Wissenschaft : Malariamittel für Millionen Kranke

Potsdamer Forscher entwickeln neues Verfahren für einen Wirkstoff, der als das wirksamste Mittel gegen Malaria gilt und bislang mit aufwendigen Verfahren aus Einjährigem Beifuß (Artemisia annua) gewonnen wird.


Chemiker aus Potsdam und Berlin haben ein einfaches Verfahren für die Herstellung eines wirksamen Malariamittels entwickelt. Bei dem Verfahren wird Artemisinin aus dem Einjährigem Beifuß (Artemisia annua) gewonnen. „Wir gehen davon aus, dass 800 unserer einfachen Fotoreaktoren reichen, um den weltweiten Bedarf an Artemisinin zu decken“, sagte Peter Seeberger vom Potsdamer Max-Planck-Institut (MPI) für Kolloid- und Grenzflächenforschung am Dienstag vor der Presse. Der Wirkstoff gilt als das wirksamste Mittel gegen Malaria und wird bislang mit aufwendigen Verfahren gewonnen.
Künftig werde es möglich sein, Millionen Malariakranke mit erschwinglicheren Medikamenten zu versorgen, hieß es. Seeberger schätzt, dass die neuartige Synthese in etwa sechs Monaten in die technische Anwendung gelangen könnte. Die Wissenschaftler gewinnen den Wirkstoff mit einem photochemischen Verfahren aus einem Abfallprodukt der derzeitigen Artemisinin-Produktion, das auch biotechnologisch in Hefe erzeugt werden kann, der Artemisininsäure.
Seeberger ist auch  auf dem Gebiet der Malariaprävention aktiv. Zusammen mit seinem Team hat er einen tauglichen Impfstoff entwickelt, der sich unmittelbar in der vorklinischen Phase befinde. Test mit Tieren hätten gezeigt, dass der Impfstoff hundertprozentig erfolgreich den Giftstoff im Körper blockiert. Nun sei weitere anwendungsbezogene Forschung notwendig. „Wir haben den bisher besten Impfstoff gegen Malaria entwickelt“, so Seeberger, der eine Professur an der Universität Potsdam inne hat.
Noch bis ins 19. Jahrhundert hielt man übelriechende Ausdünstungen aus Sümpfen für die Auslöser der Malaria (von italienisch „mala aria“, „schlechte Luft“). Tatsächlich wird die auch Sumpffieber genannte Krankheit von einzelligen Parasiten hervorgerufen. Die mit dem Stich weiblicher Anophelesmücken übertragenen Plasmodien zerstören die Blutzellen.
Während die Malaria quartana und die Malaria tertiana meist nur leichte Symptome hervorrufen, kann die Malaria tropica unbehandelt zum Tod führen. Typische Symptome sind hohes, wiederkehrendes Fieber, Schüttelfrost und Krämpfe. Vor allem viele Kleinkinder in afrikanischen Ländern südlich der Sahara sterben an Malaria. Kix/dpa

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