Sport : Schütze mit Stirnband

Neuzugang Christian Groß ist der erste Nulldreier, der in der Vorbereitung ins gegnerische Tor traf

Michael Meyer
Erster Torschütze. Christian Groß brach am Samstag für den SV Babelsberg 03 den Bann und sorgte beim Toyota-Cup in Rathenow für die ersten Nulldrei-Treffer.
Erster Torschütze. Christian Groß brach am Samstag für den SV Babelsberg 03 den Bann und sorgte beim Toyota-Cup in Rathenow für...Foto: Jan Kuppert

Der Torbann ist gebrochen. Der erste Torschütze des Fußball-Drittligisten SV Babelsberg 03 in der Vorbereitung auf die neue Saison heißt Christian Groß. Beim Toyota-Cup in Rathenow (siehe unten) traf er zuerst mit einem Gewaltschuss von der Strafraumgrenze (9.), dann mit einem Billardschuss an den linken Innenpfosten (28.). „Natürlich freue ich mich darüber. Wenn man neu in eine Mannschaft kommt und dann das erste Tor macht, ist das was sehr Schönes“, sagt der 22-Jährige, der Anfang Juni vom Hamburger SV an den Babelsberger Park wechselte und hier einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieb.

Christian Groß fühlt sich inzwischen in Babelsberg gut angekommen. „Der Verein hat mich sehr gut aufgenommen. Das sind echt tolle Typen in der Mannschaft“, erzählt er. „Ich hatte es mir vorher nicht vorgestellt, dass es so leicht ist, in diese Truppe aufgenommen zu werden und dass man schon nach kurzer Zeit voll akzeptiert ist. Mit einer so sympathischen Stimmung in der Mannschaft hatte ich nicht gerechnet. Ich habe aber schnell gemerkt, dass hier eine familiäre Atmosphäre herrscht. Das macht es einem Neuen wie mir leicht.“

Fünf Jahre spielte Christian Groß, der beim BV in seiner Heimatstadt Cloppenburg mit dem Kicken begann, als B-Jugendlicher zum VfL Osnabrück wechselte und ein Jahr später nach Hamburg ging, zuletzt beim HSV. „Erst in der A-Jugend und dann bei den Amateuren, ehe ich einen Profivertrag erhielt“, erzählt der Norddeutsche. Er trainierte zwar mit dem Bundesliga-Team, kam mit ihm aber zu keinem Einsatz und kickte mit dem HSV II – dessen zweiter Kapitän er war – in der Regionalliga Nord, in der er 68 Partien bestritt und sieben Tore erzielte. „Ich habe im Training der ersten Mannschaft bei Martin Jol und Bruno Labbadia viel dazugelernt, und wenn man mit einem Ze Roberto auf dem Platz steht, nimmt man schon eine Menge mit“, meint Groß, der im April 2010 beim U20-Freundschaftsspiel Deutschland – Italien (4:0) in den letzten zehn Minuten mitwirke. Trotzdem löste er seinen noch gültigen Profivertrag in Hamburg zugunsten des SVB auf, da ihm der endgültige Sprung nach oben versagt blieb. „Ich bin nicht leichten Herzens gegangen, denn Hamburg ist eine Superstadt. Aber ich fühle mich auch hier sehr wohl. Und schon meine ersten Gespräche mit dem hiesigen Trainer waren sehr positiv. Ich will mit Babelsberg eine gute Saison spielen.“ Er sei fest davon überzeugt, mit dem SVB den Klassenerhalt zu schaffen. „Und wenn wir unter die Top Zehn kommen, lass ich mir von unserem Torwarttrainer (Sebastian Rauch/d. Red.) meine Haare abschneiden“, erklärt der Kicker mit dem Stirnband. „Ach ja, das Stirnband. Das habe ich seit meinen Osnabrücker Zeiten. Ich trage es nur beim Spielen und Trainieren auf dem Platz, wo es einfach zu meinem Ritual gehört.“

Derzeit sei die Truppe „ein bisschen kaputt, denn wir trainieren viel“, sagt Christian Groß. „Aber es wird immer besser. Wir müssen alle an einem Strang ziehen. Die Truppe wird sich immer mehr formieren und ich hoffe, dass wir gut in die Saison starten.“ In knapp zwei Wochen beginnt die Meisterschaft für Nulldrei mit der Auswärtspartie bei Jahn Regensburg. „Dort werden wir sehen, wo wir wirklich stehen, und ich hoffe, dass wir mindestens einen Punkt von dort mitbringen.“ Seinen Platz im Team sieht der beidfüßige Kicker im offensiveren Mittelfeld, „bei zwei Sechsern der mit dem offensiveren Part zwischen der Sechs und der Zehn“, erklärt er. Nulldrei-Trainer Dietmar Demuth erhofft sich mit ihm einen adäquaten Ersatz für den zum Halleschen FC gewechselten Anton Müller.

Christian Groß wohnt noch im Kongresshotel am Templiner See, wird in Kürze aber die Wohnung des letztjährigen Nulldreiers Robert Paul übernehmen, der zum Oberligisten FSV Zwickau ging. Seine Freundin Scarlet, mit der er seit zwei Jahren zusammen ist und die jetzt ihr Studium beendet hat, wird in Hamburg bleiben, Mutter Ella und Vater Dieter werden wie schon in den letzten Jahren versuchen, zu so vielen Heimspielen ihres Sohnes wie möglich zu kommen. „Ich habe ihnen viel zu verdanken. Meine ganze Familie ist fußballverrückt“, sagt Groß, dessen Bruder Fabian (25) als Innenverteidiger mit dem BV Cloppenburg II in der Landesliga kickt. Wenn er Zeit dazu findet, will sich der Neu-Babelsberger Potsdam und die Umgebung näher anschauen. „Es ist schön hier. Wenn wir beispielsweise durch den Babelsberger Park laufen, ist das zwar anstrengend. Man sieht aber auch, wie toll es dort ist.“

 

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