• Potsdam HEUTE, Montag, 21. Juni 2021: Spurensuche nach Brandenburgs Stonehenge

Potsdam HEUTE, Montag, 21. Juni 2021 : Spurensuche nach Brandenburgs Stonehenge

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Der PNN-Newsletter - heute von Jana Haase.
Der PNN-Newsletter - heute von Jana Haase.Grafik: TSP

Guten Morgen,

Stonehenge kennt jeder - aber Bochow? Ein 320-Seelen-Dorf an der Nuthequelle unweit von Jüterbog im Landkreis Teltow-Fläming - vielleicht sind Sie dort schon auf der Fläming-Skate durch die Landschaft gerollt oder waren auf dem Walderlebnispfad "Wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen" unterwegs. Unweit des unscheinbaren Örtchens gab es in grauer Vorzeit, in der Jungsteinzeit, ein riesiges Bauwerk mit ähnlicher Bedeutung wie Stonehenge - nur dass heute nichts mehr daran erinnert. Der Potsdamer Frank Lochter will das ändern. Der Ingenieur war Anfang 1994 mit dabei, als bei Bochow die Überreste eines sogenannten "Woodhenge", einer kreisförmigen Grabenanlage mit Holzpfählen, entdeckt wurden, wie er uns schrieb. Aufgefallen waren die Reste der rund 6700 Jahre alten archäologischen Stätte einem Piloten, der die Gegend auf der Suche nach Anomalien überflog einen Doppelkreis auf einem Getreidefeld entdeckte. Lochter untersuchte den Fund seinerzeit im Auftrag des Brandenburgischen Landesmuseums für Ur- und Frühgeschichte gemeinsam mit einer Kollegin vor Ort. Die Kreisgrabenanlage ist heute als Bodendenkmal in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragen. Aber mehr auch nicht. Dabei handelt es sich um das älteste und größte Gemeinschaftsbauwerk in Berlin/Brandenburg, wie Lochter betont. "Was die Cheopspyramide für Ägypten, ist das Woodhenge Bochow für Berlin/Brandenburg, nur unser Woodhenge ist 2000 Jahre älter!", schreibt er.
Allein die Ausmaße sind beachtlich: Die Anlage bestand aus zwei kreisförmigen Gräben - der äußere mit einem Durchmesser von bis zu 80 Metern, der innere mit bis zu 64 Metern. Allein für die Palisade hätten "mit Steinäxten mindestens 700 Bäume gefällt und für die Gräben 600 Kubikmeter Erde ausgehoben" werden müssen - ohne Metallwerkzeuge, erklärt der Ingenieur. Von "Woodhenge" ist die Rede, weil in der Nähe des weltberühmten Stonehenge eine gleichnamige Holzpfahlanlage steht, die mit zum Unesco-Welterbe gehört. In ganz Europa gibt es solche Woodhenges, in Sachsen-Anhalt wurde eines am Originalort rekonstruiert. Wozu genau die Pfahlkreise gedient haben, darüber wird spekuliert - es könnte sich um Kultstätten oder Sonnenobservatorien zur Bestimmung von Terminen zur Aussaat und Ernte gehandelt haben. Frank Lochter hatte den Fund von 1994 fast selbst wieder vergessen, erinnerte sich aber daran, als er vor einigen Monaten bei einem Ausflug zufällig in der Nähe war und zu seiner Verwunderung keinerlei Hinweisschild fand. Jetzt setzt er sich dafür ein, dass das Bochower Woodhenge sichtbar wird. Zunächst soll aus dem Fundort in Zusammenarbeit mit der Agrargenossenschaft eine Blühwiese gemacht werden, "um die Anlage vor weiterer Erosion zu schützen", berichtet er. Der Potsdamer sucht noch Unterstützer für eine mögliche virtuelle Rekonstruktion der Anlage - und ist auch offen für andere Ideen, Interessenten können sich per Mail bei ihm melden.
Lochter träumt davon, dass das Bochower Woodhenge in Zukunft zu einem Anziehungspunkt für archäologisch interessierte Ausflugsgäste wird. In Stonehenge kommen an Tagen wie heute - Sommersonnenwende! - Zehntausende zusammen, um gemeinsam den Sonnenaufgang am längsten Tag des Jahres zu erleben. Wegen Corona ist das diesmal nicht möglich - digital kann man aber auch von Potsdam aus dabei sein, der Sonnenaufgang über Stonehenge um 5.52 Uhr unserer Zeit wird live gestreamt. Oder Sie fahren raus nach Bochow. Solange es noch keiner kennt.

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