersloh 3:0 gegen Polen. Dabei hatte der junge Berliner besonderen Anteil am zwischenzeitlichen 2:0, seine Flanke lenkte ein Pole ins eigene Tor.

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