UJKC Potsdam : Kurzer Prozess

Im Eiltempo fegten die Bundesliga-Judoka des UJKC Potsdam den TSV Bayer 04 Leverkusen von der Matte. Beim klaren Heimerfolg, durch den sich die Potsdamer auf Tabellenrang drei verbesserten, gab ein 16-jähriges UJKC-Talent sein Ligadebüt und verkaufte sich teuer.

Vielleicht hatten die Judoka des TSV Bayer Leverkusen noch ein Besuchsprogramm in Potsdam und Berlin geplant, um der langen Anreise noch etwas Versöhnliches abzugewinnen. Für das Bundesliga-Duell gegen den UJKC Potsdam jedenfalls haben sich die 500 Kilometer nicht gelohnt. In zwölf der 14 Kämpfe gingen die Potsdamer als Sieger von der Matte – und das meist im Eiltempo. Nur ein Kampf ging über die volle Distanz von vier Minuten, einmal musste die Verlängerung her. Ansonsten machten die UJKC-Kämpfer kurzen Prozess mit ihren Gegnern. Fast schien es, als hätten sie bei der schwachen Gegenwehr der Rheinländer ihren eigenen Wettbewerb ausgerufen, wer sein Gefecht am schnellsten gewinnt. Diese Sonderwertung würde dann an Yanislav Gerchev gehen: Der bulgarische Gaststarter des UJKC und diesjährige Europameisterschaftsdritte hatte seine Tagesaufgabe gegen Kevin Resag nach 42 Sekunden erledigt.

Entsprechend zufrieden mit dem Auftritt und der Ausbeute des Potsdamer Teams war dessen Trainer Mario Schendel. „Gut, dass wir auch unser Unterpunkte-Konto heute etwas füllen konnten“, meinte er nach den kurzweiligen 90 Minuten in der MBS-Arena. Gleichwohl wusste er die Qualität des überzeugenden Sieges einzuschätzen. Die Gäste hätten sich gleich nach ihrer Ankunft entschuldigt, dass sie lediglich mit einer Not-Truppe antreten werden. Drei ihrer ausländischen Athleten hätten kurzfristig abgesagt, andere Punkte-Lieferanten fielen wegen Verletzungen aus. „Daher war mir klar, dass es auch in dieser Höhe ausgehen wird“, sagte Schendel. Zur Halbzeit des Kampftages hatten sechs der sieben Potsdamer  ihre Duelle gewonnen. Die Pflichtaufgabe, das Gefecht gegen Leverkusen zu gewinnen, war damit praktisch erfüllt.

UJKC muss auf Punktverlust von Holle hoffen

Das bescherte Schendel die komfortable Situation, für die restlichen Paarungen frische Kräfte einzusetzen. „Schön, dass ich heute fast allen eine Chance geben konnte“, freute er sich. Während die Etablierten wie Martin Setz, Ivaylo Ivanov oder Gerchev ihre Aufgaben routiniert meisterten oder auch Mohammed Akkash seinen zweiten Erfolg in seiner Budnesliga-Debütsaison folgen ließ, ging bei den beiden Auftritten des Youngsters und Ligadebütanten Yvo Witassek der Puls des Trainers etwas höher. „Er ist mein Zögling, ich betreue ihn ja seit drei, vier Jahren, sodass ich da schon etwas emotionaler dabei war“, sagte Schendel. Zweimal kämpfte der 16-jährige Potsdamer in der Gewichtsklasse bis 100 Kilogramm gegen den elf Jahre älteren Leverkusener Dennis Gutsche. Und es wurden jene zwei Kämpfe, die am Ende als Siege auf dem Gäste-Konto verbucht wurden. Leicht gemacht hat es Witassek seinem Gegner jedoch nicht. Das erste Duell ging in die Extra-Time, in der der junge Potsdamer mehrfach zur entscheidenden Aktion ansetzte, doch am Ende war es Gutsche, der nach etwas mehr als fünf Minuten Kampfzeit gewann. Und in der Neuauflage des Duells musste sich Witassek geschlagen geben, nachdem er sich aus einer Festhalte nicht befreien konnte.

Mit dem vorgestrigen Gesamtsieg verbesserte sich der UJKC in der Nord-Gruppe der 1. Bundesliga auf den dritten Rang und bleibt somit in Schlagweite auf den Zweitplatzierten Holle, den es zu überholen gilt, wollen sich die Potsdamer für das Halbfinale der Meisterschaft qualifizieren. Einen Ausrutscher können sich die Potsdamer dafür nicht mehr erlauben, nachdem sie am vierten Kampftag in Holle verloren hatten und daher das Halbfinalziel nicht mehr aus eigener Kraft schaffen können. „Es gibt zwei Konstellationen“, so Schendel. Entweder Holle hält sich schadlos und ist nicht mehr vom zweiten Platz zu verdrängen. Oder die Niedersachen werden in den vier verbleibenden Kampftagen noch einmal besiegt – was Schendel am ehesten dem KSC Asahi Spremberg zutraut. Dann wiederum würde es für den UJKC – vorausgesetzt er gewinnt seine nächsten Kämpfe in Bonn (30. Juni) und zuhause gegen den JC 66 Bottrop (15. September) – am 22. September zum Showdown kommen beim märkischen Judo-Derby in Spremberg.

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