• Potsdam HEUTE, Donnerstag, 23. Juli 2020: Gurkenalarm, Mängel in Schlacht- und Spargelhöfen und Sagenhaftes fürs Landtagsschloss

Potsdam HEUTE, Donnerstag, 23. Juli 2020 : Gurkenalarm, Mängel in Schlacht- und Spargelhöfen und Sagenhaftes fürs Landtagsschloss

Lesen Sie jetzt den neuen PNN-Newsletter "Potsdam HEUTE" mit allen wichtigen Terminen und Informationen für den heutigen Donnerstag.

PNN-Newsletter - heute von Jana Haase.
PNN-Newsletter - heute von Jana Haase.Foto: Sebastian Gabsch

Guten Morgen,

oder: Auf die Gurke, fertig, los! Die Marathonläufer unter Ihnen werden jetzt kennend lächeln. Allen anderen sei gesagt, dass es zum Anfangen nie zu spät ist und der Spreewaldmarathon, bei dem es alljährlich um die Goldene Gurke (in Medaillenform) geht und wo die obige Startformel erklingt, coronabedingt diesmal ganzjährig und individuell absolviert werden kann. Eine Gurkenmedaille in grün gibt es schon ab fünf Kilometern, die traue sogar ich mir zu.

Wenn Journalisten von einer Gurke sprechen, dann meinen sie allerdings in aller Regel ein Foto, das nicht besonders gelungen ist. Und dann ist da noch die in unserer Zunft gefürchtete Saure-Gurken-Zeit, die zwar weder mit der Spreewaldspezialität noch mit dem dazugehörigen Marathon etwas zu tun hat, in der wir aber gerade mittendrin stecken. Wenn Sie einen Blick auf die Termine des Tages weiter unten werfen, werden Sie verstehen, was ich meine. 

Das nachrichtliche Sommerloch hat sich eingestellt, viele sind im (verdienten) Urlaub, der politische Betrieb ruht größtenteils und auch sonst ist nicht viel los. Warum also nicht mal wieder über Potsdams Weihnachtsmarkt und seine blaue Beleuchtung nachdenken, wie unsere Kolumnistin Steffi Pyanoe?

Heute ist gewissermaßen die Talsohle des Sommerlochs erreicht - und an der lädt die brandenburgische Staatskanzlei wie jedes Jahr einige JournalistInnen zum traditionellen "Saure-Gurke-Abend" ein. In lockerer Atmosphäre tauscht man sich dann mit den nicht verreisten MinisterInnen und StaatssekretärInnen aus. Saure Gurken, habe ich mir sagen lassen, wurden dabei bisher nicht gereicht - stattdessen Deftiges vom Grill. Falls meine Kollegin (und Marathonläuferin!) Marion Kaufmann irgendwelche Nachrichten von diesem Treffen mitbringt, werden Sie es bei uns lesen. Versprochen.

[Was trotz Saure-Gurken-Zeit los ist in Potsdam und Brandenburg steht jeden Morgen im neuen PNN-Newsletter Potsdam HEUTE. Hier geht's zur kostenlosen Bestellung.]

Worüber spricht Potsdam heute?

Mängel in Schlachtbetrieben und auf Spargelhöfen 
Fehlender Mindestabstand, zu wenig Masken oder keine Reinigungspläne in den Unterkünften für Saisonarbeiter: Nach bundesweit mehreren Corona-Ausbrüchen in Fleischfabriken haben die brandenburgischen Behörden Schlachtbetriebe sowie Spargelhöfe und Erntebetriebe in der Mark stichprobenartig kontrolliert

Axt auf einer Arbeitsbank in einem Schlachthof. 
Axt auf einer Arbeitsbank in einem Schlachthof. Foto: Arno Burgi/dpa

Nicht immer wurden die Vorschriften eingehalten, wie Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) bei der Vorstellung der Ergebnisse am Mittwoch sagte. In den elf kontrollierten Schlachtbetrieben wurden 15 Mängel festgestellt, auf 16 Spargelhöfen 21 Mängel, bei weiteren zwölf Erntebetrieben gab es zwei Mängel. Immerhin: Nirgendwo handelte es sich um schwerwiegende Verstöße, die eine akute Gefahr für Gesundheit und Leben der Beschäftigten bedeuten. Wieso die Behörden trotzdem in Sorge und den Kontrolleuren Grenzen gesetzt sind, hat Marion Kaufmann hier aufgeschrieben.

Was muss ich für heute wissen?

