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  • 12.06.2010

Mehr Pleiten bei Firmen und Verbrauchern

Potsdam - Die Zahl der Pleiten in Brandenburg hat bei Firmen und Verbrauchern zugenommen. Im ersten Quartal meldeten die Amtsgerichte 190 Insolvenzverfahren gegen Unternehmen und damit neun Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, wie das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg mitteilte. Die Höhe der voraussichtlichen Forderungen sank allerdings um 39 Prozent auf rund 51 Millionen Euro. Bei den zahlungsunfähigen Privatleuten stieg die Höhe der Forderungen um fast 37 Prozent auf 133 Millionen Euro. Im ersten Quartal gab es 1353 Insolvenzverfahren gegen Gesellschafter und Verbraucher, 2,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Zu den meisten Firmenpleiten kam es im Handel mit landesweit 40 Insolvenzfällen binnen drei Monaten und Forderungen in Höhe von 7,6 Millionen Euro. 37 Betriebe wurden im Baugewerbe zahlungsunfähig. Dort erreichen die Forderungen ein ähnliches Volumen wie im Handel. Im Vergleich der Landkreise führen mit je 20 Unternehmensinsolvenzen Märkisch-Oderland und Oberhavel. Bei den kreisfreien Städten belegt Potsdam mit elf Unternehmenspleiten und Forderungen von zwei Millionen Euro den ersten Platz. Derzeit findet in Potsdam der 11. Jahreskongress Insolvenzrecht mit mehr als 160 Teilnehmern statt.

Der Potsdamer Rechtsanwalt Christian Graf Brockdorff hält den Anstieg der Firmenpleiten für eine Folge der Wirtschaftskrise. Viele Firmen seien jetzt in der Zwickmühle. „Wegen steigender Auftragszahlen haben viele Unternehmen jetzt einen erhöhten Liquiditätsbedarf, der aber von den Banken derzeit nicht immer bedient wird“, sagte Brockdorff am Freitag den PNN. Der Anwalt spricht von einer Kreditklemme im Aufschwung.

Den besonders hohen Anstieg der Privatinsolvenzen führt Brockdorff auch auf die Zahlungsunfähigkeit vieler Freiberufler zurück, darunter etwa selbständige Handwerker und Krankenpfleger. Nach wie vor würden Betroffene einen Insolvenzantrag häufig viel zu spät stellen, sagte der Insolvenzfachmann. Dabei lasse sich bei rechtzeitiger Anzeige oft noch viel retten. dpa/mat

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