• OB-Wechsel in Potsdam: Was die Potsdamer von Mike Schubert erwarten

Wechsel im Potsdamer Rathaus : Was die Potsdamer von Mike Schubert erwarten

Ab Mittwoch ist Mike Schubert (SPD) neuer Oberbürgermeister. In den PNN äußert die Stadtgesellschaft ihre Wünsche an den Neuen.

Staffelübergabe. Jann Jakobs mit Nachfolger Mike Schubert (beide SPD).
Staffelübergabe. Jann Jakobs mit Nachfolger Mike Schubert (beide SPD).Foto: dpa

Potsdam - Am Mittwoch tritt Mike Schubert (SPD) sein Amt als Oberbürgermeister an. Was erwarten die Potsdamer vom neuen Stadtoberhaupt? Was sollte er dringend in Angriff nehmen? Die PNN haben sich bei Interessenvertretern und Entscheidungsträgern umgehört. Am häufigsten gewünscht: Maßnahmen gegen die soziale Spaltung und steigende Mieten. Aber auch andere Anliegen stehen auf der To-Do-Liste für den Neuen.

Theater-Chefin Jahnke wünscht sich einen besseren Nahverkehr

Bettina Jahnke, Intendantin des Potsdamer Hans Otto Theaters.
Bettina Jahnke, Intendantin des Potsdamer Hans Otto Theaters.Foto: Andreas Klaer

Die Intendantin des Hans Otto Theaters, Bettina Jahnke, erhofft sich ganz konkret eine bessere Anbindung des Kulturstandorts Schiffbauergasse an den Nahverkehr. Potsdam dürfe nicht nur eine „Stadt der Schönen und Reichen“ sein: Die Aufgabe des Stadtoberhauptes sei, „Spaltung zu verhindern, wieder zusammenzuführen, Brücken über Gräben zu legen“. Nach wie vor wichtig sei auch das Engagement gegen Rechts – wie unter Vorgänger Jakobs mit dem Bündnis Potsdam bekennt Farbe.

Markus Wicke vom Förderverein Potsdam-Museum sieht den neuen Stadtchef angesichts der „Gräben in der Stadt“ und des anhaltenden Wachstums vor allem in einer moderierenden Rolle: Der Oberbürgermeister müsse wieder „ein Wir-Gefühl schaffen für die ganze Stadt“. Fürs Potsdam-Museum wünscht Wicke sich die Lösung der Frage nach einem angemessenen Depot und die Erweiterung des Hauses für den Kunstbereich.

Viele wünschen sich sozialverträglichere Mieten

Stadtjugendringvorstandchef Dirk Harder wünscht sich, dass das Soziale mehr Gewicht bekommt. Er kenne Menschen, die aus der Stadt wegziehen, weil sie sich die Miete nicht mehr leisten könnten: „Das ist eine Katastrophe.“ Die Mietenfrage sei eine Hauptaufgabe für den Neuen.

So ähnlich sieht es auch Wolfgang Puschmann, der Vorsitzende des Seniorenbeirats. Er fordert mehr Sozialwohnungen. Die Pro Potsdam müsse mit den Genossenschaften zudem dafür sorgen, dass Senioren, die aus einer größeren in eine kleinere Wohnung ziehen, kein finanzieller Nachteil entsteht. Puschmann wünscht sich generell mehr Aufmerksamkeit für die wachsende Gruppe der über 60-Jährigen. Die „latente Altersarmut“ dürfe sich nicht ausweiten. Auch beim barrierefreien Zugang zu Begegnungshäusern und im Nahverkehr gebe es Defizite. „Das wichtigste ist, dass Potsdam wieder eine Stadt für alle wird“, so Puschmann.

Letzteres findet auch Jörg Näthe, früher Inselgärtner und jetzt Chef des Vereins Freunde der Freundschaftsinsel. Auch er bewertet das Mietenproblem als dringend. Außerdem wünscht er sich, „dass immer genügend Geld fürs Grün da ist“. Bei Umfragen zur Lebensqualität stehe das städtische Grün ganz vorn, „bei den Finanzen nicht“.

