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Berlinale 2015

  • 18.02.2017
  • von Andreas Busche

Berlinale Panorama: Spurensuche im Geisterwald

von Andreas Busche

Ätherische Erscheinung. Sonam Tashi Choden hat Kontakt ins Jenseits. Foto: Berlinale

Buddhistischer Krimi im Land des Glücks: „Honeygiver Among the Dogs“ im Panorama.

Was sich wie eine Kuriosität am Rande der Berlinale liest, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als eine der schönsten Perlen im bunt gemischten Panorama-Programm. Schon für seinen Titel „Honeygiver Among the Dogs“ hätte das Spielfilmdebüt der bhutanischen Regisseurin Dechen Roder, zugleich das Debüt des Filmlands Bhutan auf dem Festival, einen Preis verdient. Das kleine Königreich im Himalaya verfügt – gemessen an der Einwohnerzahl – über eine starke Filmszene, mit einem hohen Anteil an Regisseurinnen. „Honeygiver“ ist ein faszinierender Genre-Mash-up zwischen Krimi und Gespensterfilm. Der Polizist Kinley wird von seinem Vorgesetzten mit den Ermittlungen im Fall einer verschwundenen Nonne beauftragt.

Hauptverdächtige ist die mysteriöse, fast geisterhafte Schönheit Choden, die bei ihren Nachbarn als „Dämonin“ verrufen ist. Kinley observiert die junge Frau, aber dann ist sie es, die ihn um Hilfe bittet. Der Polizist hat für Übersinnliches nicht viel übrig, aber er muss bald feststellen, dass er mit der konventionellen Forensik nicht weit kommt. Choden entführt ihn in eine Welt der Geister und Naturgötter und bringt ihn auf die Spuren einer Verschwörung in höheren Beamtenkreisen.

Weiches, warmes Licht taucht den Film in eine unwirkliche, metaphysische Stimmung

Dankenswerterweise vermeidet Roder das Klischee der „Femme Fatale“. Stattdessen entführt ihr Film den Ermittler und seine Begleiterin auf eine höhere Bewusstseinsstufe. Die Landschaft spielt dabei eine entscheidende Rolle, in ihr haben übersinnliche Mächte die Oberhand. Roder zeichnet die Natur, durch die der Polizist in seiner Uniform aus Gehrock und Kniestrümpfen dem Geistermedium folgt, in zarten, fast durchscheinenden Bildern. Die Tonspur und das weiche, warme Licht tragen wesentlichen Anteil daran, dass „Honeygiver“ in eine zunehmend unwirkliche, metaphysische Stimmung eintaucht, die sich später als Schlüssel zur Lösung des Kriminalfalls erweist. Wenn man so will: ein buddhistischer Film noir.

18.2.,20 Uhr (Cubix7)

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