• UJKC Potsdam: Herzlich, aber hart

UJKC Potsdam : Herzlich, aber hart

Den UJKC Potsdam und JC Leipzig verbindet eine freundschaftliche Partnerschaft. Nun treffen die beiden Judovereine im Viertelfinale der Bundesliga-Playoffs aufeinander und werden dabei alles anderes als zärtlich um das Weiterkommen kämpfen.

Mutig zupacken. Das heißt es für Killian Ochs (l.) und seine Mannschaftskameraden des UJKC Potsdam am morgigen Samstag. Der Leipziger Judoclub kommt für den ersten Playoff-Kampf der diesjährigen Bundesliga-Saison in die MBS-Arena.
Mutig zupacken. Das heißt es für Killian Ochs (l.) und seine Mannschaftskameraden des UJKC Potsdam am morgigen Samstag. Der...Foto: Gerhard Pohl

Harte Würfe auf die Matte, schmerzhaftes Festhalten, kraftvolles Zupacken: Judo ist Kampfsport. Und dennoch ist das anstehende Viertelfinale der Männer des UJKC Potsdam in der Judo-Bundesliga als „Duell der Herzen“ überschrieben. Die Riege des JC Leipzig reist zur ersten Playoff-Runde am morgigen Samstag in der MBS-Arena an (Beginn: 18 Uhr) und fordert als Hauptrundenvierter der Südstaffel Potsdam als Sieger der Gruppe Nord heraus. Die Kämpfer beider Lager kennen sich sehr gut, seit mehr als zwei Jahren trainieren sie etwa zweimal pro Monat gemeinsam, sodass sie sich herzlich vertraut sind.

Potsdamer Ass Philipp Galandi in Top-Form

Doch werden die insgesamt 28 Kämpfe in dem Hin- und Rückrundenduell alles andere als eine Herzensangelegenheit. „Da gibt es kurz Krieg auf der Matte“, meint UJKC-Trainer Mario Schendel, der bei aller freundschaftlichen Verbundenheit zum Gegner „keine Lust hat, zu verlieren“. Zumal seine Mannschaft auf heimischer Matte vorlegen muss, „denn in Leipzig wird es relativ schwer“, vermutet Schendel. Gleichwohl sieht er seine Männer in der Favoritenrolle. Zum einen absolvierte der UJKC eine souveräne Hauptrunde und setzte sich gegen die Konkurrenz aus Hamburg, Spremberg, Witten Bottrop und Holle durch. Zum anderen kämpfen die UJKC-Athleten auch jenseits der Bundesliga in diesem Jahr äußerst erfolgreich – allen voran Philipp Galandi.

Erst am vergangenen Wochenende verbuchte der 23-Jährige bei den European Open in Belgrad mit dem dritten Platz seine ersten Weltranglistenpunkte. Im August wurde der Student für Bauingenieurswesen der Technischen Universität Berlin Dritter der Universiade – der Studenten-Spiele – in Taipeh. „Die Universiade war der bisherige Höhepunkt meiner Saison“, sagt der 100-Kilo-Mann. Seinen Erfolg und seine Leistungskonstanz führt er neben hartem Training auch darauf zurück, dass er in der schwierigen Zeit nach einer Lendenwirbelverletzung 2015 immer weitergemacht hat. „Ich habe die Zeit dennoch genutzt, um das zu trainieren, was ging“, sagt er. „Irgendwas kann ich immer machen“, beschreibt er seine Einstellung und seinen Umgang mit Verletzungen. „Ist das Knie verletzt, mach ich was für die Arme und den Oberkörper, ist der Ellbogen lädiert, trainiere ich die Beine“, meint er. Dadurch habe Galandi eine Belastungsverträglichkeit entwickelt, die ihn nun schon längere Zeit ohne Probleme habe trainieren lassen – mit der nunmehrigen Erfolgsserie als Ergebnis, die vergangenen November mit Bronze bei der U23-Europameisterschaft begann.

Gemeinsames Training hat einen großen Wert

Auch am morgigen Samstag „ist ein Sieg möglich“, gibt sich Philipp Galandi zuversichtlich. Wer genau ihm auf der Matte gegenüberstehen wird, wisse er nicht. Aber auch er kennt die Kämpfer aus Leipzig von vielen gemeinsamen Trainingseinheiten, deren Wert er genauso schätzt wie Trainer Schendel. „Gerade beim Judo ist es wichtig, immer mal wieder andere Trainingspartner zu haben, um sich weiterzuentwickeln, neuen Input zu bekommen und andere Kampfstile kennenzulernen und mit ihnen vertraut zu werden“, sagt Galandi. Daher schätze er nicht nur den Pendelverkehr zwischen Potsdam und Leipzig, sondern vor allem auch die Erfahrungen, die er mit der Nationalmannschaft auf Trainings- und Wettkampfreisen ins Ausland mache. „Vor allem in Japan kann man viel lernen. Das dortige Judo ist das Maß aller Dinge und die japanischen Kämpfer haben einfach ein super Judogefühl“, schwärmt der Potsdamer.

Für den morgigen Hinrundenkampf des Viertelfinales erwartet Trainer Schendel „mindestens einen Sieg“. Acht der 14 Kämpfe sollten seine Athleten wenigstens für sich entscheiden, um mit einem Punktepolster in einer Woche zum Rückkampf nach Leipzig zu fahren. Dort erwartet der 33-Jährige einen ähnlichen Ausgang, was letztlich dem UJKC den Einzug ins Halbfinale bescheren würde – das erste Mal nach 2012. Personell hat Trainer Schendel kaum Sorgen, einzig Punktegarant Martin Setz fehlt wegen eines Einsatzes mit der Nationalmannschaft in Zagreb. „Aber das können wir gut auffangen“, sagt Schendel mit Blick auf den starken Nachwuchs des UJKC.

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