• Im Prozess um den Raubüberfall in der Potsdamer Bertinistraße sind die Urteile gefallen

Prozess in Potsdam : Hohe Strafen für Überfall auf Familie am Jungfernsee

Im Prozess um den Überfall auf eine Familie in deren Villa am Jungfernsee sind die Urteile gefallen. Drei Angeklagte müssen ins Gefängnis, einer wurde freigesprochen.

Die Angeklagten vor Prozessbeginn am 26. April 2019 im Landgericht Potsdam.
Die Angeklagten vor Prozessbeginn am 26. April 2019 im Landgericht Potsdam.Foto: Jana Haase

Potsdam - Das Landgericht Potsdam hat am Freitagnachmittag die Urteile im Prozess um den Überfall auf eine Familie gesprochen. Drei Angeklagte erhielten hohe Haftstrafen, einer der Täter wurde freigesprochen.

Die beiden Hauptschuldigen, Jorge H. und John R., wurden zu 9 Jahren und 6 Monaten bzw. 8 Jahren und 6 Monaten verurteilt. Ein dritter Täter, Florian G. erhielt 5 Jahre, der vierte, Nico N., wurde freigesprochen.

Brutales Vorgehen

Der Vorfall im Juli 2017 war von einer Brutalität, wie es sie in Potsdam selten gab. Die beiden Hauptbeschuldigten John R. und Jorge H. sind, das hatten sie in Geständnissen eingeräumt, in der Nacht auf den 25. Juli 2017 in das Haus in der Bertinistraße eingebrochen, weil sie dort eine hohe Bargeldsumme - die Rede war von 140.000 Euro - vermuteten.

Als die Familie erwachte, wurden sie von den Einbrechern brutal angegriffen. Jorge H. soll der Familie mit einem Pizzamesser gedroht haben, John R. die Frau getreten und geschlagen sowie die minderjährige Tochter in den Würgegriff genommen und mit deren Tod gedroht haben. Die Angreifer ließen auch dann nicht von ihren Opfern ab, als sie bereits 3000 Euro Bargeld sowie Schmuck erhalten hatten.

Stille Kinder und die Ehefrau auf der Flucht

Im Haus befanden sich zum Zeitpunkt des Überfalls drei weitere Kinder, die sich glücklicherweise so ruhig verhielten, dass die Täter nicht auf sie aufmerksam wurden. Der Frau gelang schließlich die Flucht, vom Nachbarhaus aus konnte sie die Polizei verständigen. Die Beamten stellten John R. und Jorge H. wenig später in einer Tram in der Berliner Vorstadt, beide saßen seitdem in Untersuchungshaft. Florian G. war als mutmaßlicher Mittäter und Ideengeber des Überfalls angeklagt worden, er hatte über die Haushälterin der Familie von dem vermeintlichen Bargeld in dem Haus erfahren. Nico N. war in der Tatnacht zunächst als möglicher vierter Mann hinzugeholt worden, hatte sich vor Ort aber gegen eine Beteiligung entschieden.

Der Prozess gegen die vier Berliner war im Oktober 2018 eröffnet worden. Der Staatsanwalt hatte für die Haupttäter John R. und Jorge H. Haftstrafen von neun Jahre beziehungsweise neun Jahre und sechs Monaten gefordert, für Florian G. drei Jahre und für Nico N. Freispruch. Die Verteidiger von Jorge H. hatten wegen seines jungen Alters - er war zur Tatzeit 21 - auf eine Strafe nach dem milderen Jugendstrafrecht plädiert. Die Verteidiger von John R. hatten den Alkoholkonsum vor der Tat und eine "angstbedingte Aggression" als strafmildernde Umstände ins Spiel gebracht. Die Verteidiger von Florian G. und Nico N. hatten Freispruch gefordert.