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  • 22.04.2017
  • von Johanna Wanka

Bildungsministerin Wanka zum March for Science: Ohne freie Wissenschaft ist der Fortschritt in Gefahr

von Johanna Wanka

Etwa viertausend Menschen nahmen an der Demonstration "March for Science" in Berlin teil. Foto: dpa/Jörg Carstensen

Die Einschränkung der freien Wissenschaft beginnt schon bei der Abkehr von sachlich orientierter Urteilsbildung. Mit dem March for Science treten die Wissenschaftler für elementare Grundlagen unserer Demokratie ein. Ein Gastbeitrag von Johanna Wanka.

Weltweit - auch in Berlin - gehen heute Menschen für den Wert von Forschung und Wissenschaft auf die Straße. Sie demonstrieren dafür, dass wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage unseres gesellschaftlichen Diskurses nicht verhandelbar sind. Damit treten sie offensiv für elementare Grundlagen unserer Demokratie ein. Zu den Voraussetzungen unserer offenen Gesellschaft zählen eine unabhängige Justiz, eine freie Presse und auch eine freie Wissenschaft. Diese Freiheiten, die unser Grundgesetz garantiert, sind keine Selbstverständlichkeit. Wir müssen für sie einstehen.

Wie aktuelle Beispiele zeigen, sind es immer die Freiheiten dieser drei Institutionen, die bedroht sind. Diese Bedrohung beginnt nicht erst mit politisch motivierten Urteilen oder Maulkörben für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Sie beginnt schon früher: mit der Abkehr von der sachlich orientierten Urteilsbildung, mit der Diffamierung von „Experten“ und dem zunehmenden Primat von Wollen und Meinen.

Justiz, Presse und Wissenschaft haben ihre eigenen und spezifischen Mechanismen entwickelt, um Wahrheiten, als eine Annäherung an die Wirklichkeit, zu ermitteln. Die Justiz hat die Regeln des Prozesses, die Presse die Methoden der Recherche und der Aufdeckung; die Wissenschaft hat die Methoden des Experiments, der Falsifizierung und des kritischen und offenen Diskurses.

Erkenntnis wird mühsam erarbeitet

Der Kern von Wissenschaft sind nicht absolute Wahrheiten. Das Wesen der Wissenschaft und der wissenschaftlichen Methode ist vielmehr das oft mühsame Erarbeiten von Erkenntnissen und der konstruktive Umgang mit der großen Komplexität der Wirklichkeit. Dies erfordert von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eine kritische Haltung des stetigen Nachforschens, Nachfragens und des offenen Diskutierens.

So, wie die Institutionen von Justiz und Presse die Gesellschaft mitgestalten, hat auch die wissenschaftliche Haltung unsere Gesellschaft geprägt und zu Offenheit und Fortschritt essenziell beigetragen. Mit der Beschneidung der Freiheit der Wissenschaft sind auch Offenheit und Fortschritt insgesamt in Gefahr. Daher sind die Wissenschaft, aber auch die Politik gefordert, sich noch stärker als bisher hörbar und verständlich zu machen.

Ich freue mich über das Engagement der vielen Menschen – nicht nur Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler –, die am heutigen Samstag sichtbar für die Wissenschaft eintreten. Wir alle müssen deutlich machen, dass die Freiheit der Wissenschaft und der konstruktive Diskurs als elementare Grundlagen unserer Gesellschaft nicht verhandelbar sind.

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