Verhaltensbiologie : Tiere erobern die Städte

Eine Verhaltensbiologin der Universität Potsdam hat herausgefunden, dass es Landkaninchen zunehmend in die Städte zieht. Sie weiß auch, warum. 

Großstädter. Ein Kaninchen im Park am Berliner Marx-Engels-Forum.
Großstädter. Ein Kaninchen im Park am Berliner Marx-Engels-Forum.Foto: Soeren Stache/picture alliance /dpa

Potsdam - Die Potsdamer Verhaltensbiologin Madlen Ziege konnte mit einer Studie belegen, wie wichtig in Zukunft Städte als Lebensraum für Wildtiere werden. Am Beispiel des Wildkaninchens konnte die Wissenschaftlerin zeigen, dass die Tiere vom ländlichen Umland in die Innenstadt von Frankfurt am Main einwanderten. Zugleich habe sich herausgestellt, dass die Stadtkaninchen genetisch sogar vielfältiger sind als ihre Artgenossen auf dem Land.

Weniger Inzucht bei Stadtkaninchen

Stadtkaninchen weisen demnach weniger Inzucht auf als ihre Artgenossen auf dem Land, wodurch sie eine größere genetische Vielfalt besitzen. „Das liegt daran, dass es in der Stadt viel höhere Dichten gibt und die Kaninchen sich trotz Barrieren wie Straßen besser miteinander austauschen können“, erklärt die Forscherin. Auf dem Land würden die wenigen Kaninchengruppen viel weiter voneinander entfernt leben. „Das führt zu einer größeren Inzucht bei den Landtieren und letztlich zu einer Abwanderung in die Stadt“, so Madlen Ziege.

Wichtige Ressourcen in den Städten

Die Ergebnisse ihrer an der Universität Potsdam ausgewerteten Studie zur Populationsgenetik der Stadt- und Landkaninchen hat das Team um Verhaltensbiologin Ziege nun im Journal „Scientific Reports“ publiziert. In die Städte zieht es die Europäischen Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus) demnach aus dem gleichen Grund wie die Menschen: weil sie dort wichtige Ressourcen finden, die auf dem Land weniger gut zur Verfügung stehen. „Wildkaninchen erreichen dort hohe Dichten, wo sie ausreichend Nahrung finden und die Möglichkeit haben, in nächster Nähe Bauten anzulegen“, erklärt die Verhaltensbiologin. 


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