• DDR-Kunst im Museum Barberini: DDR-Staatskunst aus dem Palast

DDR-Kunst im Museum Barberini : DDR-Staatskunst aus dem Palast

Das Museum Barberini zeigt im Herbst erstmals nach mehr als 20 Jahren die Galerie des Palasts der Republik. Das Potsdamer Museum unterstützt gemeinsam mit dem Deutschen Historischen Museum die Restaurierung der 16 Werke.

Auftragskunst in „Erichs Lampenladen“. Ein Blick in die Galerie im mit Hunderten Lampen erleuchteten Foyer des Palasts der Republik. Die insgesamt 16 Auftragswerke von namhaften DDR-Künstlern werden in diesem Herbst das erste Mal seit mehr als 20 Jahren wieder gezeigt – im Museum Barberini.
Auftragskunst in „Erichs Lampenladen“. Ein Blick in die Galerie im mit Hunderten Lampen erleuchteten Foyer des Palasts der...Foto: Gert Koshofer/bpk

Potsdam - Wolfgang Mattheuer, Willi Sitte, Werner Tübke, Walter Womacka oder Bernhard Heisig: Das Museum Barberini zeigt ab Herbst DDR-Staatskunst aus der ehemaligen Galerie des Palasts der Republik in Berlin. Die großformatigen Auftragswerke aus dem ab 2006 abgerissenen Gebäude im Herzen Berlins waren zuletzt vor mehr als 20 Jahren, 1995, im Rahmen einer Ausstellung im Deutschen Historischen Museum (DHM) in Berlin zu sehen. Das Museum Barberini zeigt die insgesamt 16 Gemälde von namhaften DDR-Künstlern nun vom 28. Oktober bis zum 4. Februar 2018 begleitend zur Ausstellung „Hinter der Maske. Künstler in der DDR“, wie das Museum am Freitag bekannt gab.

Das von dem Software-Milliardär und Wahlpotsdamer Hasso Plattner gestiftete Museum beteiligt sich demnach auch – gemeinsam mit dem Deutschen Historischen Museum Berlin, in dessen Depots die Gemälde lagern – an der Restaurierung der Werke. Die Bilder sind Leihgaben der Bundesrepublik Deutschland, sagte eine Museumssprecherin.

Die Künstler sollten zum Lenin-Zitat "Dürfen Kommunisten träumen?" arbeiten

Die sogenannte Palast-Galerie war im Zuge der Errichtung des Palastes der Republik ab 1974 entstanden. Die Künstler sollten zu dem Lenin-Zitat „Dürfen Kommunisten träumen?“ arbeiten. Einzige konkrete Vorgabe war aus architektonischen Gründen die Höhe der Bilder: Sie musste 280 Zentimeter betragen, die Breite durfte bis zu sechs Meter erreichen. Die Art der Auftragserteilung sei zum damaligen Zeitpunkt ohne Vorbild in der Geschichte der DDR gewesen, schreiben Bärbel Mann und Jörn Schütrumpf im Katalog zur Ausstellung mit den Gemälden im DHM.

Die Initiative für die Potsdamer Ausstellung und das gemeinschaftliche Restaurierungsprojekt sei vom Barberini ausgegangen, sagte eine Museumssprecherin den PNN. Das Museum wolle mit dieser dokumentarischen Präsentation „ein Zeitzeugnis aus dem Zenit der Staatskunst der DDR“ zeigen, „die das offizielle Verständnis von Kunst nach der 1971 ausgerufenen Leitlinie der ,Weite und Offenheit’ widerspiegelt“. Vor dem Hintergrund dieser staatlichen Repräsentationskunst soll umso deutlicher werden, „wie reich das Kunstleben in der DDR war, das sich jenseits davon entfaltete“. Dem widmet sich das Barberini zeitgleich in der eigenen Ausstellung „Hinter der Maske. Künstler in der DDR“.

Museum will Kontrast zwischen Kunstleben und DDR-Staatskunst aufzeigen

Die Künstler der Palast-Galerie – Frauen sind nicht vertreten – malten in ihrem jeweiligen eigenen Stil, blieben jedoch durchweg im Figürlichen und in der Tradition der realistischen Malerei in der DDR. Wolfgang Mattheuer etwa zeigt in seinem Beitrag, „Guten Tag“, eine junge Familie mit Kind, die auf einen Hügel steigt und den Betrachter grüßt, im Hintergrund am Fuße des Hügels erstreckt sich eine Industriestadt, im pastellfarbenen Himmel irritiert der abknickende Kondensstreifen eines Fliegers. Lothar Zitzmann zeigt in seinem von kräftigen Rottönen dominierten „Weltjugendlied“, wie zum Tanz ineinander verschlungene Figuren verschiedener Hautfarben. Hans Vents „Menschen am Strand“ wiederum kombiniert verschiedene Strandszenen, zu sehen sind kleine Gruppen ebenso wie eine sorgenvoll in Gedanken versunkene einzelne Gestalt.

Dass der Palast der Republik im Foyer eine solche Galerie bekommt, war seinerzeit nicht unumstritten, wie bei Bärbel Mann und Jörn Schütrumpf nachzulesen ist. Der Leiter des künstlerischen Planungsstabs, Fritz Cremer, habe den Chefarchitekten Heinz Graffunder mit seiner Idee zunächst nicht überzeugen können. Graffunder schwebte stattdessen eine Gestaltung in Marmor und Blattgold vor. Das lehnten die Bildhauer und Maler ab. Auch die Idee einer Gestaltung durch Künstlerkollektive wurde wieder verworfen. Als Kompromiss schlug Cremer schließlich das Lenin-Zitat „Dürfen Kommunisten träumen?“ vor. Nach einem „Arbeitsgespräch“ mit 19 Künstlern wurden 16 für die Galerie berufen. Die Künstler wurden unter anderem verpflichtet, ihre Arbeiten in verschiedenen Stadien vom Beirat für künstlerische Gestaltung abnehmen zu lassen.

Die Palast-Galerie wurde mit dem Palast 1990 geschlossen

Im April 1976 wurde die Galerie, die sich im Foyer über zwei Etagen erstreckte, eingeweiht. Bereits wenige Wochen nach der Eröffnung hatten mehrere Hunderttausend Besucher den Palast der Republik und die Galerie gesehen, die Gemälde wurden vielfach in der DDR in Publikationen abgebildet, einige Gemälde wurden als Briefmarkenmotive verbreitet, wie das Barberini mitteilte. Zu sehen waren die Gemälde bis 1990 und danach noch einmal in der Ausstellung im Deutschen Historischen Museum. Seitdem seien lediglich einzelne Werke zwischenzeitlich für kurze Ausstellungen verliehen worden.

Momentan werden die 16 Werke in einem gemeinschaftlichen Engagement des Deutschen Historischen Museums, des Bundesverwaltungsamts und des Barberini restauriert. Dabei würden die mehr als 200 Quadratmeter Bildfläche gereinigt, Rahmen ergänzt und Aufhängevorrichtungen neu installiert, hieß es.

Das von Hasso Plattner gestiftete Januar 2017 eröffnet worden. Es konnte sich von Anfang an als Besuchermagnet etablieren. Die Auftaktausstellung mit Werken der Impressionisten sahen mehr als 320 000 Besucher. Derzeit wird eine Ausstellung mit Werken der amerikanischen Moderne gezeigt.