• Potsdams Gärtner haben mit dem Buchsbaumzünsler zu kämpfen

Pflanzenschädling : Hecken schützen

Kahlfraß in Potsdams Gärten: Schlösserstiftung und Privatgärtner verzweifeln am Buchsbaumzünsler. Die Raupe gefährdet den Buchsbaumbestand in Parks, Gartensparten und auf Friedhöfen. Bei der Stiftung stellt man sich auf einen jahrelangen Kampf ein.

Gefräßig. In Potsdams Gartenanlagen wüten die Raupen des Buchsbaumzünslers.
Gefräßig. In Potsdams Gartenanlagen wüten die Raupen des Buchsbaumzünslers.Foto: Bernd Weissbrod/dpa

Potsdams Gärtner fürchten um ihre Buchsbaumbestände. In den Schlösserparks, wo der Buchsbaumzünsler im vergangenen Jahr erstmals entdeckt wurde, ist die Lage dramatisch. Schon 2017 habe der Buchsbaumzünsler für enorme Schäden gesorgt, betroffen waren nahezu alle Gartenanlagen, wie Stiftungssprecher Frank Kallensee am Freitag auf PNN-Anfrage sagte. In diesem Jahr sieht es nicht besser aus. Beim Buchsbaumzünsler handelt es sich um die Raupen eines aus dem asiatischen Raum stammenden Kleinschmetterlings. Der Schädling frisst Blätter, Rinde und Ästchen der Buchsbäume, bis die Pflanzen sterben. Buchsbäume und Buchsbaumhecken gibt es praktisch überall in den Schlösserparks, sie sind ein prägendes Element der gärtnerischen Gestaltung – eigentlich.

Das ist nun in Gefahr. Zum Beispiel im Park Sanssouci: Insbesondere der sogenannte Kantenbuchs, der für die Einrahmung von Beeten verwendet wird, sei „bedroht beziehungsweise in vielen Bereichen schon abgestorben“, so Kallensee. Aber auch an den freiwachsenden und teils bis zu 150 Jahre alten Buchsbäumen im Park sei erstmals ein Befall festgestellt worden. Sollten die historischen Pflanzen verloren gehen, kann es Jahrzehnte dauern, bis Neuanpflanzungen wieder eine vergleichbare Größe erreichen.

Sanssouci, Bornstedt, Babelsberg, Neuer Garten: Die Raupen sind überall

Bekämpft wurde der Schädling in Sanssouci in diesem Jahr auch mit dem Insektizid Dipel ES, so der Sprecher. Dafür müssen die Bereiche für den Besucherverkehr gesperrt werden: So etwa im Sizilianischen Garten, am Orangerieschloss, im Rosengarten bei Schloss Charlottenhof und an den Römischen Bädern. Stark angegriffen sei auch der Bornstedter Friedhof: „Dadurch entsteht auch Druck auf die Bestände in Sanssouci“, so der Sprecher. Die abgestorbenen Bestände im Sanssouci-Parterre und am Florabeet sollen indes versuchsweise wieder mit Buchsbaum ersetzt werden. In den anderen Bereichen sind die Gärtner auf andere Pflanzen wie die Japanische Stechpalme oder die Grüne Polster-Berberitze als Ersatz ausgewichen – nicht immer erfolgreich.

Die Raupen profitierten von Hitze und Trockenheit

Auch der gesamte Neue Garten und der Pfingstberg seien betroffen. „Die lange Trockenheit und Wärme waren ideal für die Entwicklung der Raupen“, sagte Kallensee. Im Neuen Garten sei das Insektizid Neem-Protect angewendet worden, was „eine gewisse Wirkung“ gezeigt habe. Außerdem wurden die Raupen „akribisch abgesammelt“. Dennoch seien die Schäden erheblich – „bis hin zu Totalfraß in besonnten Parkarealen“, wie der Sprecher erklärte. Besonders dramatisch sei die Lage an der Gotischen Bibliothek, in der Gärtnerei und an der Orangerie. Eine Behandlung mit stärkeren Insektiziden wie Dipel ES oder Karate sei dort nicht möglich, weil wegen der weiträumigen Verbreitung der ganze Park zwei Tage geschlossen werden müsste.

Ein ähnliches Bild auch im Park Babelsberg: Dort gebe es neben dem Zünsler starke Probleme mit der Pilzkrankheit Cylindrocladium. Die Kombination stellt die Gärtner vor besondere Herausforderungen, erklärte Kallensee: „Durch rechtzeitigen Rückschnitt, Ausschneiden, Düngen und richtigem Wässern kann der Befall immer wieder erfolgreich bekämpft werden, dies ist jedoch nur bei kleineren Beständen personell machbar.“

Auch Kleingärten und Friedhöfe sind betroffen

Die Buchsbaumbestände im Schlosspark in Caputh seien „inzwischen komplett kahlgefressen“, so der Sprecher weiter. Praktisch auch alle anderen Parks der Schlösserstiftung in Berlin und Brandenburg sind betroffen. Bei der Stiftung stellt man sich auf einen langen Kampf ein: Zwischen zehn und 15 Jahre gibt man dem Schädling.