Das Corona-Update
Die Coronalage in Brandenburg ist weiter unter Kontrolle: Elf neue Covid-19-Infektionen vermeldete das Gesundheitsministerium am Mittwoch, davon sieben im Landkreis Barnim, zwei in Elbe-Elster und je einer im Havelland und in Dahme-Spreewald. Wie berichtet hatte das Gesundheitsamt im Landkreis Barnim in einer Arbeiterunterkunft in Eberswalde einen Corona-Ausbruch festgestellt. In Potsdam blieb die Zahl der Neuinfektionen erneut bei null - die letzte Neuinfektion war am 15. Juli registriert worden, die Gesamtzahl der Infizierten liegt weiterhin bei 654. Neue Angaben zu Genesenen und aktiv Erkrankten machte die Stadt nicht, am Vortag war von 511 Genesenen die Rede. Die Anfang der Woche noch im Bergmann-Krankenhaus behandelten sechs Covid-Patienten sind mittlerweile wieder entlassen. Auch in Potsdam-Mittelmark blieb die Zahl der Erkrankten stabil - das könnte sich allerdings in den nächsten Tagen ändern. 

Nach dem Corona-Ausbruch bei einer Familie in einer Flüchtlingsunterkunft in Stahnsdorf werden dort seit Mittwoch alle Bewohner getestet. Wie berichtet stehen in zwei benachbarten Heimen insgesamt 275 Menschen unter Quarantäne. Kritik an der Unterbringung der Flüchtlinge in solchen Massenunterkünften kam am Mittwoch von der Landtagsabgeordneten Marlen Block (Linke). Der Internationale Bund (IB) als Träger der Einrichtung verwies auf die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt, die eine dezentrale Unterbringung erschwere. Die betroffene Familie mit fünf Kindern ist mittlerweile am Standort Teltow in einer separaten Wohnung untergebracht, wie es weiter vom Heimbetreiber hieß. Der Vater wird noch im Krankenhaus behandelt. 

Über die aktuellen Entwicklungen in der Coronakrise in Potsdam und Brandenburg informieren wir Sie in unserem Newsblog

Kostenlose Coronatests für alle Lehrer und Erzieher
Und noch eine erfreuliche Corona-Meldung: Das Land Brandenburg will in Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Hausärzten allen 26.000 Mitarbeitern an Schulen und allen 27.000 Beschäftigten von Kindertagesstätten von Anfang August bis Ende November bis zu sechs kostenfreie Corona-Tests anbieten. Einen entsprechenden Vertrag haben Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne), Bildungsstaatssekretärin Ines Jesse (SPD) und der stellvertretende Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin-Brandenburg, Andreas Schwarck, am Mittwoch in Potsdam unterzeichnet. Wie das Vorhaben praktisch umgesetzt werden soll und was das kostet, lesen Sie hier.

Initiative will Tariflohn am Bergmann-Klinikum notfalls erklagen
Weniger gut ist die Stimmung an Potsdams städtischem Bergmann-Klinikum: ​​​​Die Beschäftigten warten nach dem erfolgreichen Bürgerbegehren immer noch auf die Anfang Mai von den Stadtverordneten beschlossene und Anfang Juni von der Stadtspitze erneut zugesicherte Rückkehr zum Tariflohn. Kaum verwunderlich, dass die Initiative "Gesunde Zukunft", die das Bürgerbegehren auf den Weg gebracht hatte, nun langsam die Geduld verliert. Man prüfe juristische Schritte bis hin zu einer Klage gegen Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD), teilte die Initiative am Mittwoch mit. Sie setzt Schubert nun per anwaltlicher Aufforderung eine Frist zur Umsetzung bis zum 14. August.

Streik der Busfahrer möglich

Potsdamer Busfahrer bei der Infoaktion vor dem Hauptbahnhof.
Potsdamer Busfahrer bei der Infoaktion vor dem Hauptbahnhof.Foto: Florian Kistler

Auch bei Potsdam Busfahrern rumort es: Sie klagen über unbezahlte Überstunden, fehlende Sanitäreinrichtungen und erhebliche Gehaltsunterschiede zu Berlin oder gar westlichen Bundesländern und stellen sich auf einen harten Arbeitskampf ein. Mit Unterstützung der Gewerkschaft Verdi sind sie gemeinsam mit ihren Nahverkehrs-Kollegen aus ganz Nordostbrandenburg seit dem 1. Juli in Tarifverhandlungen, am gestrigen Mittwoch haben sie die Fahrgäste am Hauptbahnhof bei einer Infoaktion auf einen möglichen Streik vorbereitet. Mein Kollege Florian Kistler hat mit ihnen über ihre Forderungen gesprochen.

