• Potsdam HEUTE, Freitag, 4. September 2020: Musk in Grünheide, Kritik an der Einheits-Expo, Müll wird teurer und Monets "Dogenpalast" kehrt zurück

Potsdam HEUTE, Freitag, 4. September 2020 : Musk in Grünheide, Kritik an der Einheits-Expo, Müll wird teurer und Monets "Dogenpalast" kehrt zurück

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Der PNN-Newsletter - heute von Jana Haase.
Der PNN-Newsletter - heute von Jana Haase.Foto: Sebastian Gabsch PNN

Guten Morgen,

es kann ihm einfach nicht schnell genug gehen. In Rekordgeschwindigkeit lässt Elon Musk in Grünheide seine Gigafactory hochziehen, schon in zehn Monaten sollen dort die Teslas vom Band rollen. Wieso er so aufs Tempo drücke, ist er am Donnerstag bei seinem ersten Besuch auf der Baustelle in Grünheide gefragt worden. "I believe in speed", antwortete Musk. Er glaube an Geschwindigkeit. Und Brandenburg glaubt an Musk, ist jetzt mit auf seiner Reise, anschnallen bitte. Musk verspricht die "umweltfreundlichste Fabrik der Welt", tolle Arbeitsbedingungen, Spaß soll es machen, zu Grünheide passen. Und zur Tesla-Einweihung im nächsten Jahr gibt es eine Party im "Rave Cave", dem unterirdischen Partybunker. Kann es wirklich so einfach sein, Brandenburg? Während Elon Musk gestern in Grünheide mit den Bauarbeitern Richtfest feierte, schoss sein anderes Unternehmen SpaceX die nächsten 60 Starlink-Satelliten in die Erdumlaufbahn. Nichts, was der Milliardär und Unternehmer anpackt, scheint unmöglich zu sein.

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Worüber spricht Potsdam heute?

Aufbauarbeiten für die Einheits-Expo am Platz der Einheit in der Potsdamer Innenstadt.
Aufbauarbeiten für die Einheits-Expo am Platz der Einheit in der Potsdamer Innenstadt.Foto: Jana Haase

Kritik an der Einheits-Expo 
Auch in Potsdam tut sich in den letzten Tagen einiges: Am Platz der Einheit wird mittlerweile praktisch rund um die Uhr gebohrt und gewerkelt. Klar, zur Eröffnung der Einheits-Expo am Samstag soll alles fertig sein. Abends leuchten rote Scheinwerfer auf meinen Schreibtisch in der PNN-Redaktion, am Bildungsforum flimmert eine Videowand. Und auf dem Rasen in der Mitte des Platzes stehen neuerdings drei Buchstaben in Schwarz-Rot-Gold: "WIR". Also alle dabei beim runden Einheits-Jubiläum (nach dem Malheur mit dem kaputten Herzen im Stadtkanal)? Von wegen. Es fehle der kritische Blick zurück auf die DDR-Geschichte, ärgert sich Dieter Dombrowski, der Vorsitzende der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG): "Bei den Feierlichkeiten zu 30 Jahren deutscher Einheit kommen Hunderttausende Opfer der SED-Diktatur leider nicht vor“, kritisiert der frühere brandenburgische CDU-Generalsekretär und Landtags-Vizepräsident. Lesen Sie mehr dazu hier. Und auch Nikolaikirchenkantor Björn O. Wiede meldete sich entsetzt zu Wort. Ein "Peinlichkeitsfest" nennt er die Openair-Ausstellung in einer Mail an uns: "Stadt und Land sollten sofort zurückbauen, was zurückzubauen geht", fordert er.

Was muss ich für heute wissen?

Das Corona-Update
Die Lage ist weiterhin vergleichsweise entspannt: Im Land Brandenburg sind zum Donnerstag neun Neuinfektionen registriert worden, wie das Gesundheitsministerium vermeldete. Die Zahl der aktiv Erkrankten ist auf 158 zurückgegangen, acht weniger als tags davor - denn es gab 17 Genesene. Sechs Covid-Patienten werden aktuell in Krankenhäusern behandelt, aber keiner auf der Intensivstation. Das Potsdamer Gesundheitsamt vermeldete am Donnerstag eine Neuinfektion. 58 Potsdamer befinden sich aktuell noch in häuslicher Quarantäne. In den Potsdamer Krankenhäusern gibt es keine Covid-Patienten.

