• Potsdamer Schüler finden Steinzeit-Beil

Archäologischer Fund am Schlänitzsee : Beil im Beet

Potsdamer Schüler haben bei einem Gartenprojekt ein steinzeitliches Beil gefunden. Jetzt wurde es dem Landesdenkmalamt übergeben - und kommt vielleicht sogar ins Museum.

Handlich. Dieses Steinbeil haben Potsdamer Schüler bei einem Gartenprojekt gefunden.
Handlich. Dieses Steinbeil haben Potsdamer Schüler bei einem Gartenprojekt gefunden.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Henry und Franz hatten gleich so eine Ahnung. Es war ein Septembermontag, die beiden 12 und 14 Jahre alten Montessori-Schüler buddelten auf einem damals noch von der Schule genutzten Grundstück am Schlänitzsee für ein neues Beet. „Da waren verschiedene Schichten im Boden“, beschreibt Franz, was sie dort gesehen haben. Braun wechselte sich deutlich mit grau ab, heller mit dunkler. Die zwei geschichtsbegeisterten Jungen vermuteten: Hier muss etwas im Boden sein, Spuren von früheren Bewohnern vielleicht. Also gruben sie vorsichtig weiter, Schicht für Schicht. Aber ohne Erfolg. „Irgendwann hatten wir keine Lust mehr weiterzusuchen“, erzählt Henry. Franz nahm wieder die Spitzhacke in die Hand. Und förderte kurz darauf einen schwarzen Stein zutage. „An der Form haben wir gleich gesehen, dass das kein gewöhnlicher Stein war“, erzählt Henry.

Steinzeitliches Werkzeug. Archäologe Christof Krauskopf erklärt den Findern Franz (M.) und Henry (r.) die Handhabung.
Steinzeitliches Werkzeug. Archäologe Christof Krauskopf erklärt den Findern Franz (M.) und Henry (r.) die Handhabung.Foto: Andreas Klaer

Und richtig: Nach einem Anruf bei Stadtarchäologe Jan Trenner und der Begutachtung vor Ort einige Wochen später war klar: Die beiden Schüler hatten ein Steinbeil aus der Jungsteinzeit gefunden, rund 5000 Jahre alt (PNN berichteten). Am gestrigen Dienstag überreichten sie das uralte Werkzeug nun an Christof Krauskopf vom Landesdenkmalamt. Die beiden stolzen Finder wurden dabei von Journalisten vom Fernsehen, von Radio und Zeitung umlagert. „Das ist schon etwas Besonderes“, sagte Franz. Für die Schule gab es im Gegenzug 100 Euro für den Förderverein sowie ein Bücherpaket.

Wertvolle Funde von Privatpersonen oder auch von Schulen sind selten

Der Fund vom Schlänitzsee stammt aus den Jahren 3000 bis 2000 vor Christus, erklärte Christof Krauskopf vor den Findern und ihren Mitschülern. Er hatte auch ein komplettes Beil mit Holzschaft dabei, um zu demonstrieren, wie der Stein damals als Werkzeug genutzt werden konnte. Das Steinbeil stamme aus der Jungsteinzeit, als die Menschen gerade sesshaft geworden waren, Siedlungen anlegten, Getreide anbauten, Vieh hielten und Keramik fertigten.
Krauskopf bedankte sich insbesondere für den vorbildlichen Umgang mit dem Fund: „Es ist toll, dass die Schule das gemeldet hat – das machen nicht alle.“ Laut Landesdenkmalschutzgesetz müssen archäologische Funde auf Privatgrundstücken gemeldet werden – sie sind Landeseigentum (siehe unten). Auch Stadtarchäologe Trenner zeigte sich begeistert von den Schülern, die gemeinsam mit ihrer Lehrerin Cäcilie Klappenbach den Fund genauestens dokumentiert hatten, unter anderem mit Fotos und GPS-Daten zur Fundstelle. Die obligatorische Fundmeldung habe er gemeinsam mit den Schülern vor Ort ausgefüllt.

