Blindgänger-Bilanz 2018 : Potsdam bleibt Schwerpunkt bei Kampfmittelberäumung

Fast 300 Tonnen Munition aus dem Zweiten Weltkrieg wurden 2018 in Brandenburg gefunden. Allein in Potsdam wurden fünf Fliegerbomben gefunden, zwei Mal musste der Blindgänger gesprengt werden. In Oranienburg hatten die Menschen in diesem Jahr dagegen Glück.

Sprengmeister Mike Schwitzke mit der entschärften 250-Kilogramm-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg im Nuthepark in der Nähe des Bahnhofs.
Sprengmeister Mike Schwitzke mit der entschärften 250-Kilogramm-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg im Nuthepark in der Nähe...Foto: Julian Stähle/dpa

Potsdam - Brandenburg gilt unter den Experten noch immer als das Bundesland mit dem höchsten Anteil an munitionsbelasteten Gebieten in Deutschland. Allein auf 350.000 Hektar zivil genutzter Fläche besteht Kampfmittelverdacht. Lokale Schwerpunkte bilden nach wie vor Oranienburg, Potsdam, die Oder-Neiße-Linie oder der Bereich südlich Berlins.

Im Jahr 2018 wurden in Brandenburg 296 Tonnen Kampfmittel gefunden, darunter zahlreiche Weltkriegsbomben, teilte das brandenburgische Innenministerium am Mittwoch mit. Allein in Potsdam kam der Kampfmittelbeseitigungsdienstes des Landes (KMBD) bei insgesamt fünf Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg zum Einsatz: Vier Fliegerbomben im Stadtzentrum und eine Bombe in der Döberitzer Heide wurden gefunden. Zwei Blindgänger wurden vom KMBD gesprengt. Tausende Potsdamer mussten ihre Wohnungen verlassen.

Mehr Glück hatten in diesem Jahr die Menschen in Oranienburg. Dort war 2018 - Stand 26.Dezember 2018 - keine Evakuierung nötig.

Waldbrände erschwerten die Arbeit des KMBD

Brandenburgs Innenminister erinnerte zudem an die Waldbrände im Sommer, die den KMBD an seine Grenzen gebracht habe. Viele der brennenden Flächen waren mit Kampfmitteln belastet. "Umso dankbarer bin ich, dass in diesem Jahr alles gut gegangen ist. Ich danke den Spezialisten beim Kampfmittelbeseitigungsdienst, aber auch allen Verantwortlichen in den betroffenen Kommunen. Danke auch an die vielen Bürgerinnen und Bürger, die sich bei den Evakuierungen diszipliniert verhalten haben. Bombenfunde werden uns auch in Zukunft nicht erspart bleiben, darauf müssen wir uns einstellen. Der Krieg hat einen langen Atem. Er kann auch über 70 Jahre nach seinem Ende noch immer töten“, so Schröter.

Bereits im Herbst hatte Sprengmeister Mike Schwitzke gesagt, dass mit weiteren Bombenfunden durchaus zu rechnen sei. "Das Problem ist, dass wir eben nicht wissen, was die letzten 70 Jahre passiert ist. Wir können nur zurückblicken bis Oktober 1990, was zu DDR-Zeiten geräumt wurde und was man gefunden hat, wissen wir nicht", so Schwitzke gegenüber den PNN. Zudem hat er konkrete Flächen im Visier, auf denen Blindgänger liegen könnten. Das RAW-Gelände am Hauptbahnhof ist so ein Areal.


Munitionsfunde in Brandenburg 2018

Insgesamt wurden rund 296 Tonnen Kampfmittel gefunden.

Darunter etwa:
 - 3.200 Stück Nahkampfmittel
 - 150 Stück Minen
 - 31.000 Stück Granaten
 - 4.400 Stück Brandbomben
 - 240 Stück Sprengbomben über 5 kg
 - 1.100 Stück Panzerabwehrraketen/ Raketen
 - 1.300 Stück Waffen/Waffenteile
 - 920.000 Stück Handwaffenmunition

Fachgerecht vernichtet wurden im gleichen zeitraum rund 376 Tonnen Kampfmittel.  

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