Über die aktuellen Entwicklungen in der Coronakrise in Potsdam und Brandenburg informieren wir Sie wie gewohnt in unserem Newsblog.

Stadtverordnete bestehen auf Tarif für Klinikum
Die Potsdamer Stadtverordneten hauen mit der Faust auf den Tisch: Nach der Warnung der Leitung des städtischen Bergmann-Klinikums vor massiven Arbeitsplatzverlusten im Falle einer Tarif-Rückkehr hat die Rathauskooperation in einer gemeinsamen Erklärung am Donnerstag klar gestellt, dass sie eine Umsetzung des Stadtverordneten-Beschlusses erwartet. Man trete einer Debatte zum Abbau von Arbeitsplätzen als Kompensation für die TVöD-Mehrkosten entschieden entgegen. Die Mehrkosten müssten aus der Stadtkasse gezahlt werden. Henri Kramer hat die Entwicklungen hier zusammengefasst.

Kita-Gebühren: Die Rückzahlung läuft
In Sachen Kita-Gebühren-Rückzahlung hat Henri Kramer aus dem Jugendhilfeausschuss den aktuellen Stand mitgebracht. Fazit: Von den rund 16.000 gestellten Anträgen der Eltern sind mehr als 13.000 Anträge bereits beschieden. Die Stadt hat 31 Millionen Euro an die Kita-Träger ausgezahlt, 22 Millionen Euro seien bereits an die Eltern weitergereicht worden.

Müllentsorgung wird teurer
Die Potsdamer müssen 2021 für die Abfallentsorgung tiefer in die Tasche greifen. Sowohl die Grundgebühr als auch die Entsorgung der Restmülltonne werden teurer, die Details lesen Sie hier.

Was soll ich heute lesen?

Die Rückkehr von Monets "Dogenpalast"

"Palazzo Ducale" von Claude Monet.
"Palazzo Ducale" von Claude Monet.Foto: Manfred Thomas


So viele Monets wie nirgendwo außerhalb Paris sind nun dauerhaft in Potsdam zuhause - aber für einen davon ist es tatsächlich eine Rückkehr nach fast 80 Jahren: Ab Samstag sind 103 Werke der französischen Impressionisten aus der Sammlung von Potsdam-Mäzen Hasso Plattner, darunter allein 34 Monets, als neue Dauerausstellung im Museum Barberini zu sehen - eine Rezension lesen Sie hier. Eine aus Potsdamer Sicht besonders bemerkenswerte Geschichte ist die von Monets "Dogenpalast", gemalt im Jahr 1908. Das Gemälde war nämlich schon einmal in Potsdam zuhause. Es gehörte dem jüdischen Bankier Jakob Goldschmidt, der bis zu seiner Flucht vor den Nazis 1933 am Griebnitzsee wohnte. Welch abenteuerlichen Weg das Kunstwerk dann nahm und welche Rolle der Plakat-Designer von Hollywood-Regisseuren wie Steven SpielbergChristopher Nolan und Ridley Scott dabei spielte, hat mein Kollege Peer Straube hier aufgeschrieben.

Welche Termine sind heute wichtig?

