22.11.2017, 9°C
  • 13.09.2017
  • von Nicola Kuhn, Birgit Rieger, Sabine Weier

Tipps für die Berlin Art Week: Rosa, Karl und der Saurier

von Nicola Kuhn, Birgit Rieger, Sabine Weier

A wie Alligator. Die US-Künstlerin Math Bass hangelt sich von A bis Z durch eine Grammatik der Abstraktionen und versucht, mit Buchstaben zu sagen, was nicht in Worte zu fassen ist. Foto: Math Bass

Bilderrätsel von Alfredo Jaar, japanischer Buchstabensalat und Blumenschnuppern im chinesischen Garten: Fünf Entdeckungen am Rande der bekannten Kunstpfade.

KUNST AM BAU

Ein Bilderrätsel liefert Alfredo Jaar mit seiner Fassadenarbeit für den Neuen Berliner Kunstverein (Chausseestraße 128/129). Sie bleibt für ein Jahr, wie zuvor die Beiträge von Gerwald Rockenschaub oder Thomas Hirschhorn. Die flachen Nischen über den Fenstern sind diesmal mit Piktogrammen und den Namen von Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Bertolt Brecht und Herbert Marcuse gefüllt. Dahinter steckt eine Hommage an die Chausseestraße und an Harun Farocki, der in der Galerie gerade gewürdigt wird. „Rosa, Karl, Bertolt, Herbert and the others“, so der Titel von Jaars Arbeit, inspirierten den Filmemacher. Sie alle wirkten einst in der Chausseestraße: In der Nummer 121 wurde die Spartakusgruppe gegründet, die auf Luxemburg und Liebknecht zurückgeht. Noch näher zum NBK steht das Brecht-Haus.

INTERNET-ART

In ihren Datenleak-Projekten hinterfragen die Berliner Künstler Nora Al-Badri und Nikolai Nelles den Umgang mit Kunstwerken und Ausgrabungsfunden, die während der Kolonialzeit in deutsche Museen gebracht wurden – und seitdem hierzulande ausgestellt werden. Zwei ihrer Arbeiten präsentiert nun die Galerie Nome (Glogauer Str. 17, bis 11. 11). Mit „The Other Nefertiti“ machten Al-Badri und Nelles 2015 Scan-Daten der Nofretete-Büste öffentlich zugänglich. Sogleich tauchte eine zweite Nofretete in Kairo auf. Das schlug nicht nur virale Wellen. Für ihr neues Projekt „Fossile Futures“ haben sie Dinosaurierknochen aus Tansania reproduzierte, die während der Kolonialzeit nach Deutschland gelangten.

MALEREI

Der Buchstabe „Z“ oder ein Alligator mit gezacktem Maul sind wiederkehrende Elemente in den piktoralen Gouachen der in Los Angeles beheimateten Künstlerin Math Bass. In ihren großformatigen Bildern, die sie im Rahmen ihrer ersten Soloschau in Europa in beiden Räumen der Galerie Tanya Leighton (Kurfürstenstr. 156 & 24/25, bis 21. 10.) zeigt, taucht das Kroko-Maul zwar als Form auf, wandelt aber ständig seine Bedeutung. News! heißt die Bilderserie, die Bass kontinuierlich erweitert. Entscheidend ist für sie der Raum zwischen den Formen, der negative Raum. Daraus ergibt sich ihre persönliche Grammatik der Abstraktionen, Definitionen und Zuschreibungen.

AQUARELL

Das Tröstliche an der Schließung des Zehlendorfer Hauses am Waldsee zwecks Renovierung besteht darin, dass es vorübergehend im Bikini Berlin (Budapester Str. 46, bis 15. 10.) Quartier bezogen hat und damit auf die Route der Art-Week-Besucher in Charlottenburg und Tiergarten gerückt ist. Hier werden im Rahmen der Serie Schaufensterausstellungen Papierarbeiten von Künstlern präsentiert, die bereits in Zehlendorf zu sehen waren. Den Anfang macht der Japaner Takehito Koganezawa, der inzwischen in seine Heimat zurückgekehrt ist. Protagonist seiner Aquarelle ist ein kleiner Junge, der sich inmitten farbiger Wälder befindet, von Buchstabensalat umgeben. Koganezawa hält innere Welten fest, der kleine Junge könnte durchaus sein Alter Ego sein.

GARTENKUNST

Wer vom Kunstbetrieb eine Pause braucht, dem sei ein Besuch auf der IGA in Marzahn empfohlen (bis 15. 10.). Gondelfahren, Blumenschnuppern, mit etwas Glück kann man auch in der Sonne liegen. Zur ultimativen Entspannung: in den chinesischen Garten gehen, Tee bestellen und aufs Wasser schauen.

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