Auch in Potsdamer Kleingartensparten wütet der Buchsbaumzünsler in diesem Jahr: „Wir haben schon mehrere Kleingärten, wo die alles niedergefressen haben“, berichtet etwa Jörg Horn vom Kleingartenverein An der Amundsenstraße. Ende Juli, Anfang August seien die Raupen erstmals entdeckt worden: „Dann ging es wie ein Lauffeuer rum.“ Ähnlich war es auch in der Kleingartenanlage zum Dreieck e.V. Schlänitzsee, wie Frank Drewnick berichtet: Mittlerweile seien die Buchsbäume „alle weg“. Das sei ärgerlich, weil man die Pflanzen oft jahrelang gepflegt und gezüchtet habe.

Wegen des warmen Sommers gibt es drei Generationen der Raupen

Auch Potsdams Alter Friedhof an der Heinrich-Mann-Allee ist betroffen, wie eine Mitarbeiterin des dort ansässigen Gartenbaubetriebs Spillner den PNN sagte. Der Familienbetrieb bietet unter anderem auch Grabpflege an. Gegen den Zünsler und die Pilzerkrankungen könne man nur bedingt vorgehen, so die Gärtnerin. Selbst peinliche Hygiene beim Schnitt führe nicht immer zum Erfolg. Die Kombination von Pilz und Zünsler sei besonders verheerend. „Da hilft nur die Pflanze entsorgen und den Boden tiefgründig auswechseln.“

Auch Brandenburgs Pflanzenschutzdienst am Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung (LELF) bestätigt, dass es in diesem Jahr witterungsbedingt besondere Probleme mit dem Buchsbaumzünsler gibt. Wegen der anhaltenden Hitze habe er erstmals drei Faltergenerationen in einer Saison ausprägen können. Aktuell könne man noch mit einem Rückschnitt der Triebspitzen die Wintergespinste, in die sich die Larven während der kalten Monate zurückziehen, entfernen. Stark befallene Pflanzen können „gefahrlos gehäckselt und kompostiert werden“, so das Landesamt. Um Buchsbaumbestände zu erhalten, sei die Behandlung mit einem zugelassenen Insektizid ab Ende April bis Anfang Mai „unumgänglich“. Ansonsten müssten die Pflanzen durch ähnliche Arten ersetzt werden.

Auch auf städtischen Grünflächen ist der Buchsbaumzünsler ein Thema - genau wie auch die Rosenblattwespen, Eichenprozessionsspinner, Miniermotte und Walnussfruchtfliege, wie Stadtsprecherin Christine Homann auf PNN-Anfrage mitteilte. Statistische Daten zu den Schäden gebe es nicht, sie seien aber "in der Regel deutlich unter dem Niveau der Vorjahre". 


Hintergrund: Der Buchsbaumzünsler

Beim Buchsbaumzünsler handelt es sich um einen Kleinschmetterling, der aus dem ostasiatischen Raum eingewandert ist. Es wird vermutet, dass er mit Pflanzensendungen nach Europa gekommen ist. Die Raupen des Buchsbaumzünslers fressen Blätter, Rinde und Ästchen der Buchsbäume, bis die Pflanzen sterben. In Brandenburg wird der Schädling laut dem Landesamt für Ländliche Entwicklung seit etwa acht Jahren beobachtet – dabei breitete er sich vom Süden in Richtung Norden aus. In den Potsdamer Schlösserparks wurde er 2017 erstmals festgestellt.

Befallene Pflanzen erkennt man an den angefressenen und vertrockneten Blättern sowie den spinnennetzartigen Nestern mit schwarzen Eiern. Die gefräßigen Raupen können bis zu fünf Zentimeter lang werden, sie sind grün-schwarz-weiß gestreift.

Der nächste Schädling. Buchsbaumzünsler fressen Buchsbäume kahl.
Der nächste Schädling. Buchsbaumzünsler fressen Buchsbäume kahl.Foto: Andreas Klaer

Potsdams Schlössergärtner gehen unter anderem mit den Insektiziden Neem-Protect, Dipel ES und Karate gegen die Schädlinge vor. Zudem werden Nester und betroffene Stellen mit der Schere entfernt, um die Ausbreitung einzudämmen. Anders als beim Eichenprozessionsspinner ruft die Raupe des Buchsbaumzünslers beim Menschen keine allergische Reaktion hervor – Parkbereiche müssen aber bei Gifteinsatz für den Besucherverkehr gesperrt werden.


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