• Geprüfte Produkte aus der Region – „staatlich garantiert“: Brandenburg führt ein Regionalsiegel für Lebensmittel ein

Geprüfte Produkte aus der Region – „staatlich garantiert“ : Brandenburg führt ein Regionalsiegel für Lebensmittel ein

Die Qualitätssiegel sollen den Konsumenten eine bessere Orientierung beim Einkauf bieten. In der Pandemie ist die Nachfrage nach regionalen Produkten gestiegen.

Thorsten Metzner
Axel Vogel (Bündnis 90/Die Grünen), Brandenburger Landwirtschaftsminister, bei der Pressekonferenz zur Vorstellung der neuen Qualitätssiegel.
Axel Vogel (Bündnis 90/Die Grünen), Brandenburger Landwirtschaftsminister, bei der Pressekonferenz zur Vorstellung der neuen...Foto: Soeren Stache/dpa

Garantiert aus der Mark – nach langem Ringen führt Brandenburg zwei regionale Qualitätssiegel für Lebensmittel und Agrarprodukte ein. Und zwar ein Zeichen für Brandenburger „Bio“, eins für Konventionelles, beide von der EU anerkannt. Ein Ziel sei es, damit Verbraucherinnen und Verbrauchern, „die gezielt nach Milch, Yoghurt, Obst und Gemüse, Fleisch und Wurst guter Qualität aus der Region suchen, eine bessere Orientierung zu geben“, sagte Agrarminister Axel Vogel (Grüne) am Mittwoch zum Start, der eigentlich auf der - abgesagten - Grünen Woche geplant war.

Auf Etiketten findet man künftig die Labels „Gesicherte Qualität Brandenburg“ oder „bio Brandenburg. Gesicherte Qualität“ – und zwar in rot-weißen Landesfarben. Die Vergabe an Erzeuger und Verarbeiter erfolgt über den Marketingverein pro agro und die Fördergemeinschaft für Ökologischen Landbau (FÖL) als Lizenznehmer.

Vogel verwies darauf, dass Regionales im Trend liege und mit der Pandemie die Nachfrage nach Lebensmitteln, nach Obst- und Gemüse aus der Mark deutlich gewachsen sei, ebenso der Absatz aus Hofläden oder Gemüsekisten. Die neuen Gütesiegel sollen dazu beitragen, den Absatz von Brandenburger Agrarprodukten in der Metropolenregion zu erhöhen, mit sechs Millionen Menschen „einer der größten Absatzmärkte Europas“. Ein Adressat seien auch die 10.000 gastronomischen Einrichtungen in der Region.

Konkret wollen beide Bundesländer die Brandenburg-Qualitätssiegel zu einem Auswahlkriterium etwa bei Ausschreibungen für Gemeinschaftsverpflegung machen, also für Kantinen in Schulen oder für Mensen. Der Senat habe im Zuge der Berliner Ernährungsstrategie erklärt, das Brandenburger Bio-Zeichen bei der Ausschreibung etwa für die Schulspeisung zu nutzen, sagte Vogel.

„Berlin bekennt sich ja klar zu Bio aus Brandenburg.“

Es gehe um täglich 200.000 Grundschulessen, sagte FÖL-Vize-Geschäftsführer Gerald Köhler. „Berlin bekennt sich ja klar zu Bio aus Brandenburg, doch kann in öffentlichen Ausschreibungen wegen des Diskriminierungsverbots der EU bisher nur Bio, jedoch nicht dessen Herkunft adressieren.“ Das ändere sich nun.

Die nächste Vergabe der Grundschulverpflegung in Berlin stehe 2024 an. In Brandenburg, wo die Zuständigkeiten anders sind, wolle man bei den Kommunen und den Hochschulen für die Siegel als Ausschreibungskriterium bei Gemeinschaftsessen werben.

Für die bereits beim Deutschen Patent- und Markenamt geschützten Brandenburger Qualitätszeichen greift Brandenburg laut Vogel auf die Qualitätsprogramme Baden-Württembergs zurück. Über gesetzliche Anforderungen hinaus soll ein Etikettenschwindel ausgeschlossen sein.

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Beide Siegel werden für Lebensmittel etwa nur dann vergeben, wenn 90 Prozent der verwendeten Zutaten nachweislich aus Brandenburg kommen oder: „Tiere dürfen höchstens vier Stunden bis zum Schlachthof transportiert werden.“ Das Bio-Siegel erhalten Produkte nur, wenn Betriebe „zu 100 Prozent ökologisch wirtschaften“ und „Wiederkäuer ganzjährig mit Grünfutter gefüttert“ werden. Und das „konventionelle“ Regionalsiegel bekommen Produkte nur, wenn für die Herstellung keine Gentechnik verwendet wurde, kein Fischmehl verfüttert und kein Klärschlamm gedüngt wurde.

Freilich, es kann noch eine Weile dauern, bis man die Brandenburger RegionalProdukte im Handel an den beiden neuen Labels im Regal erkennt. Pro agro und der FÖL versuchen, Erzeuger und Verarbeiter dafür zu gewinnen.

Zu den ersten Firmen, die dabei sind, gehören die Eberswalder Wurst & Fleisch GmbH sowie die Lobetaler Biomolkerei der Hoffnungstaler Werkstätten. Mit den Regionalsiegeln, sagte Kai Rückewold von pro agro, habe man die Transparenz, dass es geprüfte, echte, authentische Produkte aus Brandenburg sind, „staatlich garantiert“.