• Sparmaßnahmen am Hauptstadtflughafen: Das BER-Terminal 2 ist betriebsbereit – und bleibt geschlossen

Sparmaßnahmen am Hauptstadtflughafen : Das BER-Terminal 2 ist betriebsbereit – und bleibt geschlossen

Es wurde gebaut, weil der Airport sonst schon bei der Eröffnung zu klein gewesen wäre. Nun bleibt das T2 erst mal zu; die Flughafengesellschaft muss sparen.

Thorsten Metzner
Bleibt erst mal zu: Der Ankunftsbereich im Terminal 2 vom Flughafen Berlin-Brandenburg (BER).
Bleibt erst mal zu: Der Ankunftsbereich im Terminal 2 vom Flughafen Berlin-Brandenburg (BER).Foto: Patrick Pleul/dpa

Es ist rechtzeitig fertig, wird aber doch nicht eröffnet: Das für Billigairlines errichtete Terminal T2, das neben dem Hauptterminal nun betriebsbereit steht, wird nicht gemeinsam mit dem BER am 31. Oktober 2020 eröffnet. Das teilte die von Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup geführte Flughafengesellschaft Berlins, Brandenburgs und des Bundes (FBB) am Freitag mit.

Grund dafür ist, dass infolge der Coronakrise und dem Einbruch im Luftverkehr derzeit nur wenige Passagiere abgefertigt werden, was die Finanzlage der FBB weiter verschärft. "Die Kapazität des Hauptterminals reicht aus. Es ist preiswerter, das Terminal T2 zunächst nicht in Betrieb zu nehmen", sagte Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider dem Tagesspiegel. "Wir befinden uns in der tiefsten Krise der Luftfahrt", sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup dem Tagesspiegel.  "Es wäre nicht gerechtfertigt, das Terminal in Nutzung zu nehmen."  So werde man jeden Monat eine halbe Million Euro sparen. 

Wie berichtet, erwartet die FBB, dass sie in diesem Jahr wegen der Corona-Einbrüche nur etwa zehn Millionen Passagiere abfertigen wird, im Rekordjahr 2019 waren es in Tegel und Schönefeld noch 35,6 Millionen.

Das neue BER-Hauptterminal ist für 24 Millionen Passagiere angelegt. Im alten Schönefelder SXF-Terminal – künftig das BER-Terminal 5 – waren zuletzt 13 Millionen Fluggäste im Jahr abgefertigt worden. Und das neue Terminal T2 hat eine Abfertigungskapazität von sechs Millionen Passagieren.

Betroffen von der Verschiebung ist etwa die Lufthansa-Tochter Eurowings, die bislang in Tegel stationiert ist, und im T2 ihre Basis haben soll.    

Auch bei diesem Bau hatte es zwischenzeitlich Verzögerungen gegeben

Die Flughafengesellschaft meldete am Freitag Vollzug, dass das neue BER-Terminal 2 "betriebsbereit" sei, dieses Terminziel erreicht wurde und bei der Baubehörde der Antrag auf Nutzungsfreigabe eingereicht worden sei. Das war über Monate durchaus nicht klar, weil es auch bei diesem Bau zwischenzeitlich Verzögerungen gegeben hatte.

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Die Fertigstellung innerhalb von zwei Jahren zeige, so Lütke Daldup: "Wir können Flughafen bauen." Mit einer Kapazität von sechs Millionen Passagieren sei das Terminal immerhin doppelt so groß wie der Flughafen Leipzig und halb so groß wie der Flughafen Stuttgart. 

Der Startschuss war 2017 gefallen, Baubeginn war im Jahr 2018. Als Lehre aus dem BER-Desaster hatte die FBB den Bau des Billigterminals an einen Generalunternehmer, nämlich die Zech-Gruppe,  vergeben. Vorgesehen war dafür erst ein – allerdings von Anfang an zu gering angesetztes – Budget von 100 Millionen Euro, das später auf 200 Millionen Euro verdoppelt wurde. Das wurde gehalten.

"Der Bau dieses Terminals ist im Kosten- und Zeitrahmen geblieben", betonte Lütke Daldrup und dankte der Zech Bau SE. "Aufgrund der eingebrochenen Passagierzahlen benötigen wir das Terminal nicht zur Eröffnung des BER", so Lütke Daldrup. "Die FBB wird das T2 daher voraussichtlich erst zum Sommerflugplan 2021 in Betrieb nehmen. Bis dahin können wir eine halbe Million Euro pro Monat einsparen."

Der Flughafenchef stellte zugleich klar: "Bei wieder steigenden Passagierzahlen ist das Terminal 2 innerhalb kürzester Zeit betriebsbereit."

Kurt Zech, Vorstandschef der Zech-Gruppe, einem der größten deutschen Baukonzerne, hob hervor, wie alle an einem Strang gezogen hätten. "Das war letztendlich der Schlüssel dafür, dass wir das Bauwerk zum vereinbarten Termin übergeben können und ich meine Wette auf fristgerechte Ablieferung, die ich auf dem Richtfest angeboten habe, heute einlösen kann", sagte Zech. "Nun wünsche ich dem BER einen erfolgreichen Betrieb und viele Passagiere."