Dienstag, 24. September 2019 : Das ist heute in Potsdam wichtig

Heute erinnern wir an den Erfinder des Geigerzählers, begleiten den Prozessauftakt gegen einen Pogida-Gegendemonstranten und tauchen ein in die Welt der DDR-Hobbyfilme.

Das digitale Archiv "Open Memory Box" umfasst rund 400 Stunden DDR-Hobbyfilm.
Das digitale Archiv "Open Memory Box" umfasst rund 400 Stunden DDR-Hobbyfilm.Foto: ZZF/OMB

Potsdam - Gehen Sie heute bei Kaufland oder Lidl einkaufen? Dieter Schwarz würde es freuen. Der Chef des Konzerns, ein offenbar eher öffentlichkeitsscheuer Mensch, feiert heute seinen 80. Geburtstag. Mit den Supermärkten ist er superreich geworden, genau genommen sogar der reichste Deutsche, wie die Tageszeitung "Welt" unlängst berichtete. Geschätzte 41,5 Milliarden Euro soll er demnach sein Eigen nennen - davon könnte man den kompletten Potsdamer Stadthaushalt 56 Jahre lang stemmen, Kitagebühren-Rückzahlung eingeschlossen. Der Potsdamer SAP-Mitgründer und Softwareunternehmer Hasso Plattner schafft es auf der gleichen Liste mit geschätzten 11,6 Milliarden Euro übrigens auf Platz zehn.

Der Vater des Geigerzählers

Mit Zahlen hat auch ein prominenter Potsdamer zu tun, dessen Todestag sich heute jährt: Der Physiker Hans Geiger - genau, der mit dem Geiger-Zähler zur Messung von radioaktiver Strahlung. Er starb am 24. September 1945 im Alter von gerade mal 62 Jahren nach einem längeren Rheumaleiden. Sein Grab findet sich auf den Neuen Friedhof in der Heinrich-Mann-Allee 25. Ob heute wohl jemand Blumen vorbei bringt?

Propagandawerk aus Babelsberg

Auch eine schmerzhafte Erinnerung wollen wir an dieser Stelle nicht unterschlagen: Veit Harlans "Jud Süß", ein antisemitischer Propagandafilm aus dem Hause Babelsberg, feierte am 24. September 1940 in Anwesenheit des NS-Reichskabinetts in Berlin Deutschlandpremiere. Der Film, der bis heute nur unter strengen Auflagen öffentlich gezeigt werden darf, gehört zum düsteren Kapitel der Geschichte des Traditionsfilmsstandorts.

Pogida-Gegendemonstrant vor Gericht

Im Januar 2016 kam es bei der ersten Pogida-Gegendemo zu Ausschreitungen.
Im Januar 2016 kam es bei der ersten Pogida-Gegendemo zu Ausschreitungen.Foto: Andreas Klaer

Und damit wechseln wir ins Hier und Jetzt. Und da beschäftigt uns heute ein juristisches Nachspiel der Proteste gegen die erste fremdenfeindliche Pogida-Demo vor drei Jahren. Wir erinnern uns: Am 11. Januar 2016 gingen mehr als 600 Potsdamer gegen rund 120 Pogida-Anhänger auf die Straße, im Verlauf des Abends kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen seitens einiger Gegendemonstranten. Am Amtsgericht Potsdam muss sich nun ein 40-jähriger Potsdamer verantworten, die Staatsanwaltschaft wirft ihm Landfriedensbruch, Störung von Versammlungen, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, versuchte gefährliche Körperverletzung und gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr vor. Der Mann soll als Teilnehmer einer Gegendemonstration eine Flasche in Richtung eines Pogida-Aktivisten geworfen und später einen mit Pogida-Teilnehmern besetzten Bus mit Pflastersteinen beworfen haben, so dass die Windschutzscheibe zersplittert sein soll. Mit der Faust soll er die Seitenscheibe des Busses eingeschlagen und gegen das Visier eines Polizisten geschlagen haben. Heute um 9 Uhr ist Prozessauftakt. Wir werden berichten.