Früherer Turbine-Trainer will keine Konflikte in Potsdams Sportlandschaft

Turbine-Legende Bernd Schröder.
Turbine-Legende Bernd Schröder.Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Ex-Turbine-Cheftrainer Bernd Schröder wünscht sich, dass Leistungssport und Freizeit- sowie Breitensport nicht gegeneinander ausgespielt werden. „Da darf es keine Konflikte geben.“ Das sei angesichts des Wachstums und des steigenden Bedarfs an Sportstätten „ein Riesenproblem“. Auch die Personalentwicklung im Rathaus sei eine Herausforderung: Die vielen frei werdenden Stellen müssten mit Mitarbeitern besetzt werden, „die wissen, wie Potsdam tickt“.

Uni-Chef Oliver Günther.
Uni-Chef Oliver Günther.Foto: Andreas Klaer

Der Präsident der Universität Potsdam, Oliver Günther, wünscht sich, dass der Neue das unter Jann Jakobs etablierte gute Arbeitsverhältnis fortsetzt: „Ich kenne keine Stadt in Deutschland, wo die Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung und Uni so gut funktioniert.“

Geschäftsfrau Alice Paul-Lunow, die Kreischefin des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga, wünscht sich eine enge Zusammenarbeit zwischen Rathaus und Hoteliers, Gastronomen und Einzelhändlern – zum Beispiel, wenn es darum geht, Angebote für die Nebensaison zu entwickeln. Die Einnahmen aus der Bettensteuer müssten zweckgebunden im Bereich Tourismus ausgegeben werden, fordert sie – bislang nutzt die Stadt das Geld zur Refinanzierung des Zuschusses an die Schlösserstiftung. Paul-Lunow wünscht sich auch weniger Bürokratie, die besonders kleinen Betrieben das Überleben erschwere.

Ein kostenloses Schul-Essen wünscht sich Unternehmerin Genrich

Unternehmerin Karin Genrich, Stimme für die Innenstadthändler, sieht in den steigenden Wohnungsmieten ein Problem. Dem müsse man mit Auflagen beim Grundstücksverkauf entgegenwirken. Wichtig sei auch die Förderung von Kindern und Jugendlichen aus finanziell engen Verhältnissen. Für sie müsse es etwa ein kostenloses Mittagessen an Schulen geben. „Wir sind eine so reiche Gesellschaft, wir müssen nur anders verteilen“, so Genrich.

Klinikums-Chef Steffen Grebner.
Klinikums-Chef Steffen Grebner.Foto: Monique Wuestenhagen

Bei den kommunalen Unternehmen stehen andere Anliegen im Vordergrund: Steffen Grebner, Geschäftsführer des Ernst-von-Bergmann-Klinikums, sieht die wachsende Stadt Potsdam künftig noch mehr in einer „überregionalen Verantwortung“. Daher müsse bei Fragen wie Gesundheit oder Mobilität immer auch mit dem Landkreis und Berlin zusammengearbeitet werden. Jörn-Michael Westphal, Geschäftsführer der ProPotsdam, möchte, dass bei den Themen Wohnen, Entwicklungsgebiete und Infrastruktur die gesetzten Ziele „in Kooperation mit der Stadtgesellschaft“ umgesetzt werden.

Linke-Stadtfraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg, Jakobs ewiger Kontrahent, wünscht dessen Nachfolger, „dass er es versteht, Vertrauen zu schaffen, so dass sich möglichst viele wiederfinden“. Auch ein gutes Verhältnis zu den Stadtverordneten sei wichtig: „Er kennt die Voraussetzungen dafür.“ Schubert übernehme „eine gut funktionierende Stadt mit großem Potenzial“, so Scharfenberg: „Damit umzugehen erfordert viel Geschick und Verantwortungsbewusstsein.“