Wissenschaft : Gekrümmte Flächen, geblähte Segel

Mathematiker und Freizeitsegler: Christian Bär ist neuer Professor für Geometrie an der Uni Potsdam

Mandy Schneider

Mathematiker und Freizeitsegler: Christian Bär ist neuer Professor für Geometrie an der Uni Potsdam Von Mandy Schneider Den neuen Professor für Geometrie der Universität Potsdam Christian Bär aufzusuchen, ist derzeit nicht leicht. Die Zimmer und Flure der mathematischen Fakultät am Neuen Palais werden renoviert. Man muss über Bottiche und Malergerät steigen, gelangt aber schließlich doch in das Büro. Kahl sieht es aus, riecht nach Farbe, als sei der Professor gerade erst eingezogen. Er selbst nimmt es gelassen, ein echter Mathematiker eben. Diese Gelassenheit war kürzlich auch bei seiner Antrittsvorlesung zu beobachten. Zur Nervosität hatte Christian Bär keinen Grund, denn der 1962 in Kaiserslautern geborene Wissenschaftler ist bereits seit September letzten Jahres an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam beschäftigt und kennt den Großteil der Angestellten im Fachbereich. In seiner Vorlesung, der etwa 40 Kollegen der Fakultät beiwohnten, referierte er über sein Spezialgebiet, die Differentialgeometrie, ein Teilgebiet der Mathematik, in dem gekrümmte Flächen und höher-dimensionale Räume studiert werden. Christian Bär sitzt an einem langen Holztisch, an dem sonst mathematische Fragestellungen diskutiert werden. Er schiebt seinen Ärmel hoch, schaut auf die Uhr, hat die Zeit immer im Blick. „Ich bin vor allem wegen der guten wissenschaftlichen Bedingungen nach Potsdam gekommen“, sagt er. Die Nähe zum Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik in Golm ist für ihn besonderes attraktiv. In der Zukunft erhofft sich der Naturwissenschaftler eine enge Zusammenarbeit mit dem Golmer Institut, da die Differentialgeometrie auch bei physikalischen Problemen von Bedeutung ist. In seiner bisherigen Karriere hat sich der Mathematiker auf dieses Gebiet spezialisiert. „Eigentlich wollte ich ja mal Biologie studieren, aber letztlich überwog doch der Reiz, schwierige mathematische Probleme zu lösen“, erzählt er. Während seines Studiums in Kaiserslautern und Bonn spielte er viel Schach. Den Denksport hat er inzwischen aufgegeben. „Für einen Mathematiker ist das kein gutes Hobby - zu viel Mathematik und Strategie“, schmunzelt er und schüttelt den Kopf, als verstehe er heute nicht mehr, warum er das Brettspiel früher entspannend fand. Sein Diplom erhielt Bär in Bonn, wo er später auch promovierte. Vor Beendigung seiner Habilitation 1993 forschte er ein Jahr in New York. Als er zurückkehrte, winkte bereits ein Angebot der Universität Freiburg. Dort hatte er fünf Jahre den Lehrstuhl für Geometrie inne, ehe er 1999 zur Hamburger Universität wechselte. Bis zum Sommer 2003 lehrte, forschte und wohnte er in der Hansestadt. Dann folgte er dem Ruf der Universität Potsdam, eine neue Forschungsgruppe zu gründen und den Fachbereich für Geometrie zu übernehmen. Inzwischen weiß Christian Bär Potsdam nicht nur als Wissenschaftsstandort zu schätzen. Hier kann er auch gut seinem neuen Hobby, dem Segeln, nachgehen. Das Umland mit den vielen Flüssen und Seen sei wie geschaffen. Ein eigenes Segelboot hat er nicht, er chartert lieber eins. Die Wartung wäre ihm viel zu zeitaufwendig. Schon für das Segelfliegen, bei dem er sich immer gut von der Arbeit entspannen konnte, blieb ihm keine Zeit mehr. „Ich hatte sogar ein eigenes Segelflugzeug“, seufzt der Wissenschaftler. Wenn schon nicht für das Segeln in den Lüften, so soll nun wenigstens für das Segeln auf dem Wasser die Zeit reichen. Knapp bemessen ist sie allemal. Denn als neuer Professor am Fachbereich Geometrie betreut er ein siebenköpfiges Forschungsteam und hält regelmäßig Lehrveranstaltungen ab. Bereut habe er seine Entscheidung, nach Potsdam zu kommen, nicht. „Ich fühle mich hier sehr wohl“, erklärt er ohne Umschweife. Zu Beginn seiner Tätigkeit in Potsdam musste er sich erst einmal auf die hiesigen Bedingungen einstellen. Alles sei viel unbürokratischer als an der Hamburger Universität, deren Studentenzahl mehr als doppelt so hoch ist wie die der Potsdamer Uni. „Aber gerade das ist das Schöne, das alles sehr schnell und unkompliziert vonstatten geht.“ Die Zahl der Studierenden im Fachbereich Mathematik ist mit etwa 20 Studienanfängern pro Jahr ebenfalls geringer, das ermöglicht eine intensivere Betreuung. „Und letztendlich spüre ich immer dann, dass es die richtige Entscheidung war, wenn ich morgens mit dem Fahrrad von meiner Wohnung in Potsdam West durch Sanssouci zur Uni fahre", erklärt er lächelnd und fügt stolz hinzu: „Ich habe sogar eine Genehmigung dafür.“

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