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Corona-Lage in Potsdam : Omikron lässt die Zahlen weiter steigen

Die Inzidenz liegt mittlerweile bei über 800. Am Brandenburger Tor warb die SPD für Zusammenhalt. Unterdessen sorgt die Quarantäne-Neuregelung für Frust bei Eltern.

Die Kerzenaktion am Brandenburger Tor war laut SPD bewusst nicht als große Versammlung geplant.
Die Kerzenaktion am Brandenburger Tor war laut SPD bewusst nicht als große Versammlung geplant.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Bei den Corona-Infektionen in der Omikron-Welle folgt in Potsdam ein Negativrekord auf den nächsten: Mit 874,7 Ansteckungen pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen hat Potsdam am Sonntag den vierten Tag in Folge ein neues Allzeithoch seit Beginn der Pandemie erreicht. Potsdam bleibt somit Brandenburgs Corona-Hotspot. 

Am Samstag lag die Inzidenz bei 809,4, vor einer Woche beim damaligen Rekord von 552,4. Der Wert stieg damit innerhalb einer Woche um knapp 58 Prozent. Am Wochenende kamen 595 Infektionen hinzu - am Sonntag wurden 242 Ansteckungen gemeldet, am Samstag waren es 353.

Die Omikron-Variante des Virus verbreitet sich laut Experten so schnell, weil sie den Immunschutz bei Geimpften und Genesenen umgehen und diese erneut infizieren kann.

SPD wirbt für Zusammenhalt 

Am Samstag warb die SPD mit mehr als 100 Kerzen für Zusammenhalt in der Corona-Pandemie. Am Brandenburger Tor in Potsdam wollte sie mit der Aktion auf die Mehrheit aufmerksam machen, die sich und andere zum Beispiel mit einer Impfung oder mit Masken schützt, aber auch der Opfer der Pandemie gedenken. Die Kundgebung unter dem Motto „Wir halten zusammen! Für wen schützt Du Dich?“ war wegen der Pandemie laut SPD bewusst nicht als große Versammlung geplant, nur etwa ein Dutzend Teilnehmer waren dabei.

Brandenburgs Wissenschaftsministerin Manja Schüle (SPD) sagte mit Blick auf die rund 62 Millionen Bundesbürger, die sich bisher mindestens einmal haben impfen lassen: „Ich stehe hier für 62 Millionen Menschen, die sich solidarisch zeigen und die ihre Nachbarn, ihre Freunde und Kollegen schützen und vor allen Dingen unsere Kinder.“ Der Potsdamer SPD-Vorsitzende Andreas Schlüter sagte: „Wir wollten mal ein positives Zeichen setzen im Stadtbild.“ Die Aktion solle weitergehen, auch an anderen Orten.

Seit einigen Wochen haben Proteste gegen Corona-Maßnahmen und gegen eine allgemeine Impfpflicht in Brandenburg zugenommen. Es gibt aber in mehreren Orten auch Aktionen ähnlich wie in Potsdam, bei der Menschen für die Schutzmaßnahmen werben.

Kitas und Schulen im Brennpunkt

Entkoppelt von der steigenden Inzidenz ist bislang die Lage in Potsdams Krankenhäusern. Dort wurden am Freitag 23 Covid-Patienten gemeldet, neun davon auf Intensivstationen. Vor einer Woche waren es noch 32 Patienten, darunter neun schwere Fälle. Der Verlauf von Erkrankungen mit der Omikron-Variante gilt als milder im Vergleich zu früheren Virusvarianten. Gleichwohl warnen Experten, dass die schiere Masse an Erkrankungen zur Belastung der Normalstationen und zu Problemen in der kritischen Infrastruktur führen kann.

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Schon jetzt im Brennpunkt stehen Kitas und Schulen: Der Inzidenzwert bei den Fünf- bis 14-Jährigen in Potsdam beträgt aktuell mehr als 1500. Am Freitag waren laut einem Stadtsprecher 382 Kinder und Jugendliche sowie 66 Erwachsene infiziert, darunter 178 Kinder aus Grundschulen, 67 aus Kitas und 51 Jugendliche aus Gymnasien. Betroffen ist aktuell rund jede vierte Einrichtung: An 63 der 236 Kitas, Schulen und Betreuungseinrichtungen gibt es Coronafälle. Rund 1790 Kinder und Jugendliche sind in Quarantäne – gut 1000 mehr als zu Beginn der Woche.

Quarantäne-Regelungen sorgen für Frust

Für Frust und Unverständnis unter Eltern sorgt die Entscheidung des Gesundheitsamtes, dass die seit Donnerstag verkürzten Quarantänezeiten nicht auch für die Kinder gelten, die vorher unter Quarantäne gestellt wurden. Mehrere Eltern wandten sich schriftlich an das Rathaus und verlangten eine Änderung. Wie berichtet hatte Potsdam noch vor dem Beschluss im Bundesrat am Freitag die Quarantäneregeln gelockert. So müssen geboosterte Kontaktpersonen nicht in Quarantäne, Infizierte können sich nach sieben Tagen per PCR-Test freitesten.

Andere Bereiche der Infrastruktur sind bislang weniger stark betroffen. So teilten die Stadtwerke – verantwortlich für Nahverkehr, Energie- und Wasserversorgung sowie die Müllabfuhr – am Freitag über einen Sprecher mit, dass die Krankenstände stabil seien und dem jahreszeitlichen Niveau vor der Pandemie entsprächen. Die Versorgung laufe normal. Auch das Bergmann-Klinikum berichtete auf Anfrage, die Krankenstände seien „noch im handhabbaren Rahmen“, ebenso die Quarantänefälle. 

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Ein großer Erfolg war nach Angaben der Stadt der Auftakt der Impfaktion „Biontech für alle“, die am Samstag fortgesetzt wurde. Am Freitag waren 80 Prozent der Termine belegt. Vor allem Personen über 30 Jahre, die sonst in der Regel den Impfstoff Moderna erhalten, ließen sich impfen. (mit dpa)

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