• Mehrere Linien fallen aus: GDL-Streik schränkt Bahnverkehr in Berlin und Brandenburg weiter ein
Update

Mehrere Linien fallen aus : GDL-Streik schränkt Bahnverkehr in Berlin und Brandenburg weiter ein

Seit Donnerstagfrüh wird der Personenverkehr der Deutschen Bahn bestreikt. Betroffen sind S-Bahn und Regios. Auch am BER macht sich der Ausstand bemerkbar.

Fahrgäste sind am Hauptbahnhof bei Sonnenaufgang auf dem Bahnsteig zu sehen, wobei sich die Szenerie in einer Vitrine spiegelt.
Fahrgäste sind am Hauptbahnhof bei Sonnenaufgang auf dem Bahnsteig zu sehen, wobei sich die Szenerie in einer Vitrine spiegelt.Foto: Christoph Soeder/dpa

Nach der Niederlage der Deutschen Bahn vor dem Arbeitsgericht in Frankfurt geht der Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) weiter. Damit sei auch der Bahnverkehr in Berlin und Brandenburg weiter eingeschränkt, sagte ein Bahnsprecher am Freitagmorgen. Der Ersatzfahrplan laufe dennoch stabil. Die Bahn kündigte an, Berufung gegen das Urteil des Arbeitsgerichts einzulegen, das hessische Landesarbeitsgericht wies diese jedoch zurück.

Für Berlin bedeutet der Streik weiterhin starke Einschränkungen der S-Bahn. Wie diese online mitteilte, verkehren die S1, S2, S25, S3, S46, S7 und S9 im 20-Minuten-Takt. Die S5 und S8 fahren alle 40 Minuten und die S26, die Ringbahnen S41 und S42, die S47, S75 und S85 fallen aus.

Auch der Regionalverkehr in Berlin und Brandenburg ist deutlich eingeschränkt. Einige Linien, wie beispielsweise der RB11 von Frankfurt(Oder) nach Cottbus oder der Kulturzug zwischen Berlin und Breslau fallen ersatzlos aus.

Für Bahnen nach Rostock oder Stralsund an die Ostsee gibt es hingegen reduzierte Ersatzfahrpläne mit Zügen oder Bussen. Auch für den RE10 zwischen Cottbus und Leipzig gibt es beispielsweise Ersatzverkehr. Fahrgäste der Bahn sind angehalten, sich vor Fahrtantritt bei der Bahn zu informieren, wie und ob ihre Verbindungen vom Streik betroffen sind.

Am Flughafen BER machen sich unterdessen offenbar die Auswirkungen des Streiks bemerkbar. Es seien verzweifelte Szenen, die sich derzeit am BER abspielen, sagt Leszek Nadolski, Chef der Berliner Taxiinnung. Denn seitdem die Lokführer streiken, haben Reisende Probleme, vom Flughafen in die Stadt zu kommen.

„Am Flughafen ist der Teufel los“, sagte Nadolski dem Tagesspiegel. „Die Leute warten bis zu zwei Stunden auf einen Wagen, es muss etwas geschehen“.

[Wenn Sie alle aktuellen Nachrichten live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

Der Bedarf ist groß. Denn zum BER fährt in den Streiktagen nur eine S-Bahnlinie, nämlich die S9, und das nur alle 20 Minuten. Auch die RE 7, die den Flughafen mit der City verbindet, verkehrt nur eingeschränkt.

Zugleich sind viele Reisende von der Bahn auf das Flugzeug umgestiegen, der Bedarf, vom Flughafen in die Stadt zu fahren, steigt. Doch am BER gibt es nur 600 Taxen, kritisiert Nadolski, davon kommen 300 aus Berlin, weitere 300 aus Brandenburg.

Doch zumindest die Zahlen für die Berliner Anbieter sind eher theoretisch. Denn in der Corona-Flaute haben viele Taxiunternehmer ihre Flotte eingeschränkt, von den 300 zugelassenen Taxen aus Berlin seien nur noch 150 bis 200 im Einsatz, sagt der Innungschef.

GDL fordert mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen

Die Lokführergewerkschaft kämpft um mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen für ihre Mitglieder. Mit dem auf mehr als fünf Tage angesetzten Streik in der laufenden Tarifrunde bei der Bahn will die GDL ihren Forderungen nach insgesamt 3,2 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 28 Monaten sowie einer Corona-Prämie von 600 Euro mehr Nachdruck verleihen.

[Sie haben die Wahl! Mit dem Berlin-O-Mat des Tagesspiegel können Sie herausfinden, welche Partei Ihnen in Berlin am Nächsten steht - auch in ihrem Bezirk.] 

Die Deutsche Bahn hatte ursprünglich eine deutlich längere Laufzeit von rund 40 Monaten angestrebt. Mit dem neuen Angebot hat sie nun 36 Monate in Aussicht gestellt sowie eine Corona-Prämie von bis zu 600 Euro.

Die Deutsche Bahn hatte angekündigt, zum Wochenende bundesweit rund 30 Prozent der Fernverkehrszüge fahren zu lassen. Im Regional- und S-Bahnverkehr soll rund 40 Prozent des sonst üblichen Angebots Bestand haben.

Schon am Mittwochnachmittag war der Ausstand im Güterverkehr angelaufen. Nicht bestreikt werden Konkurrenten der Deutschen Bahn. Allerdings sind auch bei ihnen Einschränkungen in Folge der Streiks möglich. (dpa/Tsp)