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  • 28.05.2018
  • von Sascha Karberg

Seuchengefahr in der Demokratischen Republik Kongo: Impfen gegen die drohende Ebola-Katastrophe

von Sascha Karberg

Im Kongo sind seit Anfang Mai 30 Menschen an Ebola erkrankt. Die Anfänge der Epidemie ähneln jener zwischen 2014 und 2016 als 11.000 Menschen starben. Foto: Louise Annaud/dpa

In den nächsten Wochen entscheidet sich, ob die Epidemie im Kongo noch unter Kontrolle gebracht werden kann. Bisher sind 54 Menschen erkrankt.

Am Ende hatten sich fast 30.000 Menschen infiziert, mehr als 11.000 starben. Die bis dato größte Ebola-Epidemie, die Westafrika zwischen 2014 und 2016 heimgesucht hatte, erreichte in Einzelfällen sogar Europa und die USA. Etwa vier bis fünf Milliarden US-Dollar, so rechnet die Weltgesundheitsorganisation WHO, musste die Staatengemeinschaft aufwenden, um die außer Kontrolle geratene Seuche doch noch einzudämmen.

Ebola ist zurück

Seit dem 8. Mai 2018 ist Ebola zurück. Drei durch Labortests bestätigte Fälle hatte die Demokratische Republik Kongo (DRC) der WHO zu diesem Zeitpunkt gemeldet. Inzwischen sind daraus 30 geworden. Insgesamt haben die Behörden 54 Menschen mit Ebola-typischen Symptomen identifiziert, 25 davon sind gestorben (DRC-Gesundheitsministerium, Stand Montag früh).

„Wenn wir in den nächsten zwei Wochen neue Fälle in mehreren, weit voneinander entfernten Ballungsgebieten sehen, dann müssen wir davon ausgehen, dass die Epidemie in Gefahr ist, außer Kontrolle zu geraten“, sagt der britische Tropenmediziner und Chef der „Wellcome“-Stiftung Jeremy Farrar.

Noch kein "internationaler Gesundheitsnotstand"

Zwar hat die WHO noch nicht den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Die Situation sei dennoch „sehr beunruhigend“, so Farrar. Denn bislang ähnele der Ausbruch in vielerlei Hinsicht den Anfängen der Epidemie von 2014. Wieder werden Ebola-Infizierte, darunter auch Ärzte und Pfleger, aus bis zu 150 Kilometer voneinander entfernten Regionen gemeldet. Und auch dichter besiedelte Regionen sind bereits betroffen, etwa die 1,2-Millionen-Stadt Mbandaka.

Sie liegt am Kongo-Fluss, mit direkten Schiffsverbindungen in die Großstädte Kinshasa und Brazzaville. Zwar werden Passagiere an den Flughäfen der Region mittlerweile auf Fieber untersucht, um ein Verschleppen von Ebola zu verhindern. In den Dutzenden Häfen in und um Mbandaka ist das aber unmöglich.

Zwar könne man sich nicht sicher sein, dass sich die Geschichte wiederholt, sagt Farrar, aber gerade wegen dieser Unsicherheit müsse die Staatengemeinschaft jetzt besser „über- als, wie damals, zu spät reagieren“.

Ein wichtiger Teil der Reaktion der WHO auf den Ausbruch ist der Impfstoff rVSV-Zebov, der erste überhaupt gegen die Seuche. Der deutsche Virenforscher Heinz Feldmann hat das Mittel schon Ende der 90er gemeinsam mit Kollegen in Hochsicherheitslabors in den USA entwickelt.

Diesmal kann die WHO gleich mit Impfungen beginnen

Der erste Mensch, an dem Zebov erfolgreich getestet wurde, war eine deutsche Forscherin am Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg. Sie hatte sich bei einem Experiment mutmaßlich infiziert. Pharmafirmen hatten sich dafür allerdings lange nicht interessiert. Erst im Zuge der 2014er-Epidemie und auf Anregung der weltweiten Initiative „Gavi“, die den Zugang zu Impfstoffen in Entwicklungsländern fördert, wurde er von der US-Firma Merck, Sharp & Dohme (MSD) getestet.

Noch gibt es keine Zulassung, Wirksamkeit hat Zebov allerdings in Studien bewiesen. 300.000 Impfdosen ließ MSD in Absprache mit Gavi produzieren. Etwa 7500 davon sind mittlerweile im Kongo.

Seit Wochenbeginn wird der Impfstoff dort in einer „Ringimpfung“ verteilt. Für jeden der 58 Fälle müssen dabei etwa 150 Kontaktpersonen und deren Kontakte gefunden und geimpft werden, also derzeit etwa 10.000 Menschen. Das ist nicht nur Detektivarbeit – „die logistischen Herausforderungen sind gewaltig“, wie Robert Stefano, Leiter des Notfallkomitees der WHO, beklagt. In manche Regionen gelangen die Helfer nur mit Motorrädern nach stundenlanger Fahrt über unbefestigte Straßen oder mit dem Hubschrauber, was extrem teuer ist, sagt Stefano. Entsprechend langsam geht die Impfaktion voran: Nach drei Tagen waren in Mbandaka erst 154 Menschen geimpft worden. Noch ist unklar, ob bis zum 26. Mai (Samstag) wie geplant 1000 Menschen mit der Vakzine versorgt werden konnten.

Der Impfstoff hat über seine Schutzwirkung hinaus noch einen weiteren Vorteil für die Seuchenbekämpfung: „2014 hatten wir den Kontaktpersonen, die wir ausfindig gemacht hatten, nichts anzubieten“, sagt WHO-Generaldirektor Tedros Ghebreyesus. „Sie befürchteten nur, in Quarantäne gesteckt zu werden. Doch diesmal können wir ihnen Schutz durch den Impfstoff anbieten.“ Das sei ein Paradigmenwechsel. Aber es hänge davon ab, wie gut dieser Vorteil kommuniziert und den Menschen erklärt werden könne.

Flucht aus der Isolierstation

Dass die Maßnahmen nicht immer verstanden werden, zeigt ein Vorfall in Mbandaka. Dort verließen drei Ebola-Infizierte die Isolierstation, das Risiko für andere missachtend. Einer starb zu Hause, ein zweiter kehrte zurück und starb dann in der Klinik.

Das Verhalten dieser Patienten dürfte auch damit zusammenhängen, dass Ärzte kaum mehr tun können, als die Schmerzen zu lindern und Blutungen zu stillen, wenn das hämorrhagische Fieber erst ausgebrochen ist. Zwar gibt es einen Antikörper, der den Erreger im Blut abfangen kann, noch ist sich das Expertengremium der WHO mit der Gesundheitsbehörde der DRC aber nicht einig darüber, ob das noch unzureichend getestete und nicht zugelassene Mittel eingesetzt werden kann.

Ohnehin darf bezweifelt werden, ob stundenlange Antikörper-Infusionen in den schlecht ausgestatteten Kliniken überhaupt praktikabel sind.

Die beste Hoffnung der Menschen im Kongo ist also die schnelle Eindämmung des Ausbruchs. 26 Millionen US-Dollar hatte die WHO von den Mitgliedstaaten zunächst erbeten, um die Sofortmaßnahmen in den kommenden drei Monaten zu finanzieren. Inzwischen hat die WHO die Summe auf 57 Millionen US-Dollar erhöht, um den "Ebola Strategic Response Plan" durchführen zu können.

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