Was soll ich heute lesen?

Rückkehr der Helden und Musen 
Jetzt müssen Sie womöglich Ihren Gustav Schwab mal wieder entstauben (respektive Google bemühen) - oder wissen Sie auf Anhieb, was es mit den Damen und Herren Odysseus und Penelope, Perseus und Andromeda, Minerva, Erato, Urania, Terpsichore, Eurydike und Polyhymnia auf sich hat? Richtig, es handelt sich um Helden, Heldinnen und Musen der griechischen Sagenwelt. Was die mit Potsdam zu tun haben? Ganz einfach: Sie alle werden, in Sandstein gehauen, demnächst auf dem Dach des Landtagsschlosses aufgestellt und dort voraussichtlich mächtig Eindruck machen. Die illustre Runde, die dem Parlament da aufs Dach steigt, wird die Zahl der Attikafiguren auf einen Schlag verdreifachen. Etwas Zeit bleibt Ihnen jetzt noch, um Ihr Antike-Wissen aufzufrischen und dann zu glänzen, wenn es Ende September oder spätestens Anfang Oktober soweit ist. Ein guter Einstieg ist in jedem Fall der Text von meinem Kollegen Peer Straube

Odysseus und Penelope
Odysseus und PenelopeFoto: Andreas Klaer

Welche Termine sind heute wichtig?

  • Schildkrötentaufe: Riesenschildkröten sind von Natur aus eher langsam unterwegs, können dafür aber steinalt werden und gelten als Symbol für Weisheit. Ein besonders farbenprächtiges Exemplar wird um 10 Uhr vor der Montevini-Wohnstätte auf Hermannswerder getauft und eingeweiht. Die Bewohner haben das Kunstwerk unter Anleitung der Kunsttherapeutin Gudrun Simon in mehreren Workshops seit dem vergangenen Sommer erschaffen. 
Diese Schildkröte erhält heute ihren Namen.
Diese Schildkröte erhält heute ihren Namen.Foto: Montevini/promo
  • Breitband für die Uckermark: Schildkrötenhafte Geduld müssen wiederum die Uckermärker aufbringen, wenn es um schnelles Internet geht - und dessen Fehlen ist in Zeiten von Homeschooling und Homeoffice längst nicht mehr nur ein Problem für dort ansässige Unternehmen. Jetzt ist der Landkreis bei der Umsetzung des 2012 (!) verabschiedeten Konzeptes "Brandenburg-Glasfaser 2020" endlich auch mal an der Reihe. Um 11 Uhr ist Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) beim Spatenstich für den Breitbandausbau im Städtchen Vierraden bei Schwedt/Oder, wo schon vor 300 Jahren der Tabakanbau florierte

Was könnte ich heute unternehmen?

Empfehlungen heute von Steffi Pyanoe.

Gehörbildung
Bei der wöchentlichen Kunstpause im Landtag geht es heute um Fertigkeitsübungen. Marta Masini, Flötistin im Babylon Orchester Berlin, und die spanische Oboistin Maria Martinez Fernández vom Orchester 1770 Rheinsberg spielen Solfeggien von Friedrich II. – Stücke, die auf Tonleitern aufbauen und vornehmlich für Übungszwecke und Gehörbildung geschrieben wurden. Musiziert wird etwa eine halbe Stunde im Innenhof des Landtags, Bänke und Stehplätze sind vorhanden.
18 Uhr im Landtag Brandenburg, Am Alten Markt, der Eintritt ist frei

Plötzliche Übernahme

Das Bild zeigt die Poetenpack-Inszenierung vom "Ritter von der flammenden Mörserkeule".
Das Bild zeigt die Poetenpack-Inszenierung vom "Ritter von der flammenden Mörserkeule".Foto: Sven Braun/dpa

Ganz ohne Übung will Raffaela Theater spielen: Die Tochter des reichen Gewürzhändlers, der ein wichtiger Sponsor der örtlichen Theatergruppe ist, soll im neuen Stück die Hauptrolle übernehmen, schlägt der ambitionierte Vater, der einer Probe beiwohnt, zum Entsetzen der Schauspieler plötzlich vor. Was passiert, wenn sich Mäzene in die dramaturgischen Angelegenheiten einmischen, zeigt das Theater Poetenpack in seinem Sommerstück „Der Ritter der flammenden Mörserkeule“, eine Komödie von Francis Beaumont und John Fletcher von 1613. Typisch für das Theater zu Skakespeares Zeiten kommt es auf der Bühne zu mächtigen und zum Teil urkomischen Verwicklungen und Wandlungen – bis am Ende das Theater siegt.
Um 19.30 Uhr open Air im Heckentheater am Neuen Palais. Karten von 18 bis 34 Euro gibt es hier.