Umweltschulen werden ausgezeichnet

Dass das Thema Klimaschutz zur Massenbewegung taugt, ist seit einem Jahr mit Fridays for Future klar. Einige Potsdamer Schulen sind freilich schon viel länger aktiv. Seit fast 20 Jahren wird der Titel "Umweltschule in Europa" für vorbildliche Projektarbeit zum Thema Umweltschutz verliehen, heute ist es wieder soweit. Um 12 Uhr werden die Schulen in der Käthe-Kollwitz-Oberschule in Potsdam West geehrt, die Bildungsbeigeordnete Noosha Aubel (parteilos) hält ein Grußwort. Gratulation an alle Preisträger!

Mahnwache für das Klima

Apropos Fridays for Future: Nach der Großdemo vom vergangenen Freitag ruft die Elterninitiative Parents for Future im Rahmen einer "week4climate" heute um 17 Uhr wieder zur Mahnwache an den Ringerkolonnaden neben dem Landtagsschloss auf. Damit wollen die Aktivisten angesichts der Verhandlungen für eine Kenia-Koalition aus SPD, Grünen und CDU ein Zeichen setzen, hieß es.

Ideen gegen Lebensmittelverschwendung

Das Thema Nachhaltigkeit steht auch bei der Sitzung des Sozialauschusses der Stadtverordnetenversammlung heute Abend auf der Tagesordnung. Diskutiert wird unter anderem über einen Antrag der Linken, in Potsdam gegen Lebensmittelverschwendung vorzugehen. Die Sitzung beginnt um 18 Uhr im Rathaus, Raum 1.077. Wenn man schon mal im Stadthaus ist, könnte man auch im Flurbereich des Oberbürgermeisters vorbeischauen: Da ist ab 14 Uhr eine neue Ausstellung zu Existenzgründern mit Migrationshintergrund zu sehen.

Wie wäre es mit einem Austauschjahr?

Wer selbst gern bei einem Schüleraustausch Erfahrungen mit dem Leben im Ausland machen möchte, dem sei heute ein Besuch in der Jugendetage der Stadt- und Landesbibliothek im Bildungsforum am Platz der Einheit empfohlen: Dort informieren Mitarbeiter der gemeinnützigen Jugendaustauschorganisation AFS Interkulturelle Begegnungen von 15 bis 18 Uhr zum Thema. Es geht unter anderem um die Zielländer, Kosten, Fördermöglichkeiten; außerdem stehen ehemalige Austauschschüler Rede und Antwort.

Museumsführung für Sehbehinderte

Das Naturkundemuseum Potsdam, Breite Straße 13, lädt heute um 15 Uhr zur Führung speziell für blinde und sehbehinderte Menschen ein. Sie erfahren unter anderem mehr über das Handwerk der Tierpräparation, zu Tieren im Garten und der Tierwelt Brandenburgs. Sie müssen sich nicht nur auf die Beschreibungen der Museumspädagogin Annette Theobald verlassen, es gibt auch Tastpräparate zum Anfassen wie den Greiffuß eines Waldkauzes und Tierstimmen. Die Führung kostet inklusive Museumseintritt 5,50 Euro pro Person, jeweils eine Begleitperson nimmt kostenfrei teil. Um eine verbindliche Anmeldung unter Tel.: (0331) 289 6707 wird gebeten.

Engagiert in der Nachbarschaft

Nachbarn treffen oder sich in der Nachbarschaft engagieren – das ist heute gleich an mehreren Stellen möglich. Der Stadtteilladen Kirchsteigfeld in der Anni-von-Gottberg-Straße 14 lädt von 16 bis 18 Uhr zum monatlichen Kreativnachmittag für Bastler ein. Unter Anleitung und bei Bedarf mit Hilfe können zum Beispiel Karten, Mitbringsel oder Boxen gebastelt werden.

Im Stadtteilladen Bornstedt, Georg-Hermann-Allee 27, gibt es von 14 bis 18 Uhr ein Nachbarschaftscafé: Kaffee und Kekse gibt es gegen eine Spende, mitgebrachtes Selbstgebackenes ist gern gesehen. Am Abend von 18 bis 20 Uhr trifft sich dann der Stadtteilchor Bornstedt am selben Ort. Der Chor ist offen für alle, die gern singen – insbesondere Männerstimmen sind gern gesehen und gehört, heißt es in der Einladung.

Sie wohnen in Golm und ärgern sich über das eine oder andere? Sorgen, Anregungen, Lob und Hinweise können Sie heute ab 19.30 Uhr in der Bürgersprechstunde des Ortsbeirates in der Reiherbergstraße 31 loswerden.

