• Öl-Attacke im Schloss Cecilienhof: Über Strafanzeige nur nachgedacht

Öl-Attacke im Schloss Cecilienhof : Über Strafanzeige nur nachgedacht

Der Umgang mit dem Öl-Angriff im Potsdamer Cecilienhof setzt die Schlösserstiftung unter Druck. Der Fall werfe Fragen auf, hieß es aus dem Landeskulturministerium.

Diese Skulptur wurde im September beschmiert.
Diese Skulptur wurde im September beschmiert.Foto: SPSG

Potsdam -  Wegen dem Umgang mit der mutmaßlichen Ölattacke auf eine Skulptur im Schloss Cecilienhof gerät die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) in Erklärungsnot. Denn die Stiftung unter Generaldirektor Christoph Martin Vogtherr hat den Vorfall vom 18. September nicht von sich aus bei der Polizei angezeigt – selbst nach einem ähnlich gestrickten, aber großflächigerem Ölanschlag auf Kunstwerke der Berliner Museumsinsel habe man zwar über eine Anzeige nachgedacht, sagte ein Stiftungssprecher am Freitag. 

Letztlich aber verzichtete man – da man die Flüssigkeit von der Plastik ohne Rückstände habe abwischen können, erklärte der Sprecher: „Da kein Schaden entstanden war, wurde zunächst auf eine Anzeige verzichtet.“ So wurde auch die Polizei von der am Donnerstagabend von „Zeit“ und „Deutschlandfunk“ verbreiteten Meldung über den Vorfall im Cecilienhof überrascht

Im Schloss Cecilienhof wurde eine Statue beschädigt.
Im Schloss Cecilienhof wurde eine Statue beschädigt.Foto: Ottmar Winter

„Die Polizeidirektion West hat im Ergebnis der Medienberichterstattung in den Morgenstunden des Freitags Kontakt zur Stiftung aufgenommen“, erklärte eine Polizeisprecherin. Nachdem die Stiftung alle notwendigen Informationen zum Sachverhalt übermittelt habe, sei nun eine Strafanzeige gefertigt – für die Ermittlungen mehr als zwei Monate nach dem eigentlichen Vorfall.  

Irritationen bei den Stiftungseignern

Bei den Eignern der Stiftung – den Ländern Berlin und Brandenburg sowie dem Bund – sorgt der Umgang für einige Irritationen. Ein Sprecher des zuständigen Landeskulturministeriums unter Manja Schüle (SPD) sagte auf PNN-Anfrage: „Der Fall wirft einige Fragen auf. Wir gehen davon aus, dass es bei der nächsten regulären Stiftungsratssitzung am kommenden Donnerstag erste Antworten gibt.“ 

Dabei hatte die Stiftung durchaus die Idee, dass es sich bei dem Vorfall im Cecilienhof um den Teil einer Serie handeln könnte. Nach Bekanntwerden des Anschlags auf der Museumsinsel in Berlin habe man die Kollegen des Rathgen-Forschungslabors der Staatlichen Museen zu Berlin kontaktiert, „da ein Zusammenhang mit diesen Vorfällen möglich erschien“, so die Stiftung. 

Mittlerweile wurde Anzeige erstattet

Das Labor fand heraus: Die in Potsdam eingesetzte Flüssigkeit sei wie in der Nachbarstadt pflanzliches Öl gewesen – die Attacke in Berlin war erst mit zwei Wochen Verzögerung durch Medienberichte bekannt geworden. Auch der Fall in Potsdam wurde erst durch die Medienberichte bekannt. Nun habe man aber Anzeige gestellt, sagte der Stiftungssprecher.  

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Was die Polizei nun noch ermitteln kann, bleibt abzuwarten. Im betroffenen Bereich des Cecilienhofs gibt es laut Stiftung keine Videoüberwachung. Die Sicherung dort erfolge „mittels personell-organisatorischer sowie technischer Sicherungsmaßnahmen“, sagte der Sprecher. Betroffen war die Plastik „Amazone“ des deutschen Bildhauers Louis Tuaillon (1862–1919). Das etwa 77 Zentimeter hohe Kunstwerk ist eine verkleinerte Version nach der lebensgroßen Ausführung, die als Standbild im Kolonnadenhof der Berliner Nationalgalerie steht – also auf der Museumsinsel.  

Am 3. Oktober hatten dort Unbekannte in mehreren Museen mehr als 60 Objekte mit Öl beschädigt. Ferner war Ende Oktober eine große Granitschale im Lustgarten vor dem Alten Museum beschmiert worden. Im Kreismuseum Wewelsburg – einer früheren NS-Kultstätte – gab es bereits im Sommer einen ähnlich gelagerten Vandalismus-Fall. Vor allem der Fall in Berlin hatte für Entsetzen gesorgt, weil ein politischer Hintergrund nicht ausgeschlossen ist. 

Spuren der Sachbeschädigungen an einem Sarkophag des Propheten Ahmose im Neuen Museum zu sehen. 
Spuren der Sachbeschädigungen an einem Sarkophag des Propheten Ahmose im Neuen Museum zu sehen. Foto: dpa

In Berlin sind die meisten Spuren beseitigt

So hatten rechtsgerichtete Verschwörungsideologen zu einem Angriff auf das Pergamonmuseum aufgerufen. Das sei ein Ort von Menschenopfern, fantasierte zum Beispiel der vegane Koch Attila Hildmann. Öl wird in einigen Kulten eine heilende oder reinigende Wirkung zugeschrieben. „In allen drei nun bekannten Fällen wurden Kunstwerke an – aus rechter oder aber rechtsesoterischer Perspektive – politisch relevanten Orten angegriffen“, hieß es im Bericht von „Zeit“ und „Deutschlandfunk“. 

In Berlin sind mittlerweile auf den meisten der gut 60 Kunstwerke die Spuren der öligen Flüssigkeit restlos beseitigt worden, wie ein Sprecher der Staatlichen Museen in Berlin sagte. Es gibt aber noch Probleme im Neuen Museum – hier werde noch getestet, wie das Öl restlos entfernt werden kann. Unter den Objekten waren etwa die mehr als 3300 Jahre alte Sarkophagwanne des Nehi, auf der deutlich Ölspritzer zu erkennen waren. (mit dpa)

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