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  • 14.09.2017
  • von Sascha Karberg

Klimawandel: Ein Drittel des Himalaya-Eises schmilzt

von Sascha Karberg

Zum Dahinschmelzen. So wie der Shalbachum-Gletscher im nepalesischen Teil des Himalayas sind alle Eismassen des „Dritten Pols“ der Erde vom Klimawandel bedroht. Foto: W. Immerzeel/Nature

Bis zum Ende des Jahrhunderts werden viele Gletscher Asiens verschwinden, prognostiziert eine Studie niederländischer Forscher.

Die schlechte Nachricht zuerst: Selbst wenn sich alle 195 Nationen an das Pariser Klimaabkommen von 2015 halten, wird ein Drittel der heute vorhandenen Gletschermasse in den asiatischen Hochgebirgen bis zum Ende des Jahrhunderts geschmolzen sein. Die niederländischen Forscher, die dieses Szenario im Fachblatt „Nature“ vorhersagen, haben aber auch eine gute Nachricht für alle, die sich um Klimaschutz bemühen. Denn ohne diese Anstrengungen wäre die Situation weitaus dramatischer. Wird das Klimaziel nicht erreicht und steigt die mittlere Temperatur bis 2100 um 3,5 Grad über das vorindustrielle Mittel, dann werden 49 Prozent der Gletschermasse Asiens verloren gehen. Bei einem Anstieg von 6 Grad prognostizieren die Forscher gar einen Verlust von 65 Prozent des Gletschereises.

Wichtige Prognose trotz Datenmangel

Extremszenarien, die 2007 versehentlich ein komplettes Abschmelzen der Hochgebirgsgletscher Asiens bis 2035 prognostizierten, weisen die Forscher allerdings zurück. Dazu wäre ein Temperaturanstieg von 11 Grad nötig und das sei in keinem der 110 Szenarien erreicht worden, die das Forscherteam von Philip Kraaijenbrink von der Universität Utrecht durchrechnete.

Die Studie erlaube es, „die künftige Entwicklung der Gletscher und damit auch des Abflusses in diesen Regionen viel besser abzuschätzen“, sagt Markus Stoffel von der Forschungsgruppe für Klimawandel und Klimafolgen des Genfer Instituts für Umweltwissenschaften. Allerdings weist der Klimaforscher auch auf Schwächen der Prognose hin: „In den Hochgebirgen Asiens bleiben systematische Gletscherbeobachtungen die große Ausnahme.“ Während Alpengletscher seit Jahrzehnten überwacht werden, seien Prognosen über die asiatischen Gletscher wegen fehlender Daten noch auf „gewisse Annahmen“ angewiesen.

Der "Dritte Pol" verschwindet

Die Auswirkungen einer Schmelze im Himalaya und anderen asiatischen Hochgebirgen, die als der „Dritte Pol“ bezeichnet werden, sind indes ungleich dramatischer als in Europa. „Hier lagern die größten Eismassen außerhalb der Pole“, sagt Stoffel. Ein Abschmelzen der Gletscherriesen Asiens werde nicht nur zum Anstieg des Meeresspiegels beitragen. „Ebenso hängen weit über eine Milliarde Menschen direkt oder indirekt vom Wasser der asiatischen Gletscher ab“, betont der Forscher. Das habe große Auswirkungen auf die Wasserverfügbarkeit und die Wasserqualität. Schon heute müsse in Bergregionen Nordindiens Winterschnee in „künstlichen Gletschern“ gespeichert werden, um im Sommer die Felder bestellen und mit genügend Wasser versorgen zu können.

Stoffel erwartet ein Ausmaß des Abschmelzens der Gletscher „ohne historische Parallelen“. Das Schmelzwasser, das die großen Ströme Ganges, Indus und Brahmaputra speist und jetzt noch reichlich vorhanden ist, werde dann während der Trockenzeit „bitter fehlen“.

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