• SC Potsdam : Neuer Trainer könnte schon Erfolgsgeschichte schreiben

SC Potsdam : Neuer Trainer könnte schon Erfolgsgeschichte schreiben

Im ersten Spiel als Chefcoach bei den Volleyballerinnen des SC Potsdam hat Guillermo Naranjo Hernández gleich Aussicht auf einen historischen Erfolg. Der Hintergrund des Trainerwechsels von Davide Carli zu dem Spanier bleibt aber nebulös.

Alles im Blick. Guillermo Naranjo Hernández war in Deutschland bereits mit Stuttgart sehr erfolgreich.
Alles im Blick. Guillermo Naranjo Hernández war in Deutschland bereits mit Stuttgart sehr erfolgreich.Foto: Uwe Anspach/dpa

Potsdam - Diese Situation ist sonderbar. In seinem ersten Spiel als Cheftrainer vom SC Potsdam könnte Guillermo Naranjo Hernández direkt den größten Erfolg in der Vereinsgeschichte des Brandenburger Frauenvolleyball-Bundesligisten erleben. Am Mittwochabend bestreitet der SCP ab 18.30 Uhr das Halbfinale um den Deutschen Pokal in der heimischen MBS-Arena gegen den Schweriner SC (Live-Übertragung als Konferenzschaltung beim Fernsehsender Sport1). Der Einzug ins Endspiel, das am 24. Februar nächsten Jahres in der 12.500 Zuschauer fassenden SAP-Arena von Mannheim stattfindet, wäre ein Novum für Potsdam.

Davide Carli war für die bisher größten SCP-Erfolge verantwortlich

Neu am Luftschiffhafen ist seit Montag jedenfalls Guillermo Naranjo Hernández. Der 41-Jährige aus Spanien übernahm den Cheftrainer-Posten von Davide Carli, der diesen seit Sommer 2016 innehatte. Der Hintergrund zu der vorzeitigen Trennung ist in der Außenansicht nebulös. Nachdem der Italiener bereits für zwei Wochen als „krank geschrieben“ fehlte, wie es der Verein mitgeteilt hatte, dementierte die Clubführung vorigen Donnerstag zunächst einen Medienbericht zur Absetzung von Carli. Dann folgte wenige Tage später doch die Bestätigung. „Die Dinge haben sich so entwickelt. Kurzfristig. Da war überhaupt nichts von langer Hand geplant“, sagt SCP-Sportdirektor Toni Rieger.

"Ich bin stolz und dem SC Potsdam total dankbar", sagt Davide Carli.
"Ich bin stolz und dem SC Potsdam total dankbar", sagt Davide Carli.Foto: Verein

Aber es bleibt die Frage nach dem Warum? Wieso das plötzliche Aus für Davide Carli? In seiner ersten Saison hatte er mit Platz vier das bisher beste Ergebnis des Potsdamer Vereins in der Bundesliga-Hauptrunde erreicht, dazu erstmalig das Pokal-Halbfinale. Sein Vertrag war im zurückliegenden Februar – inmitten einer sportlich nicht zufriedenstellenden Phase – noch verlängert worden, weil seine akribische tägliche Arbeit von den Entscheidungsträgern des Clubs für sehr gut befunden worden war. Auch der Start in die aktuelle Saison verlief ordentlich. „Ich bin stolz auf das, was ich über zweieinhalb Jahre in Potsdam geschafft habe. Mannschaftlich hatten wir Erfolge und individuell konnte ich gerade die jüngeren Spielerinnen weiterentwickeln“, erklärt Davide Carli im PNN-Gespräch. „Ich bin dem SC Potsdam und der Familie Rieger total dankbar, dass ich von ihnen die Chance zu diesem Job bekommen habe.“ Aber zum Grund für das jähe Ende der Zusammenarbeit wolle er nichts sagen. „Da müsst ihr mit Toni reden.“

Keine konkreten Angaben zum Grund der Trennung von Carli

Jener Toni, Sportdirektor Rieger, sagt aber auch nicht viel: „Die Einigung erfolgte beiderseitig und aus persönlichen Gründen, wie wir es in der Pressemitteilung bekanntgeben. Mehr ist dem auch nicht mehr hinzuzufügen.“ Er dankt dem Ex-Coach allerdings ebenso. „Charly hat uns hier viel gegeben und nochmal echt ein ganzes Stück nach vorne gebracht.“ Doch er wolle jetzt nicht mehr zurückblicken, betont Rieger. „Es geht nach vorne in die Zukunft.“

Und die soll Guillermo Naranjo Hernández gestalten. Seinen Vertrag bei einem polnischen Club, für den er seit diesem Sommer tätig war, konnte der aus Teneriffa stammende Trainer kurzerhand auflösen. „Es ist purer Zufall, dass sich das alles so ergeben hat“, sagt Toni Rieger und freut sich auf das Engagement von Hernández beim SCP, das zunächst bis Saisonende fixiert ist. Parallel betreut er auch weiterhin die griechische Nationalmannschaft.

SCP glaubt an Chance gegen den nationalen Primus aus Schwerin

Für Hernández ist es eine Rückkehr nach Deutschland. Von 2013 bis 2017 stand er in Diensten des Bundesligisten Allianz MTV Stuttgart. Seine Bilanz aus dieser Zeit: beeindruckend. Je zweimal wurde er mit den Schwäbinnen nationaler Pokalsieger und Vizemeister, zudem holte der MTV mit ihm einmal den deutschen Supercup. „Er soll unserem qualitativ guten Team auch erfolgreich seine Handschrift geben“, erläutert Potsdams Manager Toni Rieger. Der südeuropäische Coach stehe für eine Spielphilosophie, die auf einer stabilen Annahme und Abwehr fuße. Bei seiner Arbeit sei Hernández „ein knallharter Hund“, verspricht Rieger. Diese konsequente Art kam scheinbar auf die Dauer in Stuttgart nicht gut an. Der Verein forcierte trotz eines noch für ein Jahr laufenden Vertrags die Trennung – mit einer juristisch ausgehandelten Abfindung wurde das Kapitel beendet. Laut den „Stuttgarter Nachrichten“ warfen die Clubbosse ihm unter anderem Schwächen beim Coaching während der Spiele und im zwischenmenschlichen Bereich vor. Doch die Erfolge sprachen eigentlich für ihn.

In Potsdam soll Guillermo Naranjo Hernández nun möglichst auch für sportliche Achtungszeichen mit der Mannschaft sorgen. Der polnische Co-Trainer Lukasz Marciniak, der bereits Davide Carli assistierte, soll ihn dabei unterstützen. Einen ersten Coup könnte das neue Duo heute im Pokal landen. Auch wenn Schwerin als amtierender Deutscher Meister und derzeit ungeschlagener Bundesliga-Tabellenführer klarer Favorit ist, glaubt Toni Rieger an eine realistische Chance für die Gastgeberinnen. „Wir sind genauso gerade auf einem Hoch“, sagt er. Vier von sechs Liga-Saisonspielen gewann der Tabellenvierte – die beiden Niederlagen geschahen erst im Tie-Break und hätten bei mehr Cleverness auch zugunsten des SCP ausgehen können. „Unsere Mannschaft weiß, dass es am Mittwoch nur ein einziges Spiel ist, das zum Finale fehlt. Die Mädels werden sich zerreißen“, kündigt Rieger an. Und er versichert, dass der Trainerwechsel intern zu keinerlei Unruhe geführt habe: „Die Stimmung ist super.“ Ob das gerade wegen der Demission von Davide Carli der Fall ist, bleibt unkommentiert.