Potsdam : Haarkünstler am Vulkan

Das afghanische Topmodel Zohre Esmaeli arbeitet mit Star-Friseur André Märtens im Filmpark Babelsberg

Extravagant. Noch ist Zohre Esmaelis (r.) Frisur nicht fertig. Das Topmodel, das 1985 in Afghanistan geboren wurde, war am Montag für ein Fotoshooting mit Star-Friseur André Märtens im Filmpark Babelsberg – es war nicht ihr erster Besuch dort. Fotos (3): Manfred ThomasAlle Bilder anzeigen
07.05.2012 22:15Extravagant. Noch ist Zohre Esmaelis (r.) Frisur nicht fertig. Das Topmodel, das 1985 in Afghanistan geboren wurde, war am Montag...

Babelsberg - Sie gilt als das einzige Topmodel aus Afghanistan – am gestrigen Montag stand sie im Filmpark Babelsberg vor der Kamera: Zohre Esmaeli hat mit ihrer Geschichte vom Mädchen in der Burka zum gefeierten Gesicht auf den Laufstegen in Paris oder New York schon Schlagzeilen gemacht. „Es war ein langer, schwerer Weg“, sagt sie. Seit zwölf Jahren lebt sie mittlerweile in Deutschland. Seit der monatelangen und gefährlichen Flucht mit ihrer Familie aus dem krisengeschüttelten Afghanistan hat sie ihre Heimat nicht mehr gesehen, wie sie erzählt: „Aber ich habe Verwandte dort.“

In den Babelsberger Filmpark ist die Düsseldorferin wegen eines Auftrags mit dem Berliner Star-Friseur André Märtens gekommen: Märtens, der unter anderem für Modeschauen von Vivienne Westwood, Jean-Paul Gaultier oder Kaviar Gauche arbeitete und seit fünf Jahren Chef-Friseur – „Head of Hair“ – bei der Mercedes Benz Fashion Week Berlin ist, nutzt die malerischen Kulissen im Filmpark für ein Buchprojekt. Noch bis zum heutigen Dienstag stehen insgesamt sieben Topmodels – neben Esmaeli unter anderem auch Felix Schopgens oder Rahel Chiwitt – vor der Kamera. In Szene gesetzt werden die Laufsteg-Schönheiten etwa im Schlosssaal in der Traumwerkerhalle, im U-Boot, in der Panama-Landschaft nach dem gleichnamigen Janosch-Buch oder an den rauhen Wänden des Vulkans.

Etwa 50 exklusive Laufsteg-Frisuren will Märtens für das geplante Buch versammeln, fotografiert von dem Berliner Fotografen Eugen Mai. Neben den Hochglanzbildern soll es auch Fotos vom „Making of“ geben, auf denen die Entstehung eines Looks Schritt für Schritt nachvollziehbar wird – die Bilder davon schoss die Berliner Fotokünstlerin Susanne Jakubzik gestern im Foyer der Metropolishalle. „Wir wollen einen Blick hinter die Kulissen der Mercedes Benz Fashion Week geben“, erklärte André Märtens den PNN. Gedacht sei das Buch jedoch vorwiegend für Profis – Friseure, Visagisten oder Designer.

Dass sich die extravaganten Frisuren zum Selbernachstylen zu Hause kaum eignen, verstand sich beim Blick auf die Haarkunstwerke von selbst: Der Kopf von Rahel Chiwitt etwa bekam unter den Händen von André Märtens eine elegante, eng anliegende Lockenpracht aus gekordeltem Haar. „Eine Neuinterpretation der Marlene-Dietrich-Frisur, ein bisschen moderner“, erklärte Märtens, der als Mitglied der „Haute Coiffure Francaise“ zum Kreis der besten Friseure der Welt zählt. Den Filmpark habe er bereits für zwei Vorgängerprojekte als Kulisse für sich entdeckt.

Auch für Zohre Esmaeli war das Fotoshooting ein Wiederkommen – allerdings sind seit ihrem letzten Besuch im Filmpark schon sechs Jahre vergangen, wie sie erzählte. Damals, 2004, besuchte Zohre Esmaeli mit ihren Mitbewerberinnen im internationalen Schönheitswettbewerb „Queen of the World“ Babelsberg, erinnerte sie sich.

Ihre Model-Karriere begann die 1985 geborene Afghanin erst nach der Flucht in Deutschland: „In Afghanistan gab es so etwas gar nicht“, berichtet sie. Entdeckt wurde sie in Kassel in einer Filiale von H&M. Bis heute engagiert sie sich neben ihren Laufsteg-Aufträgen mit sozialen Projekten für ihr Heimatland.

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