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  • 12.03.2018
  • von Frederik Hanssen

Anhörung im Kulturausschuss: Kritik am Bauplan für das Kulturforum

von Frederik Hanssen

Ansicht der Freifläche des Kulturforums zwischen Neuer Nationalgalerie (li.) und Berliner Philharmonie. Hier soll ein Museum der Moderne entstehen. Gregor Fischer/dpa

Während das Berliner Abgeordnetenhaus noch über den Neubau des Museums des 20. Jahrhunderts am Kulturforum diskutiert, wird dort bereits gebaggert.

Am 16. Januar hat der Senat zwar den Bebauungsplan für das von den Architekten Herzog & de Meuron entworfene Museum des 20. Jahrhunderts beschlossen und damit festgelegt, wie viele Quadratmeter Fläche das Kunsthaus haben wird und wie nahe es an die Matthäikirche heranrücken darf. Doch das letzte Wort hat natürlich das Abgeordnetenhaus. Bevor es zur Abstimmung im Plenum kommt, berät der Kulturausschuss. Und natürlich brechen dabei sofort wieder all die Wunden auf, die das Ringen um einen städtebaulichen Masterplan für das Gelände in den vergangenen Jahrzehnten hinterlassen hat.

Wild schießen die Argumente durcheinander, bei den Parlamentariern wie bei den zur Anhörung geladenen Fachleuten. Christine Edmaier, die Präsidentin der Architektenkammer Berlin, kritisiert rückwirkend das Wettbewerbsverfahren, Bernhard Schneider von der Stiftung Zukunft Berlin findet, die Potsdamer Straße könne auf keinen Fall so bleiben, wie sie ist. Architekt Stephan Braunfels nutzt die Gelegenheit, um für seinen eigenen Entwurf zum Kulturforum Werbung zu machen, der frühere Senatsbaudirektor Hans Stimmann verweist auf sein – inzwischen leider vergriffenes – Buch zum Thema.

Die einzigen uneingeschränkten Fans des Neubaus sind Hermann Parzinger, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, und Michael Eissenhauer, der Generaldirektor der Staatlichen Museen. Parzinger lobt den Bund dafür, dass er über 100 Millionen Euro in die Sanierung der Neuen Nationalgalerie investiert und 200 Millionen Euro in Herzog & de Meurons Kunstscheune. Die zwei Gebäude will er als Einheit verstanden wissen, weil sie ja mit einem Tunnel verbunden werden, irgendwann nach 2025. Und er wirbt eloquent für den „öffentlichen Raum“, der sich im Inneren des Hauses befinden wird, für das Foyer also, das jedermann betreten kann, auch ohne Ticketkauf. Jetzt, wo der Vertrag mit den Architekten unterschrieben sei, werde man dieses Potenzial im Detail ausarbeiten.

Nationalgalerie und Modernemuseum - mit Tunnel verbunden

Eissenhauer wiederum schwärmt davon, was das Haus mit seinen 10 000 Quadratmetern Präsentationsfläche alles zu bieten hat: einen Saal für Sonderausstellungen beispielsweise, den alle Anrainer nutzen dürfen. Und einen schallreduzierten Raum, in dem, passend zur Kunst des 20. Jahrhunderts, zeitgenössische Musik gemacht werden kann. Außerdem steht noch ein „multifunktionaler Medienraum“ zur Verfügung, für Vorträge und Veranstaltungen, der sogar von Externen gemietet werden kann. Gastronomie und Shop schließlich werden weit großzügigere Öffnungszeiten haben als das Museum selber.

In der anschließenden Fragerunde zeichnet sich ab, dass die Parlamentarier dem Bebauungsplan wohl zustimmen werden, wenn auch mit Bauchschmerzen unterschiedlichster Art. Ein wenig skurril aber wirkt die Diskussion schon, wenn man bedenkt, dass drüben am Kulturforum bereits jene Flanierflächen entstehen, für die hier so heißblütig gestritten wird. Am 7. März hat die landeseigene Firma „Grün Berlin“ die Verschönerung des Areals nämlich in Angriff genommen. Wenn im Dezember 2019 der erste Spatenstich für den Museumsneubau erfolgt, soll bereits alles fertig sein: die erweiterten Trottoirs rund um die Philharmonie mit zusätzlichen Grünflächen und jeder Menge Fahrradständern ebenso wie auch der neue Scharounplatz zwischen Kammermusiksaal und Museumsneubau.

Am Kulturforum entstehen bereits Flaniermeilen

Dafür müssen zwei Straßen weichen: Zum einen die nach Herbert von Karajan benannte, die von der Tiergartenstraße zur Matthäikirche führt, und zum anderen die Scharounstraße, die das Kulturforum von der Potsdamer Straße aus erschließt. Die Karajan-Straße wird nach dem Abriss wieder neu geschaffen, aber schmaler und näher ans Kunstgewerbemuseum herangerückt. Die dem Architekten gewidmeten Straße, die sich seit vielen Jahren in einem unzumutbaren Zustand befindet, verschwindet ganz. Und zwar zugunsten einer Fußgängerzone, die einen besseren Zugang zu jenen Museen gewährleisten soll, die im hinteren Bereich des Kulturforums an der so genannten Piazzetta liegen. Verbessert wird auch die dortige Situation der Treppenanlage an der Kante zum Matthäikirchplatz.

Die Form eines Trapezes wird der neue Scharounplatz haben, und er wird gepflastert sein mit jenen Granitsteinen in abwechslungsreicher Grauschattierung, wie sie bereits im vergangenen Jahr auf dem Zugang vom Potsdamer Platz zur Philharmonie verwendet wurden. Es wird Bäume und Bänke geben, und auch eine Haltstelle für den 200er-Bus, der die verkehrsberuhigte Zone befahren darf.

Neue Lebensader zwischen Kammermusiksaal und Museum

Dieser Platz zwischen Kammermusiksaal und Museum des 20. Jahrhunderts könnte sich tatsächlich ab 2020 zur Lebensader des Kulturforums entwickeln, tagsüber genutzt von den Kunstfreunden, abends von den Klassikfans. Vielleicht erlaubt ja dann das Bezirksamt sogar jenen mobilen Food-Stationen, wie man sie von der Berlinale kennt, gestattet, dort Speisen und Getränke feil zu bieten. Und wenn er dann irgendwann fertig sein wird, soll auch der Bau von Herzog & de Meuron ein Restaurant haben, das direkt am Scharounplatz liegt.

Die Aussichten, dass nun endlich die Belebung des Geländes gelingt, sind also rosig. Und werden den Nutzern wie den Besuchern hoffentlich helfen, die zwei harten Umbau-Jahre zu überstehen. Denn es wird jede Menge lange Bauzäune geben, an denen man sich auf dem Weg zum Kulturgenuss vorbeischlängeln muss. An der Karajan-Straße laufen die Arbeiten bereits, im Sommer geht es dann auch in der Scharounstraße los. All jene, die bislang gewohnt waren, ihr Auto rund um die Matthäikirche abzustellen, und die bereits der Abriss des Philharmonie-Parkplatzes geschmerzt hat, müssen nun also definitiv auf die Öffentlichen Verkehrsmittel umschwenken oder die sieben Euro berappen, die das Parkhaus im Sonycenter für den „Abendtarif“ fordert.

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