Exklusiv

Umstrittenes Projekt : Wiederaufbau der Garnisonkirche wird noch teurer

Für den Wiederaufbau der Garnisonkirche wird mehr Geld als bisher geplant benötigt. Da hilft auch die aktuelle Großspende nicht. Zudem gibt es einen neuen Termin für die Fertigstellung des Turms.

Für den Turm der Garnisonkirche vermauern die Bauarbeiter insgesamt fast drei Millionen Ziegelsteine.
Für den Turm der Garnisonkirche vermauern die Bauarbeiter insgesamt fast drei Millionen Ziegelsteine.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Der umstrittene Wiederaufbau der Garnisonkirche wird deutlich kostspieliger und dauert länger als bislang geplant. Trotz einer neuen Großspende eines anonymen Mäzens in Höhe von 500.000 Euro sei die Deckungslücke zur Vollendung des Projekts von zehn auf nunmehr zwölf Millionen Euro angewachsen, sagte Peter Leinemann, Vorstand der Garnisonkirchen-Stiftung, den PNN am Mittwoch bei einem Baustellenrundgang. Damit steigen die Gesamtkosten für das Vorhaben von 38 auf 40 Millionen Euro.

Turm der Garnisonkirche wächst in die Höhe
Einschweben. Handwerker dirigieren die halbrunden Holzverschalungen in Position, die für das Mauern des Bogens über dem Eingangsportal der Garnisonkirche gebraucht werden – eine jahrhundertealte Technik.Weitere Bilder anzeigen
1 von 15Foto: Andreas Klaer
03.07.2019 17:46Einschweben. Handwerker dirigieren die halbrunden Holzverschalungen in Position, die für das Mauern des Bogens über dem...

Als Grund nannte Leinemann die jährlich wegen der guten Konjunkturlage der Branche immer weiter steigenden Baukosten, sowie die noch immer nicht beigelegten Streitigkeiten um die Mehrkosten beim Bau des Fundaments. Wie berichtet mussten diese Arbeiten im Januar 2018 für mehrere Wochen unterbrochen werden, weil einer der Bohrer abgebrochen war. Mit der beauftragten Firma streitet sich die Stiftung nun darum, wer die entstandenen Mehrkosten trägt. Es gehe dabei um eine siebenstellige Summe, sagte Leinemann.

Zudem verschiebt sich die geplante Fertigstellung des Turms um ein weiteres Jahr auf Juli 2022. Ursprünglich sollten die Arbeiten an dem knapp 90 Meter hohen Turm bereits im Sommer 2021 abgeschlossen werden. Schuld an der neuerlichen Verzögerung sei einerseits die unfreiwillige Pause bei den Fundamentarbeiten, so Leinemann. Dadurch hätten sich auch die Maurerarbeiten verschoben. Die Stiftung habe sich aus finanziellen und ökologischen Gründen gegen den Aufbau eines beheizbaren Zeltes auf der Baustelle entschieden, um die verlorene Zeit wiederaufzuholen, so Leinemann. Im Januar sei für das Projekt eine neue Baugenehmigung erteilt worden. Die alte, 2013 erteilte Genehmigung, wäre wie berichtet zum Ende dieses Jahres ausgelaufen. Nach brandenburgischem Baurecht hätte der Turm ein Jahr später, also Ende 2020, fertig sein müssen, was aus den genannten Gründen nicht zu schaffen gewesen wäre.

Seit zwei Jahren wird gebaut

Mit dem Wiederaufbau der zwischen 1730 und 1735 nach einem Entwurf von Philipp Gerlach errichteten Garnisonkirche als Versöhnungszentrum war im Oktober 2017 begonnen worden. Neben Spendengeldern, etwa von TV-Moderator Günther Jauch, kommen dabei auch öffentliche Mittel in erheblicher Höhe zum Einsatz. So erhielt die Garnisonkirchen-Stiftung zwei Millionen Euro für Planungsleistungen aus dem Vermögen der ehemaligen DDR-Parteien und -Massenorganisationen. Weitere zwölf Millionen Euro stellt der Bund als Anschubfinanzierung zur Verfügung, weil es sich aus Sicht der Regierung um ein Bauwerk von nationaler Bedeutung handelt. Hinzu kommen mehrere Kirchenkredite in Höhe von insgesamt fünf Millionen Euro.

Das Projekt ist seit Jahren umstritten. Während die Befürworter mit der Bedeutung der Kirche für das Stadtbild und der geplanten Versöhnungsarbeit argumentieren, reiben sich die Kritiker, darunter die Martin-Niemöller-Stiftung, vor allem an der Rolle der Kirche während der Nazizeit.