Im Treffpunkt Freizeit, Am Neuen Garten 64, lädt das Grundbildungszentrum Potsdam von 15.30 Uhr bis 18 Uhr zum Lerncafé Deutsch ein. Dort können Erwachsene gemeinsam besser schreiben und lesen lernen. Der Eintritt ist kostenfrei. Auch im Projekthaus Erlenhof 32 am Schlaatz lädt das Grundbildungszentrum ein: Dort sind deutschsprachige Erwachsene ab 16 Jahren von 9 bis 12 Uhr zum Lerncafé eingeladen – kostenlos und ohne Anmeldung.

Wieder ein TV-Krimi mit Potsdam-Touch

Auch für das Fernsehen haben wir heute wieder einen Tipp mit Potsdam-Touch: Nach der "Soko Potsdam" am Montag startet heute die neue Staffel der "Soko Hamburg" - und ja, auch da steckt Potsdam drin. Und zwar in Form der Kriminalkommissarin und IT-Expertin Franzi Berger vom Soko-Team: Gespielt wird sie nämlich von der gebürtigen Potsdamerin Paula Schramm, die ihre ersten Schritte in der Branche - manch einer erinnert sich vielleicht noch - schon als Teenagerin in der Kika-Serie "Schloss Einstein" gemacht hat. "Soko Hamburg" läuft 18 Uhr im ZDF - oder in der Mediathek.

DDR-Alltag auf Schmalfilm

Wen die Geschichte des DDR-Hobbyfilms interessiert, der könnte heute Abend in Berlin mehr über eine mehr als 400 Stunden umfassende Schmalfilmsammlung von 148 ostdeutschen Hobbyfilmern erfahren. Aufgearbeitet wurde sie seit mehreren Jahren im Rahmen eines Projekts am Institut für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF).  Heute stellt ZZF-Direktor Frank Bösch den Filmschatz gemeinsam unter anderem mit den beiden Projektleitern Alberto Herskovits und Laurence McFalls bei der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Kronenstraße 5 in Berlin, vor. Beginn ist um 18 Uhr, der Eintritt frei, eine Anmeldung nicht erforderlich. Pro-Tipp: Wer keine Zeit für den Berlin-Ausflug hat, der kann auch einfach auf der Online-Seite des Projekts selbst in den Filmen stöbern.

Projektleiter Alberto Herskovits (r.) und Laurence Mc Falls haben 400 Stunden DDR-Hobbyfilm digitalisiert.
Projektleiter Alberto Herskovits (r.) und Laurence Mc Falls haben 400 Stunden DDR-Hobbyfilm digitalisiert.Foto: Rainer Jensen/dpa

Grenzfragen in Mittelamerika

Eine neue Mauer will US-Präsident Donald Trump an der Grenze zwischen den USA und Mexiko bauen lassen. Wie und warum sich die Flüchtlingsströme aus Mittelamerika in den vergangenen 20 Jahren verändert haben, darüber spricht Wolfgang Bautz heute ab 19 Uhr bei einer Veranstaltung der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung im Awo-Kulturhaus Babelsberg, Karl-Liebknecht-Straße 135. Der Eintritt ist frei, anmelden kann man sich hier.

Wissen macht Spaß

Besserwisser und Quizfans sind heute im irischen Pub ShamRock's in der Lindenstraße 3 gut aufgehoben. Beim Jackpot-Quiz geht es um den Jackpot, Quizmaster Jürgen Stelter verspricht diesmal lösbare Aufgaben - aber was will das schon heißen? Gerätselt wird in Team von maximal fünf Personen, anmelden kann man sich unter Tel.: 0176 21 87 78 10.

Interkulturelle Jamsession

Oder aber man lässt diesen Dienstag musikalisch ausklingen: Das geht beim BigCloud-Jamclub im Club Mitte im Haus 4 auf dem Freiland-Gelände in der Friedrich-Engels-Straße 22. Von 17 bis 20 Uhr kommen Musiker dort zur interkulturellen Jamsession zusammen. Der Eintritt ist frei, eine Spende gern gesehen.

Und zum Schluss das Wetter

Grau sieht es heute in Potsdam aus, bleibt aber bei bis zu 20 Grad weiter mild. Lassen Sie sich davon nicht die Laune verderben. Zum Wochenende soll's wieder sonnig werden.