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  • 18.05.2018
  • von Adelheid Müller-Lissner

Nach Virus-Ausbruch in Großstadt: WHO ist optimistisch, Ebola-Epidemie im Kongo eindämmen zu können

von Adelheid Müller-Lissner

Vor der Behandlung von Kranken legen Helfer Schutzausrüstung an. Foto: Mark Naftalin/UNICEF/AP/dpa

Ebola ist im Kongo nun auch in einer Großstadt ausgebrochen. Die Weltgesundheitsorganisation sieht sich aber besser gerüstet als 2014 und 2015.

Die Ebola-Epidemie der Jahre 2014 und 2015 wird die Welt so schnell nicht vergessen: An der Virusinfektion erkrankten bei diesem Ausbruch in den westafrikanischen Ländern Guinea, Sierra Leone und Liberia mehr als 28000 Menschen, mehr als 11000 starben.

Nun kommen die besorgniserregenden Schlagzeilen aus dem Land, in dem das Zaire-Ebola-Virus im Jahr 1976 entdeckt wurde: Aus der Demokratischen Republik Kongo, ehemals Zaire, wo auch ein Fluss namens Ebola fließt. Der Ausbruch, der der Weltgesundheitsorganisation vor kurzem gemeldet wurde, ist in diesem Land der neunte seit Entdeckung des Erregers – wobei die bisherigen Vorfälle zumeist klein blieben und sich in isolierten Regionen ereigneten.

Das Virus wurde in der Millionenstadt Mbandaka bestätigt

Am Donnerstag meldete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nun im Zusammenhang mit dem aktuellen Ausbruch den ersten im Labor bestätigten Fall aus der 1,2-Millionenstadt Mbandaka, einer Hafenstadt am Kongo. „Mit diesem in Mbandaka diagnostizierten Fall hat sich das Szenario verändert“, sagt Henry Gray, Notfall-Koordinator der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in Mbandaka. Nun müsse man ermitteln, auf welchen Wegen das Virus die Stadt erreichte.

Die Ebola-erfahrene Hilfsorganisation hat bereits Isolierstationen mit wenigen Betten in den örtlichen Krankenhäusern von Mbandaka und Bikoro eingerichtet und überwacht derzeit über 500 Kontaktpersonen der Erkrankten. Behandlungszentren sind im Aufbau. Die WHO habe sofort 30 Experten mit der Überwachung beauftragt und arbeite eng mit dem Gesundheitsministerium des Landes zusammen, versicherte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Er betonte, man habe heute „bessere Werkzeuge als jemals zuvor, um Ebola zu bekämpfen“. Dennoch setzt die WHO am Freitag die Warnstufe auf „sehr hoch“.

Neu ist vor allem, dass die WHO nun einen Impfstoff zur Bekämpfung der Seuche in das zuerst betroffene Gebiet um den Marktort Bikoro verschickt hat. Von dort waren zuletzt über 44 zumeist noch nicht labordiagnostisch gesicherte Verdachtsfälle gemeldet worden, 23 Menschen starben.

Der Ebola-Impfstoff gilt als „experimentell“, weil er noch nicht alle Hürden für die reguläre Zulassung genommen hat. Daten aus einer Studie, die 2017 in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht wurden, deuten darauf hin, dass der Impfstoff rVSVDG-Zebov einen guten Schutz bietet: In Guinea und Sierra Leone war fast 6000 direkten und indirekten Kontaktpersonen an Ebola Erkrankter im Rahmen einer Aktion mit dem programmatischen Namen „Ebola ça suffit!“ (Es reicht mit Ebola!) der abgeschwächte Lebendimpfstoff gespritzt worden. In ihm befindet sich ein Teilstück des Erregers –in ein anderes Virus eingebaut, das ihm als Transportmittel dient.

Firma bei Hannover hält 300.000 Impfdosen bereit

Die Studie wurde von der WHO, Ärzte ohne Grenzen, dem UK Wellcome Trust sowie der britischen, kanadischen und norwegischen Regierung durchgeführt. Die Firma MSD, die den Impfstoff in Burgwedel bei Hannover produziert, hält aufgrund eines Abkommens mit der Impfallianz Gavi für alle Fälle 300.000 Dosen bereit. Ein Impfschutz ist nicht zuletzt für die Einsatzkräfte bedeutsam.

Auch weil die betroffene Region Equateur kein touristisches oder geschäftliches Reiseziel für Europäer darstellt, sieht die Ebola-Expertin Christina Frank vom Robert Koch-Institut (RKI) derzeit wenig Gefahr für Menschen in Deutschland. Verdacht auf Ebola besteht allenfalls im unwahrscheinlichen Fall, wenn ein Patient mit den typischen Symptomen in den vergangenen 21 Tagen aus einer betroffenen Region eingereist ist und dort Kontakt mit Körperflüssigkeiten von Infizierten hatte.

Wer mit Fieber von einer Reise in das zentralafrikanische Land zurückkehre, solle trotzdem auf der Hut sein, jedoch aus einem anderen Grund, wie Frank erklärt: „Wenn jemand mit Fieber aus dem zentralafrikanischen Land zurückkehrt, ist es viel wahrscheinlicher, dass eine Malaria vorliegt. Und diese ist dringend behandlungsbedürftig!“

Ebola bleibt ein unvorhersehbares Risiko

Bei der Ebola-Epidemie von 2014 hatte sich das RKI maßgeblich an der Suche nach dem Ursprung des Ausbruchs beteiligt. Im Januar 2015 wurden in der Fachzeitschrift „Embo Molecular Medicine“ die Ergebnisse veröffentlicht: Ein zweijähriger Junge aus einer Waldregion im Südosten Guineas hat sich demnach Ende des Jahres 2013 wahrscheinlich bei einer Fledermaus mit dem Erreger aus der Familie der Filoviren angesteckt. Zwei Tage später starb das Kleinkind.

Mitglieder des „Ebola-Response-Teams“ der WHO erörterten im August 2016 im renommierten „New England Journal of Medicine“, was aus der damaligen Epidemie in Westafrika zu lernen sei. Für Gesundheitspolitiker, Forscher und medizinische Helfer sei die wichtigste Lehre, weiter auf die „klassischen“ Möglichkeiten zur Kontrolle eines Ausbruchs zu setzen und sie zu perfektionieren, so ihr Resümee.

Ebola bleibe zwar ein unvorhersehbares Risiko, eine echte Epidemie könne jedoch vermieden werden. Man müsse dafür die Lage genau überwachen, eventuelle Fälle schnell entdecken und diagnostizieren, die Kontakte der Infizierten penibel nachverfolgen, sie von anderen Menschen isolieren und mit den verfügbaren Mitteln behandeln.

Auch sichere Bestattungen seien wichtig, sagen Experten

Zudem müsse man Menschen, die an der Virusinfektion sterben, sicher bestatten. Dies widerspricht teilweise den örtlichen kulturellen Traditionen und erfordert deshalb Überzeugungsarbeit. Doch nur so könne man „die Übertragung unterbrechen und die Größe eines Ausbruchs selbst in dicht bevölkerten Städten begrenzen“, so die Experten.

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