  • Leinen los. In Werder (Havel) beginnt an der Marina in den Havelauen um 10 Uhr die Bootsmesse "Boot & Fun inwater". Es werden rund 60 Boote, Elektroboote, Hausboote und Yachten vorgestellt, auch Probefahrten sind möglich. Der Eintritt zu der dreitägigen Messe ist kostenlos.
  • Letzte Chance. Wer die wunderbare Hagemeister-Ausstellung im Potsdam Museum noch nicht besucht hat, der muss sich sputen: Heute beginnt die Finissage. An den letzten drei Tagen bis Sonntag ist das Museum länger geöffnet, bis 20 Uhr. Schon gestern war vor dem Alten Rathaus eine Schlange zu beobachten - wie sonst nur vor dem Barberini. Die Schau mit Werken des havelländischen Impressionisten Karl Hagemeister ist die bislang erfolgreichste Sonderausstellung des Museums, am Donnerstag wurde der 18.000 Besucher gezählt.
Anstehen für Karl Hagemeister - vor dem Potsdam Museum.
Anstehen für Karl Hagemeister - vor dem Potsdam Museum.Foto: Manfred Thomas
  • Geburtstag zum ersten. Der Potsdamer Kreativhaus Rechenzentrum feiert in diesen Tagen seinen fünften Geburtstag - und heute 16 Uhr eröffnet in diesem Zusammenhang der Kunstwettbewerb "Transformale". Es geht um die Frage, wie sich die Stadt verändert. Mehr dazu lesen Sie hier.
  • Geburtstag zum zweiten. Auch der Nikolaisaal hat heute etwas zu feiern - das 20. Jubiläum des eigenen Hauses. Die Kammerakademie Potsdam gibt ab 17.30 Uhr ein Jubiläumskonzert, Kulturministerin Manja Schüle (SPD) spricht ein Grußwort.
  • Geburtstag zum dritten. Noch einen Tag vor der Freiluftausstellung zum Einheits-Jubiläum startet heute abend der "Einheizstream" aus dem Klosterkeller, eine Initiative der Potsdamer Bürgerstiftung, die damit Kunst und Kultur eine Bühne bieten will. Zum Auftakt ab 19 Uhr sprechen die Potsdamer Kulturbeigeordnete Noosha Aubel (parteilos), mit Katja Dietrich-Kröck, Marie-Luise Glahr und Christopher Weiß darüber, wie sich Potsdam in den letzten 30 Jahren entwickelt hat, welchen Anteil die Kultur daran hatte. Der Talk wird live im Internet übertragen.
  • Preisgala für Ökofilme. Ebenfalls live im Internet verfolgt werden kann die Abschlussgala der Ökofilmtour in der Reithalle des Hans Otto Theaters. Die Übertragung beginnt zeitgleich mit dem Einlass ab 18.30 Uhr. Das Festival des Umwelt- und Naturfilms fand zum 15. Mal statt, durch die Abschlussgala führt die Moderatorin Carla Kniestedt, auch Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Grüne) wird erwartet. Den Link zum Livestream gibt's hier.

Was könnte ich heute unternehmen?

Die Empfehlungen hat Steffi Pyanoe ausgewählt.

Das Bild zeigt das Werk "Kingsroad" von Mattheo M. Maaz.
Das Bild zeigt das Werk "Kingsroad" von Mattheo M. Maaz.Repro: promo

"Milieu"
Bilder von Jeanne van Dijk und Mattheo M. Maaz hängen ab heute im Galeriecafé Matschke. Van Dijk stammt aus Leipzig und studierte Fotografie und Malerei an der Willem de Kooning Akademie in Rotterdam. Maaz, geboren in Düsseldorf, studierte Philosophie und Ethnologie und Kunst in Berlin und Italien. Beide Künstler haben ihre Ateliers im Potsdamer Rechenzentrum, das übrigens am Wochenende Geburtstag feiert. „Milieu“ heißt ihre gemeinsame Ausstellung, zu der auch das Bild „Kingsroad“ von Maaz (Foto) gehört: Eine wie zufällig entdeckte Komposition aus Werksarchitektur, Mensch und Natur, Industrie und müder Sonne.
Café Matschke, Alleestraße 13, Eröffnung um 19.30 Uhr. Das Café hat von 12 bis 22 Uhr geöffnet.

Feiner Angriff
Aus dem traditionellen Jazzfestival ist in diesem Jahr eine kleine Jazzmeile geworden. In Fabrik und Waschhaus treten ab 19.30 Uhr auf zwei Openair-Bühnen mehrere Künstler und Bands auf: Aki Takase JAPANIC, Marilyn Mazur, Mokete Mokete sowie Absolutely Sweet Marie.
Fabrik und Waschhaus, Schiffbauergasse. 15 Euro kostet der Eintritt zur Jazzoffensive #6


KORRIGIERT: An dieser Stelle hatten wir für heute irrtümlich ein Konzert der Band Engerling im Lindenpark angekündigt. Das Open-Air-Konzert findet jedoch erst kommende Woche, am 11. September statt.
 

Was kann ich heute Gutes tun?

