Krisenfester als Berlin? : Brandenburg verzeichnet Rekord bei Investitionen - trotz Lockdown

Für eine Milliarde Euro wurden im Coronajahr 2020 neue Werke gebaut oder Fabriken erweitert, so viel wie in den letzten zwei Jahrzehnten nie. Und das ohne Teslas Gigafactory. 

Thorsten Metzner
Das BASF-Werk in Schwarzheide ist ein Top-Standort des Konzerns. Und es wird weiter investiert.  
Das BASF-Werk in Schwarzheide ist ein Top-Standort des Konzerns. Und es wird weiter investiert.  Foto: Patrick Pleul/dpa

Brandenburg kann nach Einschätzung von Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) die Coronakrise in Wirtschaft und Arbeitsmarkt schneller als andere Länder überwinden. „Es sieht nach wie vor danach aus, dass wir insbesondere im Vergleich zu Berlin, aber auch zu einer ganzen Reihe von Bundesländern deutlich besser davonkommen“, sagte Steinbach am Donnerstag auf der Online-Jahrespressekonferenz der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landes (WFBB). 

Und die konnte, trotz Coronakrise und zweifachem Lockdown, für 2020 mit Investitionen von einer Milliarde Euro (2019: 688 Millionen Euro) sogar den höchsten Wert seit zwei Jahrzehnten vermelden. Und in der Milliarde ist die Gigafactory, in die Tesla rund vier Milliarden Euro investieren will, laut WFBB noch nicht einmal eingerechnet.

Es gab 74 Neuansiedlungen und Erweiterungsinvestitionen, gegenüber 71 im Jahr 2019. 3019 neue Jobs wurden geschaffen, 2019 waren das mit 4362 allerdings deutlich mehr. „Im Vorjahr wurden mehr Standortangebote an interessierte Investoren abgegeben als im bisherigen Rekordjahr 2019“, sagte WFBB-Geschäftsführer Steffen Kammradt. Die Herausforderung sei nun, auch in den kommenden Jahren genügend Gewerbe- und Industrieflächen anbieten zu können. Derzeit werde ein landesweites, detailliertes Gewerbe- und Industrieflächenkataster für Ansiedlungen und Investitionen erarbeitet.

Einen Grund für den Erfolg der Wirtschaftsförderer im Krisenjahr 2020 sieht Steinbach im „Tesla-Effekt“, der die Aufmerksamkeit für Brandenburg deutlich erhöht habe. Das sei ein „Gütesiegel“ für das Land, die Behörden, den Standort, sagte dazu Kammradt. „Brandenburg kann auch mit großen Themen umgehen.“ Das Land stehe für Verlässlichkeit: „In Brandenburg, da gilt ein Wort, das gegeben wurde. Hier gilt Verlässlichkeit.“

Dabei habe der Standort enorm an Profil gewonnen, da ein klarer Schwerpunkt der Investitionen bei Energiewende, Mobilität und Nachhaltigkeit liege, sagte Kammradt. Dies belege die 500 Millionen Investition der BASF in Schwarzheide in eine Anlage für Batteriekathoden ebenso wie der Zuschlag für die Europazentrale des US-Batterieherstellers Microvast in Ludwigsfelde. Die BASF hat zwischenzeitlich auch noch den Bau einer Europa-Pilotanlage für Batterierecycling angekündigt. 

Brandenburg will sich mit klimaneutraler Industrieproduktion profilieren

Das alles sei erst der Anfang, sagte der Chefvermarkter Kammradt: „Wir werden in zehn Jahren, was die Wirtschaftsstruktur betrifft, ein anderes Brandenburg vorfinden.“

Eine Voraussetzung für die von der Kenia-Regierung aus SPD, CDU und Grünen angepeilte Wende zu klimaneutraler Produktion ist der Ausbau der Windkraft, wo Brandenburg bundesweiter Spitzenreiter ist. 

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Doch hat es gerade mit dem vom Oberverwaltungsgericht (OVG) wegen eines Formfehlers gekippten Windeignungsgebietes in der Uckermark einen Rückschlag gegeben. Steinbach übte Kritik an der Justiz: „Dass es fünf Jahre gedauert hat, um den Formfehler festzustellen, kann ich nicht nachvollziehen.“

Ob Brandenburg die Coronakrise tatsächlich besser als andere überstehen kann, wird laut Steinbach von den nächsten Wochen abhängen, vom Impfen, den Schnelltests, dem Verhalten jedes Einzelnen. Denn auch hier seien viele Unternehmen „an der Kante“.