Stärkung und Vorlesung
Vorher können Sie sich im Café Eden im Park Sanssouci stärken, gleich hinterm Eingang Kuhtor am Ende der Lennéstraße. Hier gibt es Gegrilltes, Limo oder italienischen Kaffee, Eis und Kuchen und vor allem eine zauberhafte Naturkulisse – paradiesisch eben. Man sitzt unter schattenspendenden Bäumen an klassischen Gartenlokaltischen, im Liegestuhl oder auf einer Picknickdecke am Wasser. Und auch hier gibt es ein Kulturangebot: Der Schauspieler Michael Gerlinger liest heute ab 19 Uhr Texte von Theodor Fontane - und das kann durchaus ein langer Abend werden.
Café Eden, geöffnet ab 12 Uhr solange es schön ist.

Was kann ich heute Gutes tun?

Computer erklären
Wenn Sie diesen Newsletter lesen, sind Sie fachlich auf jeden Fall schonmal qualifiziert: Die Potsdamer Flüchtlingsinitiative Refugees Emancipation sucht Ehrenamtler, die Computer-Grundkurse geben können. Dabei geht es um die Vermittlung von Basisfertigkeiten wie die Nutzung von Suchmaschinen, die Arbeit mit Word oder darum, wie man Dokumente herunterlädt. Stattfinden sollen die Kurse im alternativen Jugendkulturzentrum Freiland Potsdam. Wenn Sie sich das vorstellen und ein bis zwei Stunden Zeit pro Woche dafür einplanen können, melden Sie sich einfach bei Refugees Emancipation per Telefon oder Mail.

Foto: Andrea Warnecke/ dpa

Wetter

Auch wenn heute die Hundstage beginnen - besonders heiß wird es nicht, es bleibt beim freundlichen Wetter der vergangenen Tage. Bei Höchsttemperaturen von bis zu 24 Grad gibt es Sonne und Wolken. Regen ist nicht zu erwarten. Allergikern kann insbesondere der Beifuß zu schaffen machen.

Person des Tages

Susan Neiman

Prof. Dr. Susan Neiman, Direktorin des Einstein Forums.
Prof. Dr. Susan Neiman, Direktorin des Einstein Forums.Foto: Andreas Klaer

Sie führt das Potsdamer Einstein Forum bereits seit 20 Jahren - die US-amerikanische Philosophin Susan Neiman hat das barocke Haus am Neuen Markt zu einem Ort des internationalen intellektuellen Austauschs gemacht, einem "offenen Labor des Geistes". In Zeiten der Pandemie sind die Vortragsveranstaltungen vor Ort zwar abgesagt, abgerissen ist der Gesprächsfaden aber nicht: Sind auf dem Youtube-Kanal des Einstein Forums zunächst noch Videos von älteren Vorträgen aufgetaucht, gibt es mittlerweile auch eine ansehnliche Sammlung von Videoschalten aus dem Homeoffice (Kennzeichen: Bücherregal im Hintergrund). Neiman hat dafür unter anderem den bulgarischen Politologen Ivan Krastev, den US-amerikanischen Rechtswissenschaftler Stephen Holmes oder den Linguisten und linken Intellektuellen Noam Chomsky gewinnen können. 


Im Gespräch mit der Wochenzeitung Die Zeit gibt die 65-Jährige nun einen Einblick, worüber sie in Pandemiezeiten nachdenkt: die Black-Lifes-Matter-Bewegung, die weltweit zu einer nie dagewesenen Stärke gewachsen ist, was Neiman hoffnungsvoll stimmt. Für sie hängt diese Entwicklung auch mit der weltweiten Krisenerfahrung zusammen. Die Pandemie zeige: "Jetzt ist möglich, was zuvor als unmöglich galt. Sie setzt die Menschen in Bewegung." Das ganze Gespräch lesen Sie hier.


Und damit verabschiede ich mich für heute und wünsche Ihnen einen schönen Donnerstag - egal ob Sie daheim, auf Reisen oder auf Arbeit sind. Bei uns gibt's immer was zu lesen, auch im Sommerloch - und morgen früh wieder von Peer Straube. Bleiben Sie gesund! 

Ihre Jana Haase
PNN-Redakteurin

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