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  • 17.07.2017
  • von Heike Jahberg

Nach der Messerattacke in Ägypten: Deutsche Touristen bleiben Hurghada treu

von Heike Jahberg

Attacke am Strand: Der Angreifer hat zwei Frauen getötet und vier Urlauber verletzt. Foto: Reuters

Keine Rückreisewünsche, keine Stornierungen, sagen die Veranstalter. Die Kosten müssten die Urlauber allerdings auch selber tragen.

Ein mulmiges Gefühl habe sie schon, sagt die junge Urlauberin vor ihrem Abflug von Düsseldorf in den ägyptischen Badeort Hurghada. Die Messerattacke, die dort am Freitag zwei deutsche Frauen den Tod gekostet hatte, lässt die Touristen nicht kalt. Die Reise in den Ferienort wollen sie aber dennoch antreten. „Dann dürfte ich auch nicht mehr auf den Weihnachtsmarkt nach Berlin gehen“, sagt ein älterer Mann und macht sich auf zum Check-in.

Tui: keine vorzeitigen Rückreisewünsche

Gelassenheit oder Fatalismus? Am Freitag haben in Nordrhein-Westfalen die Sommerferien begonnen, am Mittwoch folgen Berlin und Brandenburg. Glaubt man den großen Reiseveranstaltern, reagieren die deutschen Urlauber gelassen auf den Terroranschlag, der nach Angaben aus Sicherheitskreisen einen islamistischen Hintergrund hatte. Der mutmaßliche Angreifer, ein 28-Jähriger, soll zugegeben haben, Ideen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) zu unterstützen. „In unseren Call-Centern haben wir nur sehr wenige Anfragen von Urlaubern erhalten, die sich über die Situation vor Ort informieren wollen“, sagte Anja Braun, Sprecherin des größten deutschen Reiseveranstalters Tui, dem Tagesspiegel. „Auch unsere Gäste vor Ort sind ruhig und besonnen, vorzeitige Rückreisewünsche sind nicht bekannt.“

Wer stornieren will, muss zahlen

Das könnte jedoch auch daran liegen, dass die Gäste, denen nicht mehr der Sinn nach einem Strandurlaub in Hurghada steht, auf eigene Kosten stornieren müssten. Mit Kulanz der Veranstalter können sie nicht rechnen. Das Auswärtige Amt habe seine Reise- und Sicherheitshinweise nicht verändert und keine Neubewertung der Lage in Ägypten vorgenommen, damit „gelten die regulären Reisebedingungen“, betont Braun. Konkurrent Thomas Cook verfährt identisch. „Es gelten die regulären Umbuchungs- und Stornierungsbedingungen“, teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit. Auch bei FTI ist das nicht anders: "Wir stehen im engen Austausch mit unserer Agentur vor Ort sowie dem Auswärtigen Amt und orientieren unsere Kommunikation an deren Sicherheitshinweisen", heißt es dort auf Tagesspiegel-Anfrage. "Da bisher keine grundlegende Neubewertung der allgemeinen Sicherheitslage in Ägypten vorgenommen wurde, sind keine kostenlosen Umbuchungen oder Stornierungen möglich und es gelten weiterhin unsere AGBs."

Auswärtiges Amt: landesweit erhöhtes Risiko von Terroranschlägen

Tatsächlich hat das Auswärtige Amt schon vor dem jüngsten Angriff vor einem landesweit erhöhten Risiko terroristischer Anschläge und der Gefahr von Entführungen gewarnt. „Diese können sich auch gegen ausländische Ziele und Staatsbürger richten“, heißt es in den aktuellen Reise- und Sicherheitshinweisen. Bei Reisen nach Ägypten, einschließlich der Touristengebiete am Roten Meer, rät das Amt „generell zu Vorsicht“. Demonstrationen und Menschenansammlungen, insbesondere vor religiösen Stätten, Universitäten und staatlichen Einrichtungen, „sollten unbedingt gemieden werden“. Von Überlandfahrten ohne ortskundige Begleitung raten die Behörden „dringend" ab. Explizit gewarnt wird vor Reisen in den Norden der Sinai-Halbinsel, wo die Terrormiliz ISIS operiert, und vor Trips in das ägyptisch-israelische Grenzgebiet.

Immer wieder Anschläge

Ägypten wird immer wieder von Anschlägen erschüttert. Im Oktober 2015 stürzte ein russischer Ferienflieger nach einem Bombenattentat kurz nach dem Start im Badeort Scharm el-Sheikh ab, alle 224 Passagiere starben. In den vergangenen Monaten wurden wiederholt koptische Christen attackiert. Im April wurde landesweit der Ausnahmezustand verhängt, die Maßnahme gilt vorerst bis zum 10. Oktober und geht mit erhöhten Eingriffsbefugnissen der Sicherheitskräfte und des Militärs einher.

Urlauber kehren zurück

Dem Tourismus haben die jahrelangen Unruhen geschadet. Vor dem Sturz von Machthaber Mubarak hatten fast drei Millionen Menschen vom Geschäft mit den Urlaubern gelebt, nach der Revolution 2011 brach die Branche ein. Allerdings gibt es seit kurzem Hoffnung. Angelockt von den vergleichsweise günstigen Preisen kamen in den ersten drei Monaten dieses Jahres 227.000 Besucher aus Deutschland nach Ägypten, ein Plus von 35 Prozent verglichen mit dem Vorjahreszeitraum. Bei Tui, FTI, Thomas Cook, DER Touristik und Alltours waren die Buchungen zuletzt kräftig gestiegen. Wegen der Wärme ist Ägypten sowohl ein Sommer- als auch ein Winterreiseziel. Hurghada und Scharm el-Sheikh ziehen Badeurlauber an und sind für Tauchferien bekannt und beliebt.

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