Archäologe Christof Krauskopf vom Landesdenkmalamt berichtete vom Leben in der Jungsteinzeit.
Archäologe Christof Krauskopf vom Landesdenkmalamt berichtete vom Leben in der Jungsteinzeit.Foto: Andreas Klaer

Wertvolle Funde von Privatleuten oder wie in diesem Fall einer Schule seien selten, sagte Joachim Wacker, der beim Landesdenkmalamt für Potsdam zuständige Mitarbeiter, den PNN. Der Fund vom Schlänitzsee sei „einer der spektakulärsten“. Insgesamt 194 Bodendenkmale sind für Potsdam auf der Landesdenkmalliste eingetragen – von der Ur- und Frühgeschichte über Stein- und Bronzezeit, die römische Kaiserzeit, das slawische und deutsche Mittelalter bis hin zur Neuzeit. Auch das Areal am Schlänitzsee, auf dem früher Ferienbungalows der DDR-Staatssicherheit standen, gehört dazu. Dort waren einige Jahre vorher bereits Scherben gefunden worden, wie Lehrerin Cäcilie Klappenbach berichtete. Nicht jeder Einzelfund ist auch ein Bodendenkmal – den Denkmalstatus verleiht das Landesamt, wenn es zum Beispiel eine Konzentration von mehreren Funden gibt. Für Eigentümer von Grundstücken mit Bodendenkmalen gelten bestimmte Vorschriften, zum Beispiel wenn es um Bauprojekte geht. Gartengrundstücke könnten aber ganz normal weiter genutzt werden, betont Wacker.

Für die "Schatzsuche" mit Metallsonden ist eine Ausbildung vorgeschrieben

Auch für die Suche nach Funden auf öffentlichen Grundstücken, etwa im Wald, gilt das Gesetz, sagte Wacker den PNN: So darf man beispielsweise nur dann mit Sonden auf „Schatzsuche“ gehen, wenn man zuvor beim Landesdenkmalamt eine Ausbildung zum ehrenamtlichen Denkmalpfleger absolviert hat. „Der Kurs ist sehr gefragt.“

Das Steinbeil vom Schlänitzsee wird nun zunächst inventarisiert, erklärte Wacker. Dann kommt es ins Magazin in Wünsdorf. „Vielleicht landet es irgendwann in der Ausstellung im Paulikloster in Brandenburg“, stellte Christof Krauskopf in Aussicht.

Auch für Henry und Franz könnte das Grabungsabenteuer eine Fortsetzung haben – wenn es eines Tages um die Berufswahl geht. Archäologie? „Eine Option ist es auf jeden Fall!“, sagte Franz.


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Funde im Garten

Wer Steine, Knochen, Scherben oder Edelmetall im Boden in seinem Garten findet, muss dies der Unteren Denkmalschutzbehörde melden – zunächst um zu klären, ob es sich überhaupt um ein archäologisches Fundstück handelt. Bei Steinen etwa sollte erkennbar sein, dass sie bearbeitet wurden – zum Beispiel in eine spitze Form gebracht, erklärt Stadtarchäologe Jan Trenner. Für eine erste Einschätzung sind Fotos hilfreich, gegebenenfalls wird der Fund begutachtet. Kontakt zu den Stadtarchäologen kann man telefonisch unter (0331) 289 30 -68/-79/-82 aufnehmen. Für Fundstücke gilt laut Landesdenkmalschutzgesetz: Solange kein Eigentümer ermittelt werden kann – es sich also nicht etwa um von der Uroma vergrabenen Schmuck handelt – gehört der Fund dem Land. Für den Finder ist im Gesetz eine „angemessene Belohnung in Geld“ vorgesehen – im Fall der Montessorischüler gab es 100 Euro für den Förderverein sowie ein Bücherpaket.

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