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  • 08.06.2017
  • von Christian Vooren

Terror in Teheran: „Das waren politische Ziele“

von Christian Vooren

Hinterrücks. Waren Irans Sicherheitskräfte ausreichend gegen Anschläge gewappnet? Foto: Reuters

Nach den Anschlägen auf Irans Hauptstadt befindet sich die gesamte Region in einer tiefen Krise, sagt Iran-Experte Ali Fathollah-Nejad im Interview.

Herr Ali Fathollah-Nejad,in der Vergangenheit ist der Iran von Anschlägen durch den „Islamischen Staat“ weitgehend verschont geblieben. Warum hat sich das nun geändert?

Das ist gegenwärtig schwierig zu beantworten. Laut iranischen Behörden gab es in jüngster Zeit immer wieder Versuche vom IS, in dem Land Kämpfer zu rekrutieren, wogegen aber die Sicherheitsbehörden eigenen Angaben zufolge erfolgreich vorgegangen sind.

Wie sind die Beziehungen zwischen dem Iran und dem IS?
Es gibt zwei Dimensionen. Einerseits ist der IS anti-schiitisch. Schiiten gelten als Ungläubige, der Iran deshalb als Feind. Man muss aber auch bedenken, dass der Iran in Syrien nicht primär gegen den IS vorgegangen ist, sondern gegen andere Gruppierungen der syrischen Opposition. Beide Seiten sind sich mehr oder weniger aus dem Weg gegangen.

War der Iran auf Anschlagsszenarien vorbereitet?
Jedenfalls kommt die Frage auf, wieso die iranischen Sicherheitsbehörden es so weit haben kommen lassen. Zumal die beiden Orte der Attacke – das iranische Parlament und das Mausoleum des verstorbenen Revolutionsführers – zu den wichtigsten Orten in der islamischen Republik gehören. Es gibt nur wenige Stätten, die von größerer Bedeutung sind. Deswegen ist es umso erstaunlicher, dass die Revolutionswächter, die ja immer damit prahlen, dass sie die Sicherheit des Landes gewährleisten würden, versagt haben.

Wie ist die Lage in Teheran nach den Anschlägen?
Man muss bedenken, dass die Anschläge nicht an öffentlichen Plätzen stattfanden. Das Mausoleum ist zwar offen zugänglich. Aber die normalen Iraner, wenn man so will, waren gar nicht das Ziel. Das waren politische Stellen, die Anschläge sind deshalb nicht mit denen im Westen vergleichbar, sei es in London oder in Paris. Wo belebte Orte angegriffen wurden, größere Menschenansammlungen, mitten im öffentlichen Leben. Das iranische Parlament ist eindeutig ein politisches Ziel, das Mausoleum ist auch eher ein politisches als ein religiöses Ziel.

Droht der Region jetzt die komplette Eskalation?
Die gesamte Region befindet sich in einer existenziellen Krise. Es gibt keinerlei Kontrollmechanismen, m weitere Eskalationsstufen eindämmen zu können. Es gibt kein rotes Telefon zwischen Teheran und Riad. Nun haben die iranischen Revolutionswächter die Saudis hinter den Anschlägen beschuldigt. Deswegen besteht die Hoffnung, dass sich die Wogen glätten, aber es gibt perspektivisch keinerlei Garantie, dass es nicht zu einem größeren Knall kommt.

Dr. Ali Fathollah-Nejad (35) ist Iran-Experte und Associate Fellow im Nahost-Programm der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.

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