• Kinderbetreuung in Potsdam: Krippenkinder besser betreut

Kinderbetreuung in Potsdam : Krippenkinder besser betreut

Die Stadt hat immer noch Schwierigkeiten, den Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz zu erfüllt. Dabei hat die Zahl der Kinder bis zum Alter von drei Jahren zuletzt sogar abgenommen. 

Platz für Kinder. Im September wurde die Integrationskita auf Hermannswerder eröffnet. In der Kita der evangelischen Hoffbauerstiftung ist Platz für bis zu 126 Kinder. 
Platz für Kinder. Im September wurde die Integrationskita auf Hermannswerder eröffnet. In der Kita der evangelischen...Foto: Ottmar Winter PNN

Potsdam - In Potsdam sind fast alle Kinder mit einem Rechtsanspruch auf Betreuung auch versorgt. Das betrifft das Krippenalter zwischen dem ersten und dem dritten Geburtstag. Wie die Stadtverwaltung auf PNN-Anfrage mitteilte, seien dem Betreuungsplatzservice Kita-Tipp mit Stand 11. Oktober 2021 vier Suchanfragen für Kinder im Krippenalter, zwei Suchanfragen für Kinder im Kindergartenalter und eine Anfrage für einen Hortplatz bekannt. Allen suchenden Eltern seien freie Betreuungsplätze unter Berücksichtigung ihres Wunsch- und Wahlrechtes angeboten worden. Die entsprechenden Rückantworten stünden aber noch aus.

Damit hat sich die Lage leicht entspannt. Im August, nach Beginn des Kitajahres, wurden wie berichtet noch für zwölf Kinder Betreuungsplätze ab dem 1. September gesucht, davon acht in einer Krippe.

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In der Zwischenzeit sind in der Stadt auch weitere Betreuungsplätze geschaffen worden. So wurde im September die Integrationskita auf Hermannswerder eröffnet. Dort gibt es Platz für insgesamt 126 Kinder ab dem ersten Geburtstag. 14 Plätze sind für „Kinder mit besonderen Bedarfen“ reserviert, also zum Beispiel für Kinder mit einer Behinderung. Rund zweieinhalb Jahre wurde gebaut, die Kosten lagen bei 5,6 Millionen Euro. 

So viele Kitaplätze wie noch nie

Zu Beginn des Kitajahres standen 4304 Krippenplätze und 7325 Plätze in den Kindergärten zur Verfügung. In den Horten waren es 8872 – insgesamt konnten also 20.501 Kinder betreut werden. Das sind 4000 Plätze mehr als noch vor fünf Jahren und ein neuer Rekord. Verglichen mit anderen Städten steht Potsdam gut da. Laut dem jüngsten statistischen Jahresbericht der Stadt lag die Betreuungsquote bei den unter dreijährigen Kindern bei rund 50 Prozent. Im bundesweiten Durchschnitt sind es nur rund 34 Prozent. Bei Kindern zwischen drei und sechs Jahren besuchten in Potsdam 98,7 Prozent einen Kindergarten. Bundesweit liegt die Quote bei 92 Prozent.

Schon für das laufende Kitajahr waren nach Rathausangaben neue Plätze geschaffen worden. So seien in den Kitas „Sausewind“ im Zentrum-Ost, „Regenbogenland“ am Stern und „Löwenzahn“ in der Waldstadt insgesamt 165 neue Plätze entstanden – nach dem Sanieren von bestehenden Gebäuden oder ihrer Erweiterung.

Und es soll weiter aufgerüstet werden. Wie berichtet soll bis zum Schuljahr 2022/2023 ein Schulgebäude in der Gutenbergstraße für die Eisenhartschule saniert werden. 175 Schüler sollen dort lernen und im Ganztagsbetrieb bis zu 123 Hortkinder betreut werden. Fünf Millionen Euro seien dafür eingeplant, hieß es.

Weniger Krippenkinder wegen Geburtenknick

Bei der Versorgung insbesondere mit Krippenplätzen spielt der Stadt in die Hände, dass die Anzahl der Kinder in dieser Altersgruppe zuletzt geschrumpft ist. Der Höchststand war im Jahr 2018 mit 5982 erreicht. Ende 2020 waren es nur noch 5644, also 338 Kinder weniger. Das weiß man auch im zuständigen Bereich der Familiendezernentin Noosha Aubel (parteilos). 

Die Kitabedarfsplanung als Teil der aktuellen Integrierten Kita- und Schulentwicklungsplanung beruhe auf einer kleinräumigen Bevölkerungsprognose für die Stadt Potsdam bis zum Jahr 2040, heißt es zur Erklärung. „Folgend wurde prognostiziert, dass die Altersgruppe der Krippenkinder vorübergehend abnimmt“, so Stadtsprecherin Christine Homann. „Diese Entwicklung fand bei der aktuellen Kitabedarfsplanung Berücksichtigung.“

Die Ursache für die geringere Anzahl von Kindern im Krippenalter ist der Geburtenknick Anfang der 1990er Jahre. „Er hat zur Folge, dass durch eine ’dünn besetzte’ Elterngeneration – trotz leicht steigender Geburtenrate – die Anzahl der Neugeborenen sinkt“, so Homann. „Ab 2022 und bis zum Ende des Prognosezeitraums 2040 wird erwartet, dass die Zahl der Krippenkinder wieder steigt.“ Im Vergleich zum Jahr 2019 soll die Anzahl bis dahin um 10,4 Prozent wachsen. Damit man nicht zu viel oder zu wenig Kapazitäten schafft, würden die Prognosen regelmäßig überprüft und an die tatsächliche Entwicklung angepasst.

An Nachfrage nach Kitaplätzen dürfte es also auch in den nächsten Jahren nicht mangeln. Einen passenden Platz zu finden, ist aber nach wie vor recht umständlich. Wie berichtet fehlt der seit vielen Jahren angekündigte und immer wieder verschobene digitale Kita-Navigator. Der soll freie Kitaplätze transparent machen und Mehrfachanmeldungen und lange Wartelisten vermeiden. Im Frühjahr 2020 hatte das Rathaus bekannt gegeben, dass sich der damals für Ende 2021 vorgesehene Start für dieses Online-Hilfsprogramm noch einmal verzögern werde. Zum Ende des Jahres soll nach Rathausangaben der Auftrag dafür ausgeschrieben werden.

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