Wissenschaft : Ausbildung zum Völkerverständiger

Das Institut Neue Impulse bietet ab Herbst zwei Kurse an der FH an

Das Institut Neue Impulse bietet ab Herbst zwei Kurse an der FH an Das Programmheft des Instituts Neue Impulse e.V. an der Fachhochschule Potsdams beschönigt nichts. „Die Situationen hier bei uns werden eher komplizierter als einfacher – vor allem für junge Leute“, heißt es da über Deutschlands Lage. Und: „Die demokratische Gestalt der Gesellschaft ist deshalb für viele Menschen weder erstrebenswert noch notwendig.“ Ab dem Wintersemester sollen zwei neue Kurse des Instituts Neue Impulse (INI) an der FH diese Trend entgegensteuern und gleichzeitig die Verständigung Deutschlands mit Israel und Palästina fördern. Der Kopf hinter dem Institut heißt Rudi-Karl Pahnke. Er führt das Projekt seit 2000. Bis 2004 war das INI in der Trägerschaft der Evangelischen Akademien in Deutschland, doch dieses Jahr kam der Umbruch. Seitdem steht die Fachhochschule hinter dem Institut, das Geld kommt von der Bundesinitiative „Civitas“. Das Ziel des INI ist gleich geblieben: Völkerverständigung, insbesondere mit Israel. „Das ist für mich auch wegen meiner ostdeutschen Herkunft eine besonders wichtige Aufgabe“, begründet Pahnke seine Motive. Er verweist dabei auf die antiisraelische Politik in der DDR, die nur die Nähe zu den Palästinensern gekannt habe. „Neulich sagte ein Palästinenser in einer Diskussion, dass es in seinem Land keine Gerechtigkeit gäbe, dass so etwas nicht bekannt sei – solche Sichten wurden in der DDR ausgeblendet“, so Pahnke. Die neuen Kurse des Instituts sollen beide Seiten beleuchten. Im ersten Kurs geht es von Oktober bis Januar jeweils an mehreren Tagesblöcken um Rechtsextremismus in Deutschland. Fragen sollen gestellt werden. Wie ist die rechtsextreme Szene organisiert? Worin liegt der Unterschied zwischen Kritik an Israel und plumpen Antisemitismus? Wie wurde in der DDR damit umgegangen? Der zweite Kurs ist mehr an der Praxis orientiert. „Wir möchten dabei Leute qualifizieren, um Begegnungen zwischen Deutschen und Israelis oder Palästinensern zu leiten“, sagt Pahnke. Die Arbeit dafür dauert circa zwei Jahre und endet nach acht Blöcken mit einem Zertifikat der Fachhochschule. Parallel dazu findet ein ähnliches Projekt in Israel statt. Nach der theoretischen Vorarbeit soll es dann zwei Reisen nach Israel und Palästina geben, bei denen ein Treffen mit den Teilnehmern des dortigen Kurses auf dem Programm steht. Die beiden Kurse sollen auch von Leuten außerhalb der Fachhochschule besucht werden können, das Institut Neue Impulse ist jeweils federführend. „Ja, es ist wirklich mein Kind, ich muss mich dazu bekennen“, sagt Pahnke, der die beiden neuen Kurse leiten wird. Rudi-Karl Pahnke sagt von sich, dass er sich seit seinem zwölften Lebensjahr mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt beschäftigt. Der heute 62-Jährige ist studierter Theologe und war von 1972 bis 1982 Pfarrer in Berlin. 1989 gründete er den Demokratischen Aufbruch (DA), war 1990 Leiter der Runden Tischs der Jugend. Danach wechselte er als Studienleiter an die Evangelische Akademie Berlin mit der Zuständigkeit für Jugendfragen. Nun ist er im Institut Neue Impulse der Chef für rund 35 Mitarbeiter. Doch die Leiterrolle passt nicht wirklich zu Pahnke. Über seinem Bürotisch hängt in altdeutscher Schrift ein Spruch von Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg: „Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen.“ Das Zitat entspricht Pahnkes Weltsicht, dass manchmal Widerstand gegen den Staat angebracht ist. Er redet davon, dass die Deutschen zu unkritisch geworden sind, sich zu sehr von der Bürokratie lenken lassen. Auch für den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern hat der Kurfürstensatz für Pahnke eine Bedeutung. Er sagt, dass sich sein Institut auf keine der beiden Seiten stellen will. „Ich lehne es ab, den beiden Seiten Ratschläge zu geben, wie sie ihren Konflikt lösen können.“ Er wolle gerade durch das Austauschprojekt eine Plattform schaffen, in der sich die israelischen, palästinensischen und deutschen Teilnehmer kennen lernen können, um somit selbst über ihre Probleme untereinander zu reden. Pahnke verweist auf die aktuelle Lage, spricht vom „Sprung über den eigenen Schatten“, den Israels Premier Scharon gerade beim Abzug der Siedlungen aus dem Gazastreifen geschafft habe. Pahnke hofft, dass die Palästinenser dies als Aufforderung für eigenes Handeln begreifen. „Israelis und Palästinenser müssen miteinander für die Zukunft lernen um den Frieden in der Region aus sich selbst heraus schaffen.“ Henri Kramer www.institut-neue-impulse.de

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