"Logbuch der Veränderungen".
"Logbuch der Veränderungen".Foto: Screenshot

Corona-Tagebuch für die Forschung
Vielleicht haben Sie sich diese Woche auch schon vom Charité-Virologen Christian Drosten auf den Stand der Dinge in Sachen Corona bringen lassen, der NDR-Podcast ist aus der Sommerpause zurück. Auch an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde (HNEE) wird zum Thema Corona geforscht, aber nicht aus medizinischer Sicht. Die Wissenschaftler unter Benjamin Nölting, dem Leiter des Zentrums für Nachhaltigkeit, Transformation und Transfer, sind stattdessen den Veränderungen in der Gesellschaft auf der Spur, die die Coronakrise mit sich bringt. Und dabei gibt es auch ein Bürgerwissenschaftsprojekt, an dem jeder mitmachen kann. Im "Logbuch der Veränderungen" sind Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, Beobachtungen zu ihrem Alltag und Veränderungen in Routinen, ihrem Umfeld und der Gesellschaft online in Form von kurzen Logbucheinträgen unter Pseudonym festzuhalten. In dieser Woche hat die dritte Phase des Logbuchs begonnen - nach "Lockdown" und "Erste Lockerungen" ist das Thema nun "Neue Normalität": Bis 15. September kann man seine Eindrücke dazu schildern. Anhand der Beiträge wollen die Wissenschaftler untersuchen, was man aus dem Umgang mit Corona über gesellschaftlichen Wandel lernen kann. Zum digitalen Logbuch geht's hier.

Wetter & Verkehr

Wetter
Es gibt noch einmal spätsommerliche Temperaturen, bis zu 23 Grad sind drin. Am Morgen kann es noch regnen, tagsüber bleibt soll es bei einem Mix aus Wolken und Sonne trocken bleiben.

Die Pollen-Saison ist immer noch nicht vorbei, momentan ist vor allem Ambrosia für Allergiker das Problem.

Verkehr
Hier gibt es ausnahmsweise ein zweites Mal keine Neuigkeiten zu vermelden - weder bei Bus und Bahn noch für Autofahrer kommen neue Hindernisse hinzu. Am Samstag beginnt im Rahmen der Einheits-Expo eine einmonatige "Vollsperrung", wie das städtische Mobil-Portal noch etwas kryptisch ankündigt. Einzelheiten waren am Donnerstag nicht aus dem Potsdamer Rathaus zu erfahren. Wir bleiben dran und können das Rätsel morgen hoffentlich auflösen.

Person des Tages

Elon Musk am gestrigen Donnerstag in Grünheide.
Elon Musk am gestrigen Donnerstag in Grünheide.Foto: Sebastian Gabsch

Elon Musk
Und nochmal Musk. Erinnern Sie sich noch an den Wirbel, den Hollywoodstar Keanu Reeves unlängst bis in Brandenburgs Regierung hinein verursachte, als er die Babelsberger Studios in Berlin verortete? So etwas würde Elon Musk nicht passieren. Auch wenn er die Geschwindigkeit so liebt, bleibt er präzise, achtet aufs Detail. Der Milliardär und Unternehmer, geboren 1971 im südafrikanischen Pretoria als Sohn eines Maschinenbauingenieurs und eines Models, hat für seinen Besuch in Grünheide offenbar die perfekte Aussprache des Ortsnamens geübt - für Englisch-Muttersprachler nicht ganz trivial. Sympathiepunkte in der Region hat er auch mit seinem bodenständigen Auftreten beim Richtfest gesammelt, wo er das Jackett gegen eine Zimmermannsweste tauschte. Nebenbei hat er seinem 14-jährigen Fan und "Tesla Kid" Silas Heineken ein Praktikum versprochen und ihn damit glücklich gemacht. Seit 25 Jahren gründet Musk ein Unternehmen nach dem anderen und versteht er es, Menschen weltweit für seine Ideen zu begeistern - vom Elektro-Auto bis zur Mars-Mission. Seine Blitzvisite in Brandenburg hat einen Eindruck davon gegeben, wie ihm das gelingt.


Und das war's von mir für heute. Kommen Sie gut durch den Freitag und bleiben Sie gesund! Morgen sitzt Marion Kaufmann hier für Sie am Newsletter-Steuer. 

Ihre Jana Haase
PNN-Redakteurin

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