Sport : Time-out nach dem Play-off-Aus

SC Potsdam scheitert im Viertelfinale der Meisterschaft und stimmt Coach Salomoni nachdenklich

Zum Heulen. Die Potsdamerinnen Lisa Rühl (l.) und Doreen Engel.
Zum Heulen. Die Potsdamerinnen Lisa Rühl (l.) und Doreen Engel.Foto: Jan Hübner

Der Kölner Karneval-Hit „Viva Colonia“ dröhnte aus den Boxen in der Sporthalle am Platz der Deutschen Einheit und ließ die Volleyballerinnen des VC Wiesbaden gröhlend im Kreis tanzen. Auf der anderen Seite des Netzes war hingegen eine Art Stillleben zu sehen. Das Team des SC Potsdam stand wie versteinert auf dem Spielfeld. Mit hängenden Köpfen und einigen Tränen in den Augen. Die Bundesliga-Saison ist für die Potsdamerinnen beendet, der Traum vom ersten Einzug ins Halbfinale der Vereinsgeschichte geplatzt. Mit 1:3 (19:25, 19:25, 25:23, 18:25) verlor der SCP am Mittwochabend in Wiesbaden das dritte Spiel des Viertelfinals und damit zugleich die Serie mit 1:2.

Einen Tag nach dem Play-off-Aus versuchte Potsdams Trainer Alberto Salomoni, seine Gefühle zu ordnen. „Ich bin traurig, aber nicht enttäuscht“, erklärte er. Enttäuscht könne man nur sein, wenn man sang- und klanglos ausgeschieden wäre. „Aber das war nicht der Fall“, meinte Salomoni, dessen Team am Mittwoch im Entscheidungsspiel jedoch nicht mit der völligen Überzeugung von der eigenen Leistungsstärke aufgetreten war wie noch beim beeindruckenden 3:0-Heimsieg am Wochenende. „Diesmal haben wir zu viele Punkte in Serie kassiert. Drei, vier, sogar fünf in Folge. Das war zu viel“, urteilte der Italiener. Den wichtigen Heimvorteil in der dritten Partie habe der VC Wiesbaden gut genutzt. Nach den 103 Spielminuten, in den das hessische Publikum fast ohne Unterbrechung mit Trommeln, Klatschpappen und Händen Lärm gemacht hatte, zogen die Gastgeberinnen ins Halbfinale ein und treffen dort auf den Dresdner SC. Im zweiten Semifinale duellieren sich Schwerin und Stuttgart.

Für den SC Potsdam indes bleibt die Tür zur Runde der besten vier deutschen Mannschaften wieder einmal verriegelt. Das dritte Jahr nacheinander. Platz fünf nach der Hauptrunde, das beste Ergebnis der Havelstädterinnen bislang, sei zwar ein gutes Resultat gewesen, sagte Salomoni. Doch trotz dieses Erfolges habe seine Mannschaft bereits in genau jenen 22 Partien die Chance auf ein glorreiches Play-off-Abschneiden verspielt. „Im gesamten Saisonverlauf hätten wir vieles besser machen müssen. Da waren wir nicht konstant genug. Nur wenn man kontinuierlich auf gutem Niveau agiert, ist man dann auch richtig bereit für die Play-offs“, erklärte der Coach. Hinzu kamen die Verletzungen – wie jüngst der Kreuzbandriss von Zuspielerin Giulia Carraro –, die den Motor immer wieder ins Stocken brachten.

So blieb es am Ende wieder eine Spielzeit, in der eine Weiterentwicklung des Teams stattfand, der nächste, wichtige Schritt in der Entscheidungsrunde allerdings abermals nicht gelang. Das stimmt auch Alberto Salomoni nachdenklich: „Ich brauche jetzt erst einmal eine Pause, ein Time-out.“ Nach vier Jahren als Chef-Trainer des SC Potsdam müsse er nun die Gesamtsituation reflektieren. Die Arbeit der Mannschaft, des Trainer-Teams, des Managements. „Wir müssen uns überlegen, wie es weitergehen soll und was man besser machen kann“, erläuterte der Herzblut-Volleyballer, der nun das offene und ehrliche Gespräch mit dem Klub suchen werde. In der nächsten Saison wird der SCP auf ein Neues den Halbfinaleinzug und Gewinn einer Medaille angehen. Ist Alberto Salomoni dann auch wieder der heißblütige Dirigent am Spielfeldrand? Ein klares Ja gab er auf die Frage nicht – aber auch kein Nein. Nur ein: „Mal schauen!“ Tobias Gutsche