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  • 10.07.2018
  • von Rolf Obertreis

Bankgeschäfte: Wie der Iran Tonnen frischer Geldscheine von der Bundesbank holen will

von Rolf Obertreis

Die Europäisch-Iranische Handelsbank in Frankfurt. Foto: imago/Lars Berg

Eine iranische Bank in Hamburg will 380 Millionen Euro nach Teheran bringen. Die Geldscheine könnten bis zu 3,88 Tonnen wiegen. Eine logistische Leistung – auch für die Bundesbank.

Die Bundesbank äußert sich nicht. Aber sie würde rein logistisch die zentrale Rolle in diesem Geschäft spielen. Will der Iran tatsächlich bei der Europäisch-Iranischen Handelsbank in Hamburg (eihbank) 350 bis 380 Millionen Euro abheben und dann per Flugzeug bar nach Teheran schaffen, müsste sich das Institut das Geld über die Bundesbank beschaffen. Die Bundesbank ist für den Bargeld-Verkehr in Deutschland zuständig und reicht über ihre Filialen an Banken und Sparkassen die gewünschten Euro-Scheine und Münzen aus, die so in Umlauf kommen.

Die eihbank müsste die gewünschte Summe bei der Bundesbank bestellen zur Auslieferung in der Filiale Hamburg. Dabei wären detaillierte Angaben der gewünschten Stückelung notwendig. Außerdem müssen die Banken in solchen Fällen angeben, ob es druckfrische oder bereits umgelaufene Scheine sein sollen. Je nachdem geht es um stattliche Mengen und ein stattliches Gewicht.

Werden 380 Millionen Euro in 500 Euro-Scheinen ausgeliefert, wären 760.000 Banknoten mit einem Gewicht von rund 851 Kilogramm notwendig. Aufeinander gelegt ergäbe sich ein Stapel von 76 Metern. Wird die Summe in 200 Euro-Scheinen angefordert lege das Gewicht bei gut zwei Tonnen. 1,9 Millionen Banknoten wären notwendig, aufeinander gelegt wäre der Stapel 190 Meter hoch. Bestellt die eihbank die 380 Millionen Euro gestückelt in 100 Euro-Scheinen ergäbe sich bei 3,8 Millionen Banknoten ein Turm von 380 Metern. Gewicht 3,88 Tonnen.

Standardmäßig liefert die Bundesbank die Scheine in Plastik eingeschweißt in Päckchen zu 100 Stück, die wiederum in Paketen mit zehn Päckchen zusammengefasst werden. Die wiederum liegen in verplompten Metallkisten. Bei kleineren Mengen übernehmen private Werttransport-Firmen die Lieferung an die jeweilige Bank mit Spezialfahrzeugen. Bei größeren Summen wie im Falle der eihbank stellt die Bundesbank Großbehälter bereit. Sie übernimmt dann auch selbst mit Spezial-Lkw den Transport unter Polizeischutz - in diesem Fall vermutlich unter strengster Geheimhaltung.

Fraglich allerdings ob die eihbank solche Mengen überhaupt lagern kann. Vermutlich ginge es direkt an den Flughafen und dort in eine Maschine nach Teheran. Erfahrung mit solchen Transporten hat die Bundesbank. Sehr große Mengen an Bargeld musste sie etwa 1990 bei der Einführung der DM in die damalige DDR transportieren. In den letzten Jahren hat sie zudem Dutzende Tonnen Gold aus Tresoren in New York und Paris nach Frankfurt gebracht.

Diese Bank ist für Waffenhandel und das Atomprogramm zuständig

Belastet würde die Summe der eihbank. Das 1971 gegründete staatliche Institut ist eine kleine Spezialbank, die sich auf den Iran konzentriert und nur Firmen und Banken zur Verfügung steht. Geboten werden Handels- und Projektfinanzierungen und der Zahlungsverkehr mit dem Iran. Sie hat eine Filiale in Teheran und in der iranischen Freihandelszone Kish Island und zählt insgesamt knapp 80 Beschäftigte. 2017 hatte die eihbank ein Geschäftsvolumen von knapp 4,4 Milliarden Euro.

Insgesamt hatte sie Kredite im Volumen von 790 Millionen Euro ausgereicht, die Einlagen summierten sich auf knapp 3,8 Milliarden Euro. Unter dem Strich verbuchte das Institut einen Jahresüberschuss von 15,5 Millionen Euro. Nach eigenen Angaben unterliegt die eihbank den „strengen“ Regeln der deutschen Bankenaufsicht und damit der Finanzaufsicht BaFin. Zudem sei sie Mitglied im Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken.

Nach Angaben von Vorstandschef Ramin Pashaee Fam haben sich die Geschäfte nach der Aufhebung der Sanktionen vor zwei Jahren deutlich belebt. Zugleich sei das Eigenkapital gestärkt worden. Allerdings spürt die eihbank die Zurückhaltung deutscher Großbanken, die auch in den USA tätig sind, bei Geschäften und Finanzierungen im Iran. Zählte die eihbank vor der Verhängung der Sanktionen 2010 rund 2.100 Kunden waren es 2016 nur noch 770 bevor die Zahl 2017 wieder auf rund 900 kletterte.

Aktuell verweist die Bank wegen der Aufkündigung des Atomabkommens durch die US-Regierung auf mögliche Einschränkungen im Zahlungsverkehr hin. Allerdings seien mit dem Schritt der USA nicht automatisch Sanktionen für die eihbank verbunden. „Aktuell stehen wir Ihnen mit unseren Produkten und Dienstleistungen wie bisher vollumfänglich zur Verfügung.“

Unumstritten war die eihbank nie. Seit 2010 steht sie in den USA auf der Schwarzen Liste. Sie soll den Aufbau des iranischen Atom- und Raketenprogramms unterstützt und Geschäfte zwischen Waffenhändlern und dem Iran ermöglicht haben. In der EU wurde die eihbank Anfang 2016 von der Sanktionsliste gestrichen.

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